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Wer Gefahrstoffe an gewerbliche und industrielle Abnehmer verkauft, muss ein Sicherheitsdatenblatt mitliefern. Die darin enthaltenen Angaben sind…

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Gefahrstoffdatenbanken – Wichtiger Beitrag zur Arbeitssicherheit 

 

Von Redaktion,

Gefahrstoffe stellen in Alltag und Beruf eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit dar. Doch kaum jemand weiß, was hinter den komplizierten Namen der chemischen Stoffe steckt und wie die einzelnen Substanzen wirken können. Dafür gibt es Gefahrstoffdatenbanken.

In ihrem Arbeitsalltag kommen deutschlandweit tausende Beschäftigte mit - mal mehr, mal weniger - gefährlichen Chemikalien in Kontakt. Ein sicherer Umgang damit fußt auf dem Grundwissen über die Eigenschaften der jeweiligen Stoffe. Bei der schieren Menge an Informationen fällt es oft schwer, den Überblick zu behalten. Wer sich näher informieren möchte, der wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der GESTIS-Gefahrstoffdatenbank fündig. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat dort aktuell knapp 9.000 chemische Stoffe zusammengetragen, katalogisiert und beschrieben.

Neben der GESTIS existieren noch weitere Chemikaliendatenbanken. Auch sie liefern Informationen zu Unfallmaßnahmen, Konzentrationsgrenzen bestimmter Stoffe am Arbeitsplatz, geben Notfallhinweise und bieten einen guten Überblick über geltende Gefahrenschilder. 

 

Was ist ein Gefahrstoff? 

Ein Wort, welches immer wieder in der medialen Berichterstattung auftaucht. Meist im Zusammenhang mit Unfällen oder Bränden. Gehört hat es wohl jeder schon einmal. Wie genau ein Gefahrstoff definiert ist, wissen allerdings wohl nur wenige. Dabei ist die Definition keineswegs kompliziert. Gefahrstoffe werden als „Stoffe oder Gemische, die bei der Herstellung oder Verwendung eine schädigende Wirkung für Mensch und Umwelt darstellen können” definiert.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) agiert bei der Definition naturgemäß umfassender und detaillierter. In der Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (kurz: Gefahrstoffverordnung – GefStoffV) wird in § 2 (Begriffsbestimmungen) festgehalten: 

(1) Gefahrstoffe im Sinne dieser Verordnung sind 

  1. Gefährliche Stoffe und Gemische nach § 3, 
  2. Stoffe, Gemische und Erzeugnisse, die explosionsfähig sind, 
  3. Stoffe, Gemische und Erzeugnisse, aus denen bei der Herstellung oder Verwendung Stoffe nach Nummer 1 oder Nummer 2 entstehen oder freigesetzt werden, 
  4. Stoffe und Gemische, die die Kriterien nach den Nummern 1 bis 3 nicht erfüllen, aber aufgrund ihrer physikalisch-chemischen, chemischen oder toxischen Eigenschaften und der Art und Weise, wie sie am Arbeitsplatz vorhanden sind oder verwendet werden, die Gesundheit und die Sicherheit der Beschäftigten gefährden können, 
  5. alle Stoffe, denen ein Arbeitsplatzgrenzwert zugewiesen worden ist. 

Im kurz erwähnten § 3 wird definiert, welche Gefahren von einem Stoff ausgehen müssen, damit dieser als Gefahrenstoff gilt. Die komplette Gefahrstoffliste würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Für das bessere Verständnis halten wir die vier Überkategorien fest: Physikalische Gefahren, Gesundheitsgefahren, Umweltgefahren und weitere Gefahren. 

Gefahrgut vsGefahrstoff 

Eine weitere Begrifflichkeit, deren genaue Definition abseits der Spezialisten keiner so richtig kennt, ist „Gefahrgut”. Werden Gefahrstoffe transportiert, gelten sie für die Dauer des Transports als Gefahrgut. Als Gefahrgut gelten allerdings nicht nur Stoffe, sondern auch diverse Produkte wie beispielsweise Geräte, Bauteile oder Munition. 

 

Welche Arten von Gefahrstoffen gibt es? 

Gefahrstoffe werden in folgende zehn Unterkategorien eingeteilt: explosionsgefährlich, hochentzündlich, leichtentzündlich, brandfördernd, sehr giftig, giftig, gesundheitsschädlich, ätzend, reizend, umweltgefährlich. Was bedeutet dies im Detail? 

