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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Arbeitstättenverordung: Sichere Glastüren und -wände

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Arbeitsstaettenverordnung Arbeitssicherheit

Von Wolfram von Gagern,

Glas vermittelt Leichtigkeit, Offenheit und Transparenz. Als moderner Baustoff erfreut es sich darum zunehmender Beliebtheit.

Aber allzu viel „Glasnost“ verursacht immer wieder schwere Unfälle durch splitternde Scheiben, wenn sie in einem Moment der Ablenkung nicht rechtzeitig wahrgenommen werden. Mit diesen Maßnahmen sorgen Sie dafür, dass die Freude Ihrer Beschäftigten und Besucher an so viel Durchlässigkeit ungetrübt bleibt.

Die Sicherheit von Glaswänden und -türen ist abhängig

  1. vom richtigen Werkstoff und
  2. von ihrer deutlichen Kenntlichmachung.

Sichere Glasbauteile sind Vorschrift

Leider sind die mit Glaselementen verbundenen Probleme bei Bauplanern und Architekten manchmal hinter ästhetische Gesichtspunkte zurückgetreten. Dabei enthalten sowohl die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) als auch die Arbeitstättenrichtlinien (ASR) entsprechende Sicherheitsanforderungen (besonders ASR 8/4 „Lichtdurchlässige Wände“ und ASR 10/5 „Glastüren, Türen mit Glaseinsatz“), z. B.:

  • Glaswände müssen aus bruchsicheren Werkstoffen bestehen.
  • Durchsichtige Türen (oder Teilflächen von ihnen) müssen etwa durch stabile Blenden geschützt sein, wenn beim Bruch Verletzungsgefahren durch Splitter drohen.
  • Türen im Verlauf von Verkehrswegen, in denen regelmäßig Material transportiert wird, müssen aus Sicherheitsglas oder einem Kunststoff mit vergleichbaren Sicherheitseigenschaften bestehen.

Beim Material können Sie zwischen 2 geeigneten Varianten wählen:

  • Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) nach DIN EN 12150, das sich bei Zerstörung in kleine stumpfkantige „Krümel“ auflöst und so Verletzungen ausschließt.
  • Verbund-Sicherheitsglas (VSG) nach DIN EN ISO 12543: Es besteht aus mindestens 2 Scheiben, die durch eine spezielle Kunststofffolie miteinander verbunden sind.

Beim Scheibenbruch haften die Bruchstücke an der Folie; es gibt keine scharfkantigen Glassplitter. Scheiben dieser Art werden in schlag- und sogar durchschusssicherer Ausführung beispielsweise auch bei Kassenplätzen verwendet. Für VSG besteht keine Kennzeichnungspflicht. Lassen Sie sich darum vom Montagebetrieb die Sicherheitsmerkmale schriftlich bestätigen. Als Alternative zu Glas bieten sich lichtdurchlässige Kunststoffe mit vergleichbaren Sicherheitseigenschaften an. Für bestimmte Umgebungen (z. B. in Lebensmittelbetrieben) sind sie allerdings wegen ihrer Hygieneeigenschaften nur bedingt geeignet.

Nachrüstung spätestens beim Umbau

Nach der Arbeitstättenverordnung müssen Sie die vorgenannten Sicherheitsanforderungen spätestens bei einem Umbau Ihrer Betriebsstätte erfüllen (wenn nicht aufgrund Ihrer Gefährdungsbeurteilung eine frühere „Nachrüstung“ nötig ist). Wenn Sie dabei sparen wollen, können Sie gefährliche Glasflächen durch Aufkleben von Splitterschutzfolien entschärfen. Verwenden Sie nur Folien, deren Schutzwirkung der Hersteller durch ein Prüfzeugnis nach DIN EN 12600 bestätigt. Außerdem müssen sie unbedingt fachgerecht verklebt werden.

Wichtig: Gläser mit eingegossenen Drähten sind keine Sicherheitsgläser! Gehen sie zu Bruch, können abstehende Bruchstücke besonders schwere Verletzungen verursachen.

So kennzeichnen Sie Glasflächen richtig

Wenn Türen zu mehr als drei Vierteln ihrer Fläche durchsichtig sind, müssen Sie sie so kennzeichnen, dass sie deutlich wahrgenommen werden können. Am einfachsten geht das durch Bekleben der Glasflächen mit Folien, die es in vielen Variationen gibt. Bringen Sie diese Markierungen in einer Höhe an, die von den Türbenutzern gut zu erkennen sind, also zweckmäßigerweise in Augenhöhe. Auch auffällige Griffe, Handleisten usw. sind als Kennzeichnung geeignet, ebenso etwa getönte oder geätzte Scheiben oder kontrastreiche Türrahmen. Achten Sie auch darauf, dass die Kennzeichnung groß genug ist, z. B. sollten bei einer Erkennungsweite von 3 m kreisförmige Zeichen mindestens 10 cm Durchmesser haben (nach BGV A8 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz“).

TIPP: Als Faustregel gilt: Je kleinteiliger der Hintergrund, desto großflächiger sollte die Kennzeichnung sein; je dunkler die räumliche Umgebung, desto heller die Beleuchtung im Türbereich.

In diesen Fällen sind noch weitere Maßnahmen nötig

In manchen Fällen müssen Sie für noch mehr Sicherheit sorgen: Dann etwa, wenn trotz Kenntlichmachung die Gefahr besteht, dass Menschen bei starkem Gedränge z. B. in Kaufhäusern oder Sportstätten in eine Glassscheibe hineingedrückt werden können. Nach den Bauausführungsbestimmungen und Verkaufsstätten-Verordnungen der Länder müssen solche Glaswände einem Menschengedränge standhalten. Das kann in der Praxis u. a. durch Anbringen von Gittern oder Geländern vor den Glasflächen erreicht werden.

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