Gratis-Download

Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

Jetzt downloaden

Arbeitsstättenverordnung: Schimmel in Bibliotheken vermeiden

0 Beurteilungen
Arbeitssicherheit

Von Wolfram von Gagern,

Schimmelpilze in Bibliotheken und Archiven sind nicht nur eine Bedrohung für den Erhalt wertvoller Bücher und Schriftstücke, sie gefährden auch die Gesundheit von Beschäftigten und Benutzern.

Experten schätzen, dass etwa 200 verschiedene Arten von Schimmelpilzen auf Bibliotheksmaterial zwischen Buchdeckeln und -einbänden gedeihen. Ausreichende Nahrung bieten ihnen dort verschiedene organische Substanzen wie etwa Cellulose im Papier, Collagen im Pergament oder Stärke im Kleber.

Diese Folgeerkrankungen sollten Sie kennen

Grundsätzlich können Pilze beim Menschen 3 Gruppen von Erkrankungen hervorrufen:

  • infektiöse Pilzerkrankungen („Mykosen“)
  • Überempfindlichkeiten gegen Pilzinhaltsstoffe („Mykoallergosen“)
  • Vergiftungen durch die Stoffwechselprodukte („Mykotoxikosen“)

Am häufigsten ist die Mykoallergose, eine allergische Reaktion auf Schimmelpilzsporen. Eine Studie in nordrhein- westfälischen Archiven hat ergeben, dass ihre Mitarbeiter durch diese Mikroorganismen 2- bis 3-mal stärker gefährdet sind als die übrige Bevölkerung, bei der sich das Risiko vor allem auf Personen mit einem geschwächten Immunsystem konzentriert.

Arbeitsschutzmaßnahmen in Bibliotheken und Archiven

Mit diesen Maßnahmen können Sie Ihre Kollegen vor tätigkeitsbedingten Schimmelpilzerkrankungen schützen:

  • Sorgen Sie dafür, dass im Magazinbereich (also unmittelbar dort, wo die Bücher und Schriftstücke aufbewahrt werden) keine Dauerarbeitsplätze eingerichtet sind. Die Mitarbeiter sollten sich dort nur so kurz wie nötig aufhalten.
  • Stellen Sie durch organisatorische Maßnahmen (kein unnötiges Umlagern bzw. wenn nicht vermeidbar, dann nur in geschlossenen Behältern) sowie durch Unterweisungen sicher, dass keine schimmelpilzhaltigen Stäube freigesetzt werden.
  • Im Magazinbereich dürfen weder Lebensmittel verzehrt noch Kosmetika aufgetragen werden! Den Finger nicht zum Umblättern mit der Zunge benetzen, sondern Anfeuchter oder Blattwender („Gummifinger“) verwenden.
  • Neuzugänge und Archivmaterial stichprobenartig auf Schimmelpilzbefall untersuchen (Sichtprüfung).
  • Kontaminierte Bestände separieren.
  • Finden Sie bei der Entdeckung von feuchtem, geschädigtem und muffig riechendem Archivmaterial immer die Ursache heraus (z. B. mangelnde Lüftung bzw. Klima tisierung) und stellen Sie sie ab.
  • Oberflächenreinigungen (Abbürsten) bzw. Bearbeitung (Verfilmung usw.) nur unter Absaugvorrichtungen vornehmen.
  • Sind diese nicht vorhanden, Schutzkleidung benutzen. Geeignet sind Schutzkittel mit langem Arm und geschlossenem Kragen, Schutzhandschuhe und personengebundene dicht sitzende Halbmasken mit Partikelfilter P 2 bzw. partikelfiltrierende Halbmasken FFP 2 mit Ausatemventil.
  • Lassen Sie Räume, in denen kontaminiertes Archivgut gelagert oder bearbeitet wird, mindestens wöchentlich unter Vermeidung von Staubentwicklung (Feuchtreinigung) säubern.

Tipp: Weitere wichtige Hinweise zur Vermeidung von Schimmelpilzgefährungen in Archiven finden Sie in der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe „Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit mikrobiell kontaminiertem Archivgut“ (TRBA 240).

 

Arbeitssicherheit aktuell

Sichern Sie sich praxisrelevante Tipps, Anregungen und Hinweise auf aktuelle Urteile und Gesetzesänderungen mit leicht nachvollziehbaren Lösungsansätzen für Ihrer tägliche Arbeit als Sicherheitsbeauftragter oder Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Datenschutz

Anzeige