  • Explosionsgefährlich: Stoffe, die leicht explodieren können. (z.B. TNT) 
  • Hochentzündlich: Liegt der Siedepunkt unter 35 °C und der Flammpunkt (in flüssigem Zustand) unter 0 °C, werden die Stoffe als hochentzündlich eingestuft (z.B. Wasserstoff).
  • Leichtentzündlich: Bei Raumtemperatur an der Luft ohne externe Energiezufuhr erhitzbar und entzündlich; Flammpunkt (in flüssigem Zustand) unter 21 °C; entzündlich durch Feuerquelle (in festem Zustand, brennen nach Entfernung der Quelle weiter); Entwicklung hochentzündlicher Gase durch Berührung mit Wasser oder feuchter Luft. (z.B. Benzin) 
  • Brandfördernd: Unterstützen eine Verbrennung, ohne selbst brennbar zu sein. (z.B. Sauerstoff) 
  • Sehr giftig: Aufnahme sehr geringer Menge (Einatmen, Verschlucken, Haut) führt zum Tode oder verursacht akute oder chronische Gesundheitsschäden (z.B. Nikotin).
  • Giftig: Aufnahme geringer Menge (Einatmen, Verschlucken, Haut) führt zum Tode oder verursacht akute oder chronische Gesundheitsschäden (z.B. Tetrachlormethan).
  • Gesundheitsschädlich: Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut verursacht Gesundheitsschäden (akut oder chronisch); alte Bezeichnung: mindergiftig (z.B. Kaliumchlorat).
  • Ätzend: Lebendes Gewebe kann bei Berührung zerstört werden (z.B. Abflussreiniger).
  • Reizend: Rufen bei Kontakt mit Haut oder Schleimhaut (kurzzeitig, andauernd oder wiederholt) Entzündungen hervor (z.B. Kaliumcarbonat).
  • Umweltgefährlich: Wasser, Boden, Luft, Klima, Tiere, Pflanzen oder Mikroorganismen können derart verändert werden, dass Umweltschäden entstehend (z.B. Kaliumpermanganat). 

 

Wie werden Gefahrstoffe eingestuft und gekennzeichnet? 

Damit auf den ersten Blick klar ist, mit welchen Gefahrstoffen man es zu tun hat, gilt innerhalb der EU eine einheitliche Kennzeichnung. Eine klassische Kennzeichnung besteht aus drei Komponenten

  • Gefahrensymbole (beispielsweise von Haushaltsreinigern bekannte Piktogramme) 
  • Gefahrenbezeichnungen (siehe oben) 
  • R- und S-Sätze 

Die Rund S-Sätze (Risiko- und Sicherheitssätze) sind kodifizierte Warnhinweise, die der Einstufung und Charakterisierung einzelner Gefahrenstoffe dienen. 

 

Was ist eine Gefahrstoffdatenbank? 

Die GESTIS-Stoffdatenbank ist „das Gefahrstoffinformationssystem der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung”, der DGUV. Erstellt, gepflegt und gewartet wird die Stoffdatenbank vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) der zuvor erwähnten DGUV. Verantwortlich für die Erstellung der Gefahrstoffdaten, Einstufung der Stoffe und Pflege der Datenbanken sind externe Experten

 

Wie ist die GESTIS-Gefahrstoffdatenbank aufgebaut? 

Für jeden einzelnen der knapp 9.000 Gefahrstoffe existieren im Stoffdatenpool eigene Sicherheitsdatenblätter. Die enthalten alle sicherheitsrelevanten Informationen (z.B. Konzentrationsgrenzen, Notfallhinweise etc.) zu einer Vielzahl an Chemieartikeln. Die Benutzer der Datenbanken werden über folgende Punkte aufgeklärt: 

  • Identifikation 
  • Charakterisierung 
  • Toxikologie/Ökotoxikologie 
  • Physikalisch-chemische Daten 
  • Arbeitsmedizin und Erste Hilfe 
  • Sicherer Umgang 
  • Vorschriften 

Was genau ist in den jeweiligen Abschnitten nun genau zu finden? Welchen Teil des Datenblatts müssen Nutzer ansteuern, um gesuchte Informationen zu bekommen? 

Identifikation: Hier finden sich Namen und Synonyme der Substanz genauso wie alle bekannten Identifikationsnummern bzw. Kennzeichnungen sowie die entsprechenden Piktogramme

Charakterisierung: Ein besonders umfangreicher Punkt. Neben der chemischen Formel des jeweiligen Stoffes bekommen Nutzer hier auch Informationen zum Aggregatszustand, optischen Charakteristika und dem Geruch. Sie erfahren, welcher Gruppe der Stoff angehört und wie die chemische Charakterisierung aussieht. (Ist der Stoff leicht brennbar, wasserlöslich oder flüchtig? Welche Gefahren für Körper und Umwelt gehen von ihm aus?) Dazu kommen die physikalisch-chemischen Eigenschaften (Schmelzpunkt, Siedepunkt, Dichte, Flammpunkt, Wasserlöslichkeit, pH-Wert, gefährliches Reaktionsverhalten mit anderen Stoffen und so weiter). 

Toxikologische/Ökotoxikologische Daten: Geben Auskunft darüber, wie sich Stoffe auf die belebte Umwelt auswirken. 

Arbeitsmedizin und Erste Hilfe: Hier finden sich unter anderem Angaben darüber, wie der jeweilige Stoff in den Körper gelangen kann (Hauptaufnahmeweg, Atemwege, Haut, Verdauungstrakt). Weiters werden die Wirkungsweisen näher beleuchtet (akute Toxizität, chronische Toxizität, Reproduktionstoxizität, Mutagenität, Kanzerogenität, Stoffwechsel und Ausscheidung). Abgeschlossen wird der Punkt mit Angaben zum Verhalten falls Erste Hilfe notwendig wird. Was muss getan werden, wenn der Stoff in die Augen, auf die Haut oder in die Atmungsorgane gerät? Was passiert, wenn er verschluckt wird? Hinweise für Ärzte finden sich hier ebenso, wie weitere, allgemeinere Empfehlungen und Anmerkungen. 

