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Chemikalien: Schwierige Zeiten für Schutzhandschuhe

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Von Martin Weyde,

Wenn man einen Chemikalienschutzhandschuh auswählt, dann kommt es auf verschiedene Faktoren an. An erster Stelle nennt die BGI/GUV-I 868, dass die eingesetzten Stoffe den Handschuh nicht durchdringen dürfen.

 

Nun gibt es zwar viele gesicherte Erkenntnisse hinsichtlich der Durchdringung (Permeation) durch einzelne Stoffe. Doch das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) hat unlängst darauf aufmerksam gemacht, dass für „eine beträchtliche Anzahl von Chemikalien“ kein Schutzhandschuh empfohlen werden kann.
Die Hersteller von Chemikalien müssen in den Sicherheitsdatenblättern die Schutzhandschuhe angeben, die nötig sind, um Stoffe oder Zubereitungen zu handhaben. Und damit nicht genug: Sogar die Durchdringungszeit müssen sie angeben. (8.2.1 REACH-Verordnung)
Oder besser gesagt: Sie müssten, tun es aber offensichtlich sehr oft nicht. Das IFA drückt es so aus: „Derzeit bestehen noch starke Defizite in der praktischen Umsetzung.“ Daraus folgert das IFA, die Akteure im Arbeitsschutz müssten selbst praxistaugliche Lösungen finden.
Doch leichter gesagt als getan, denn diese Lücken kann man nicht schließen, indem man sich jedes Einzelfalls annimmt. Vielmehr ist eine an Branchen ausgerichtete Strategie erforderlich, um typische und häufig verwendete Produkte zu untersuchen.

 

Das Handschutz-Konzept des IFA bedeutet:

  1. branchentypische Zubereitungen auswählen
  2. diese Zubereitungen chemisch charakterisieren
    • kein großes Problem, wenn Zusammensetzung qualitativ und quantitativ bekannt sind ist
    • aber sehr aufwändig, wenn chemische Analysen erforderlich werden
  3. den am schnellsten durchdringenden Stoff feststellen – der ist die Leitkomponente
  4. die vor der Leitkomponente schützenden Handschuhmaterialien auswählen
  5. herausfinden, welche Materialien am besten schützen

Um zu ermitteln, welche Materialien als chemische Barriere gegen Chemikalien dienen können, hat das IFA in verschiedenen Prüfungen die Permeationsrate gemessen – also ermittelt, welche Masse einer Chemikalie pro Zeit- und Flächeneinheit durch ein Material dringt.
Die Prüfungen haben ergeben, dass es unverzichtbar ist, die Wirkung spezifischer Zubereitungen auf einen Schutzhandschuh gezielt zu messen, um seine chemische Barrierewirkung festzustellen.
Es könne nur der groben Orientierung dienen, die Barrierewirkung aus Einzelstoffmessungen unter standardisierten Bedingungen abzuleiten, so das IFA. Deshalb sei es wichtig, für eine Branche typische Zubereitungen repräsentativ auszuwählen, um mögliche Anwendungen möglichst breit abzudecken.
Das IFA weist darauf hin, dass ein hohes Maß an chemischer Intuition und langjährige Erfahrung erforderlich sind, um die Leitkomponente zielsicher zu bestimmen. Es gebe eine Vielzahl von Stoffen, die nicht ohne erheblichen Aufwand ermittelt werden können. In vielen Fällen sei es sogar notwendig, ein spezifisches Messverfahren zu entwickeln.
Es sind doch bestimmt Finanzierungsmodelle denkbar, die Kosten solcher Verfahren an die Hersteller weiterzugeben, die in den Sicherheitsdatenblättern keine geeigneten Handschuhe für die Chemikalien angeben, die sie selbst produzieren.

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