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Für die Sicherheitsfachkraft sind Betriebsanweisungen ein wertvolles Hilfsmittel, um die Mitarbeiter zu unterweisen und vor Gefährdungen am...

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Mehr Schutz vor Asbestgefährdungen mit der neuen TRGS 519

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Arbeitssicherheit Gefahrstoffe

Von Wolfram von Gagern,

Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten. Aufgrund der langen Latenzzeit können jedoch oft tödlich verlaufende Krankheiten wie Asbestose und Lungenkrebs, die durch das Einatmen von Asbestfasern ausgelöst werden, noch bis zu 40 Jahre nach der Exposition ausbrechen.

Sterben heute in Deutschland jährlich bereits mehr Menschen an Asbestfolgen als durch Arbeitsunfälle, so erwarten Experten den Höhepunkt der Erkrankungswelle darum erst für die Jahre 2010 bis 2015. Aber nicht nur wegen der Spätfolgen wird uns das Thema noch lange begleiten, denn vor allem bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) sind Beschäftigte immer noch den tödlichen Faserstäuben ausgesetzt.

Die Technische Regel für Gefahrstoffe „Asbest – Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" (TRGS 519) wurde nun an die Gefahrstoffverordnung angepasst und durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im März 2007 (berichtigte Fassung) bekannt gegeben. Sie gilt auch für so genannte Nebenarbeiten, die bei der Vorbereitung oder Durchführung von ASI-Arbeiten anfallen, also etwa Probenahmen, das Ausräumen von asbeststaubbelasteten Räumen oder das Reinigen von belasteten Räumen oder Gegenständen. Die wichtigsten Veränderungen der TRGS 519 gegenüber der alten Fassung von 1995 stellen wir Ihnen hier vor.

Gefährdungsbeurteilung statt Ermittlungspflicht

Anstelle der „Ermittlungspflicht" steht nun die „Gefährdungsbeurteilung" (Nr. 5.1 der TRGS 519). Danach muss der Arbeitgeber vor Aufnahme der ASI-Arbeiten beurteilen (lassen), ob Arbeitnehmer bei der Arbeit Asbeststaub oder Staub von asbesthaltigen Materialien ausgesetzt sein können. Die Beurteilung muss durch eine sachkundige Person (s. u.) erfolgen und

  • die zu erwartende Expositionshöhe und -dauer,
  • die Arbeitsbedingungen und die vorgesehene Arbeitsweise (etwa zerstörende Verfahren),
  • die vorgesehenen Schutzmaßnahmen und
  • Festlegungen zur Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen

berücksichtigen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung müssen Sie auch an möglicherweise betroffene Dritte denken, z. B. Arbeitnehmer anderer Firmen auf der Baustelle. Die Beurteilung muss immer schriftlich dokumentiert werden.

Wer ist sachkundig?

Sachkundig sind Personen, die aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen Gefahrstoffen besitzen und mit den einschlägigen Arbeitsschutzvorschriften und Sicherheitsregeln so weit vertraut sind, dass sie die erforderlichen Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen Stoffen beurteilen können. Die Sachkundigen müssen diese Voraussetzungen durch die Teilnahme an einem behördlich anerkannten Lehrgang mit einer abschließenden Prüfung nachweisen.

Schutzmaßnahmen und Arbeitsplan

Die Schutzmaßnahmen sind in Nr. 14 bis 16 der TRGS 519 – in Abhängigkeit von der zu erwartenden Asbestfaserkonzentration – weitgehend vorgegeben. Wie diese Konzentration bestimmt wird, ist in Nr. 2.10 und in Anlage 6 der TRGS beschrieben.

Eine wichtige Rolle spielen dabei geprüfte Arbeitsverfahren, die in der Berufsgenossenschaftlichen Information „Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten" (BGI 664) für unterschiedliche Branchen zusammengestellt und ausführlich erläutert sind.

Wenn Sie sich an diese Verfahren halten, können Sie von einer geringen Exposition (< 15.000 F/m³) ausgehen (F steht für Asbest-Faser). Dann gelten im Hinblick auf die durchzuführenden Schutzmaßnahmen bestimmte Erleichterungen, auf die in Anlage 1.4 der TRGS 519 verwiesen wird. Dasselbe gilt für Arbeiten geringeren Umfangs.

Das sind Arbeiten die

  • von nicht mehr als 2 Beschäftigten in höchstens 4 Stunden bei einer Faserkonzentration < 100.000 F/m³ durchgeführt werden und
  • das Entfernen von Asbestzementplatten im Außenbereich mit einer Fläche von weniger als 100 m².