Sicherer Umgang: Ein weiterer, ebenfalls umfangreicher Punkt ist jener zum sicheren Umgang mit dem Stoff. Näher beschrieben werden die richtige Handhabung (Arbeitsraum-Ausstattung und Belüftung, Apparaturen, sicherer Umgang, Reinigung und Instandhaltung), es gibt Angaben zur empfohlenen Lagerung (Lagerbedingungen und Zusammenlagerungsbedingungen). Dazu kommen Angaben zum Brand- und Explosionsschutz, zu organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen (Körperschutz, Atemschutz, Augenschutz, Handschutz, Arbeitshygiene) sowie zur richtigen Entsorgung des Gefahrstoffes. Was ist zu tun, wenn es zu einer unbeabsichtigten Freisetzung kommt? Welche Maßnahmen sind bei Bränden zu setzen (geeignete Löschmittel, Verhaltensmaßregeln, persönliche Schutzausrüstung bei Brandbekämpfung). 

Vorschriften: Der letzte inhaltliche relevante Abschnitt der Sicherheitsdatenblätter enthält sämtliche, den Gefahrstoff betreffenden Vorschriften. Wie lauten die EU-GHS-Einstufung und die Kennzeichnung (Gebotszeichen, Piktogramm(e), Signalwort)? Wie groß ist die Wassergefährdung, welche technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft gibt es? Wie lauten die Transportvorschriften, die Empfehlungen der MAK-Kommission und die technischen Regeln für Gefahrstoffe? Welche Vorschriften haben die Unfallversicherungsträger aufgestellt? 

Links & Literaturverzeichnis: Abgeschlossen werden die Sicherheitsdatenblätter mit einer Liste an weiterführenden Links sowie sämtlichen Literaturquellen, die zur Bewertung des Gefahrstoffes herangezogen wurden. 

 

Wie funktioniert die GESTIS-Gefahrstoffdatenbank? 

Das Informationssystem zu den Gefahrstoffdaten funktioniert an sich recht einfach. Wer die Website aufruft, findet auf der linken Seite eine alphabetische Auflistung aller kategorisierten Gefahrstoffe. Über die Suche enthält der User direkten Zugriff auf das gewünschte Sicherheitsdatenblatt und die darin enthaltenen Stoffdaten.

 

Welche anderen Gefahrstoffdatenbanken gibt es? 

Neben der umfangreich portraitieren GESTIS-Stoffdatenbank gibt es noch weitere Chemikaliendatenbanken und Gefahrstoffinformationssystem in Deutschland. Beispielsweise die Gefahrstoffdatenbank der Länder (GDL), das Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft (BG) Bau (GISBAU) oder der Gemeinsame Stoffdatenpool Bund/Länder (GSBL). Eine jeweils kurze Beschreibung: 

  • Gefahrstoffdatenbank der Länder (GDL): Dabei handelt es sich um ein von den ständigen Mitgliedern der dazugehörigen Fachgruppe aufgebautes Gefahrstoffinformationssystem. Die GDL umfasst rund 24.000 Einträge zu Reinstoffen, Stoffgruppen und Produkten. Der Stoffdatenpool ist die Ideale Informationsquelle, wenn es um Sicherheit und Konzentrationsgrenzen am Arbeitsplatz geht. Er bietet eine umfangreiche Gefahrstoffliste und eine gute Grundlage für die Ausarbeitung sicherheitstechnischer Betriebsanweisungen.  
  • Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft Bau (GISBAU): Enthält alle für den Bausektor (bauen, renovieren, reinigen) relevanten Stoffdaten sowie Betriebsanweisungen (basierend auf § 14 der Gefahrstoffverordnung). 
  • Gemeinsamer Stoffdatenpool Bund/Länder (GSBL): Auch unter dem Namen „ChemInfo” bekannt bietet der Datenpool „umfassende und verlässliche Informationen über umweltrelevante Eigenschaften von chemischen Stoffen und Zubereitungen”

 

Fazit 

Gefahrstoffdatenbanken bietet einfachen und schnellen Zugriff auf umfangreiche Gefahrstofflisten. Diese enthalten alle relevanten Informationen bezüglich bestimmter Stoffe. So wird erläutert, welche Unfallmaßnahmen im Fall der Fälle zu setzen sind oder welche Konzentrationsgrenzen am Arbeitsplatz gelten. Wie wirken Gefahrstoffe auf Menschen, Tiere und Pflanzen? Wie müssen sie gelagert oder transportiert werden? Die umfangreichen Chemikaliendatenbanken enthalten Notfallhinweise zu allen bekannten Chemieartikeln und liefern Erklärungen zu den allseits bekannten Gefahrenschildern, die im global harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (kurz: GHS) zusammengefasst sind. 

 

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