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Arbeitsstätten sind so einzurichten, zu benutzen und instand zu halten, dass von ihnen keine Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen für die...

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Flucht- und Rettungswege: Das sagt das Gesetz

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Von Martin Weyde,

Flucht- und Rettungswege werden oft in einem Atemzug genannt. Ob Ihre Kollegen einen Weg finden, auf dem sie vor einer Gefahr aus eigener Kraft flüchten können, oder ob sie dafür rettende Hilfe benötigen, führt ja letztlich zum selben Wunschergebnis: Sie gelangen in Sicherheit. Doch für Sie als Sifa kann diese Vermischung trügerisch sein, denn Flucht- und Rettungswege haben unterschiedliche rechtliche Grundlagen!

 

Bauordnungen, die sich an der Musterbauordnung (MBO) der Bauministerkonferenz orientieren, gelten für bauliche Anlagen und Bauprodukte. Im Arbeitsstättenrecht geht es um Arbeitsplätze und zur Arbeitsstätte gehörende Bereiche. Damit erfasst die MBO auch Bereiche, die das Arbeitsstättenrecht nicht reglementiert, zum Beispiel Räume für den Wasseranschluss oder die Elektroverteilung.

„Fluchtwege“ kommen in der MBO nicht vor. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ befassen sich zwar mit Fluchtwegen, doch den Begriff „Rettungsweg“ kennt wiederum die ArbStättV nicht. Die ASR A2.3 weist wenigstens darauf hin, dass Rettungswege dem Bauordnungsrecht entsprechen und in Flucht- und Rettungsplänen enthalten sein müssen.

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Somit sei das Baurecht umfassender als das Arbeitsstättenrecht, schreibt „schadenprisma“, die Zeitschrift für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer, in ihrer aktuellen Ausgabe. Bei der Planung von Flucht- und Rettungswegen sei es erforderlich, die Anforderungen des Baurechts und des Arbeitsstättenrechts zusammenhängend zu betrachten.

 

Nach der MBO müssen Ihre Kollegen in höchstens 35 m Entfernung einen Ausgang in einen notwendigen Treppenraum oder ins Freie erreichen können. Diese Distanz deckt sich mit den Anforderungen der ASR A2.3, die jedoch weiter als die MBO geht und zusätzlich nach brand-, giftstoff-, explosions- und explosivstoffgefährdeten Räumen differenziert. Hier müssen die Fluchtwege erheblich kürzer sein.

Baurechtlich müssen Flure und Treppen breit genug für den größten zu erwartenden Verkehr sein, die ASR A2.3 unterscheidet dagegen konkret nach der Höchstzahl der Personen, die im Ernstfall einen Fluchtweg benutzen müssen. Bei der Gebäudeplanung sollten Sie also beide Formulierungen im Kopf haben.

Auch hinsichtlich der Umwehrung der Flucht- und Rettungswege bestehen Unterschiede. So sieht das Baurecht bei einer Absturzhöhe von 1 bis 12 m 0,90 m hohe Umwehrungen vor. Gemäß ASR A2.1 „Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen“ müssen diese dagegen mindestens 1 m hoch sein.

Der MBO entsprechend darf sich zwar unmittelbar hinter Türen in Aufschlagrichtung keine Treppe befinden, zur Aufschlagrichtung auf Rettungswegen äußert sie sich dagegen nicht. Die ASR A2.3 schreibt vor, dass Sie dafür sorgen müssen, dass manuell betätigte Türen in Notausgängen in Fluchtrichtung aufschlagen. Die Aufschlagrichtung sonstiger Türen im Verlauf von Fluchtwegen hängt von Ihrer Gefährdungsbeurteilung ab.

Das Arbeitsstättenrecht geht auch ansonsten in vielen Bereichen über die Anforderungen des Baurechts hinaus, zum Beispiel hinsichtlich der Sicherheitskennzeichnung, der Alarmierung, der Ausstattung mit Feuerlöschern, der Sicherheitsbeleuchtung und der Flucht- und Rettungspläne.

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