Die Anlage 1.4 können Sie zugleich als Muster für Ihren Arbeitsplan verwenden, den Sie Ihrer zuständigen Arbeitsschutzbehörde vorlegen müssen. Diese Mitteilung Ihrer Arbeiten umfasst u. a. Angaben dazu,

  • welche Asbestprodukte und –mengen verarbeitet werden;
  • ob es Arbeiten geringen Umfangs sind (nicht mehr als 2 Beschäftigte und höchstens 4 Stunden und Faserkonzentration < 100.000 F/m³);
  • ob es sich um Tätigkeiten mit schwach gebundenen Asbestfasern handelt;
  • welche Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Die Meldung müssen Sie bis spätestens 7 Tage vor Beginn der Arbeiten (vorher 14 Tage) erstatten.

Wann Messungen erforderlich sind

Können Sie bei Ihren ASI-Arbeiten nicht auf geprüfte Arbeitsverfahren nach der BGI 664 zurückgreifen und verfügen Sie auch über keine Messergebnisse zur Faserkonzentration bei vergleichbaren Arbeiten, müssen Sie eigene Messungen veranlassen. Diese dürfen nur von akkreditierten (zugelassenen) Messstellen mit entsprechender Ausstattung und Expertise vorgenommen werden. Ihre vorgesehenen Schutzmaßnahmen müssen der ermittelten Faserkonzentration und dem Ergebnis Ihrer Gefährdungsbeurteilung entsprechen.

Wichtig: Fehlt Ihre Gefährdungsbeurteilung oder hält die Behörde Ihre Schutzmaßnahmen nicht für ausreichend, kann sie die Durchführung der Arbeiten untersagen.

Weitere Neuerungen

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen: Die neue TRGS 519 unterscheidet wie auch die Gefahrstoffverordnung zwischen Pflicht- und Angebotsuntersuchungen. Pflichtuntersuchungen müssen Sie immer veranlassen, wenn bei den vorzunehmenden Arbeiten die Grenze von 15.000 F/m³ überschritten wird. Die Untersuchungen erfolgen als

  • Erstuntersuchungen vor Aufnahme der Tätigkeit,
  • Nachuntersuchungen in regelmäßigen Abständen während der Tätigkeit,
  • Nachuntersuchungen bei Beendigung der Tätigkeit.

Angebotsuntersuchungen müssen Sie den betroffenen Beschäftigten bei einer Faserkonzentration unterhalb dieser Nachweisgrenze und bei geprüften Verfahren mit geringer Exposition anbieten.

Unterweisungsnachweise: Die Beschäftigten müssen wie bisher auch schon vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens einmal jährlich über Asbestgefahren und Schutzmaßnahmen unterwiesen werden. Nach wie vor ist die Unterweisung schriftlich zu dokumentieren und von den Unterwiesenen per Unterschrift zu bestätigten. Anders als bisher müssen die Unterweisungsnachweise jetzt jedoch nicht mehr 2 Jahre lang, sondern nur noch bis zur nächsten Unterweisung aufbewahrt werden.

Sind erhöhte Faserkonzentrationen zu erwarten, müssen Sie die Beschäftigten unverzüglich informieren. Eine Informationspflicht der Beschäftigten besteht auch, wenn ein gefährlicher Mangel im Schutzsystem festgestellt wird.

Die Unterweisung soll – wie auch die obligatorische Betriebsanweisung – auf den Arbeitsplan abgestimmt sein.

TIPP

Die neue TRGS enthält 2 Muster als Orientierungshilfe für die Erstellung Ihrer eigenen Betriebsanweisungen.

Atemschutz: Gestrichen wurde die Vorschrift, dass Atemschutz keine ständige Maßnahme sein darf; die neue TRGS sieht bei mehr als 15.000 F/m³ vielmehr immer die Benutzung von Atemschutz vor.

Verwendungsverbote: Die Verwendungsverbote der alten TRGS 519 (z. B. Überdeckungsarbeiten an Asbestzementdächern) wurden erweitert: So dürfen jetzt u. a. ausdrücklich keine Photovoltaik- und Thermosolaranlagen auf Asbestzementdächern angebracht werden.

Aufbewahrung von Messergebnissen: Für die Betriebe eine Erleichterung: Die Ergebnisse der Messungen von Asbestfaserkonzentrationen müssen Sie jetzt nicht mehr 60 Jahre (!), sondern nur noch 10 Jahre vorhalten.

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