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Für die Sicherheitsfachkraft sind Betriebsanweisungen ein wertvolles Hilfsmittel, um die Mitarbeiter zu unterweisen und vor Gefährdungen am...

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Betriebsanweisung: So gehen Sie bei Arbeiten in Silos sicher vor

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Arbeitssicherheit Betriebsanweisung

Von Wolfram von Gagern,

Zu diesem schweren Unfall kam es in einem Getreidebetrieb in Unterfranken: Das Weizensilo der Mühle wurde leer gefahren. Vier Beschäftigte, darunter ein 16-jähriger Auszubildender, sollen anschließend im Innern Räumungsarbeiten durchführen.

Zu diesem schweren Unfall kam es in einem Getreidebetrieb in Unterfranken: Das Weizensilo der Mühle wurde leer gefahren. 4 Beschäftigte, darunter ein 16-jähriger Auszubildender, sollen anschließend im Innern Räumungsarbeiten durchführen. Der Aufsichtführende hatte einen der Mitarbeiter angewiesen, die Kollegen anzuleiten. Eine besondere Unterweisung fand nicht statt.

Die Kollegen steigen in das Silo ein. Als einer von ihnen Weizenreste auf die laufende Schnecke (Fördervorrichtung für Schüttgüter) zuschaufelt, bemerkt er, dass der Junge auf dem Schneckenkasten sitzt. Der Mann fordert ihn auf, sofort herunterzusteigen. Zu spät: In diesem Moment zieht die Schnecke das Bein des Azubis schon ein. Danach dauerte es eine ganze Weile, bis die Schnecke still gesetzt war: Weder gab es einen Not-Aus-Taster noch eine reibungslos funktionierende Verbindung zur 100 m entfernten Schaltwarte – nur dort konnte die Schnecke an einem Monitor gestoppt werden. Dazu musste jedoch erst einmal ein spezielles Steuerungsprogramm gestartet werden.

Betriebsanweisung: Wichtige Fragen zur Unfallanalyse

Stellen Sie bei allen Unfallanalysen 5 wichtige Fragen:

  1. Sind alle gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Arbeitsschutzbestimmungen eingehalten worden?
  2. Vor allem: Ist eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung durchgeführt worden, wurde sie auf dem neuesten Stand gehalten und waren die Gefährdungen vor Arbeitsbeginn ausreichend bekannt?
  3. Wurde mit den getroffenen Sicherheitsmaßnahmen das Restrisiko minimiert?
  4. Wurden angemessene Betriebsanweisungen erlassen und wurden die Mitarbeiter über die Gefahren und sicherheitsgerechtes Verhalten unterwiesen?
  5. Und schließlich: Wurde die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften durch die Vorgesetzten konsequent überprüft und wurden Verstöße dagegen in keinem Fall toleriert?

Gerade an den letzten Punkt sollten Sie Ihren Chef und alle Führungskräfte in Ihrem Betrieb immer wieder erinnern. Denn Versäumnisse hierbei können nicht nur zu hohen Regressforderungen der Berufsgenossenschaften für unfallbedingte Aufwendungen führen, sondern in schweren Fällen sogar strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Betriebsanweisung: Was ist bei dem Unfall falsch gelaufen?

Die Untersuchung ergab, dass eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung nicht durchgeführt worden war und demzufolge auch keine wirksamen Schutzmaßnahmen getroffen wurden – in krassem Widerspruch zu den Arbeitsschutzbestimmungen. Wesentliche Gefahren bei der Siloarbeit, insbesondere für den Jugendlichen, waren deshalb nicht erkannt worden. Das waren vor allem die folgenden:

  • Dem Azubi mangelte es an Sicherheitsbewusstsein und Erfahrung bei seiner Arbeitsaufgabe. Weder er selbst noch die anderen Arbeiter waren umfassend über die Gefahren unterwiesen worden.
  • Schriftliche Betriebsanweisungen für die Siloarbeit, die z. B. das Einsteigen bei laufender Schnecke verboten, gab es nicht.
  • Ein sofort erreichbarer Not-Aus- Knopf war nicht vorhanden.

Betriebsanweisung: Arbeitsschutzvorschriften nicht eingehalten

Damit hatte der Betrieb gleich gegen eine ganze Reihe von Arbeitsschutzvorschriften verstoßen – wären die eingehalten worden, hätte der tragische Vorfall vermieden werden können. Die wichtigsten sind:

  1. das Arbeitsschutzgesetz, wonach der Arbeitgeber verpflichtet ist, die Mitarbeiter über Gefahren und Maßnahmen zu deren Abwendung zu unterweisen (§ 12).
  2. die Betriebssicherheitsverordnung: Danach sind sowohl schriftliche Betriebsanweisungen (§ 9) als auch ein Not-Aus-Knopf (§ 7 und Anhang I) Vorschrift.
  3. das Jugendarbeitsschutzgesetz (§ 22), das gefährliche Arbeiten für unter 18-Jährige nur erlaubt, wenn sie zum Ausbildungsziel gehören und ein Fachkundiger sie beaufsichtigt.
  4. die Berufsgenossenschaftliche Regel „Behälter, Silos und enge Räume – Teil 1: Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen“ (BGR 117-1): Danach müssen Arbeiten in einem Silo durch einen Aufsichtführenden überwacht werden, der für das Einsteigen eine schriftliche Erlaubnis erteilen muss. Darin müssen auch die Vorkehrungen für sicheres Arbeiten festgelegt sein („Einstieg bei laufender Schnecke verboten“). Ohne diesen Erlaubnisschein hätte niemand in das Silo einsteigen dürfen. Außerdem hätte der Aufsichtführende sicherstellen müssen, dass die Schnecke abgestellt war, solange sich Personen im Silo befanden.

Betriebsanweisung: So wird eine Wiederholung vermieden

  • Not-Aus-Taster wurden angebracht.
  • Auszubildende werden mit gefährlichen Arbeiten nur noch so weit wie für die Ausbildung nötig und unter fachkundiger Aufsicht beschäftigt.
  • Die Mitarbeiter wurden unterwiesen.
  • In einer Betriebsanweisung sind Regeln für sicherheitsgerechtes Verhalten festgelegt, u.a. werden darin Arbeiten bei laufender Schnecke verboten.
  • An der Einstiegsluke weist zusätzlich ein Schild darauf hin, dass das Silo bei laufender Schnecke nicht betreten werden darf.

Tipp: Die BGR 117-1 enthält Muster für einen Erlaubnisschein und eine Betriebsanweisung für Siloarbeiten.

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