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Für die Sicherheitsfachkraft sind Betriebsanweisungen ein wertvolles Hilfsmittel, um die Mitarbeiter zu unterweisen und vor Gefährdungen am...

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Sauerstoffreduzierte Atmosphäre: Halten Sie diese Schutzmaßnahmen ein

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Von Wolfram von Gagern,

Je weniger Sauerstoff, desto geringer die Brandgefahr. Diese schlichte Erkenntnis wird beim vorbeugenden Brandschutz immer öfter praktisch umgesetzt: in EDV-Räumen, Gefahrstofflagern und Archiven.

Das Prinzip besteht darin, dass durch die Zufuhr von Stickstoff der Sauerstoff (O2) in der Luft auf einen Anteil von 17, 15 oder gar nur 13 % reduziert wird: So bleibt dem Feuer die „Luft“ weg. Das kann aber für Beschäftigte gefährlich sein, wenn sie in solchen Räumen zu tun haben. Lesen Sie hier, was Sie in diesen Fällen zum Schutz Ihrer Kollegen unternehmen müssen.

Gefahren bei „dünner Luft“

Untersuchungen zeigen, dass Räume mit O2-reduzierter Atmosphäre zum Teil mehrmals täglich zu Kontroll- oder Wartungsarbeiten begangen werden, wobei der Aufenthalt von wenigen Minuten bis zu 6 Stunden reicht. Wie gefährlich sind solche Tätigkeiten für den menschlichen Organismus, der auf einen Luftsauerstoffanteil von 21 % „geeicht“ ist? Mediziner gehen davon aus, dass gesunde Menschen O2-Konzentrationen bis hinunter zu 17 % schadlos verkraften. Für Herz- oder Atemwegskranke kann dies jedoch schon einen gefährlichen Sauerstoffmangel bedeuten. Unterhalb von 17 % wird es generell auch für Gesunde kritisch: Sehstörungen, nachlassende Konzentration, Erbrechen und Kreislaufversagen können die Folge sein. Als Dauerarbeitsplätze sind O2-reduzierte Räume deshalb nach der Arbeitsstättenverordnungverboten.

Gefährdungsbeurteilung: Gleichung mit Unbekannten

Über Risiken bei kurzfristigen Tätigkeiten in „dünner Luft“ weiß die Medizin heute noch zu wenig: Denn ihre Erkenntnisse beruhen weitestgehend auf einer allmählichen Anpassung an die veränderte Umgebung, wie beim Bergsteigen oder Fliegen. Dabei hat der Körper Zeit, sich umzustellen. Anders ist die Situation jedoch, wenn z. B. ein EDV-Techniker aus normaler Umgebungsluft plötzlich einen Serverraum mit herabgesetzter O2-Konzentration betritt, um dort vielleicht für mehrere Stunden zu arbeiten. Als Arbeitgeber – bzw. als Sicherheitsfachkraft – müssen Sie aber auch für solche Rahmenbedingungen eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und wirksame Schutzmaßnahmen treffen.Dabei sind 3 Faktoren in Betracht zu ziehen:1. die genaue O2-Konzentration2. die Aufenthaltsdauer in dieser Umgebung3. die Art der Tätigkeit (körperliche Belastung, Konzentrationsanforderungen usw.)

Diese Empfehlungen sollten Sie mindestens befolgen

Bislang fehlen verbindliche Arbeitsplatzgrenzwerte für die Beurteilung vorübergehender Tätigkeiten bei niedriger O2-Konzentration. Verschiedene Arbeitsschutzgremien wie etwa der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik haben jedoch bereits Empfehlungen zu diesem Problem formuliert, die schon bei der Planung und Konstruktion solcher Anlagen ansetzen. Solange detailliertere Vorschriften noch auf sich warten lassen, sollten Sie sich an diese halten.

Schützen Sie Ihre Kollegen mit folgenden 11 MaßnahmenT

echnische und konstruktive Maßnahmen

1. Mindest-O2-Konzentration festlegen.

Wägen Sie dabei Brandschutz- und Arbeitsschutzerfordernisse sorgfältig ab. Das heißt: „Weniger Sauerstoff“ bei höherer Brandlast (z. B. Läger für brennbare Flüssigkeiten), mehr Sauerstoff, wenn die Bereiche häufig betreten werden müssen.

2. Gleichmäßige O2-Konzentration sicherstellen.

Planen Sie technische Einrichtungen wie z. B. Pumpensysteme zur homogenen Durchmischung von O2 und Stickstoff ein.

3. O2-Konzentration überwachen.

Beim Betrieb der Anlage muss der O2- Gehalt durch redundante (mehrere unabhängig voneinander arbeitende) Messeinrichtungen laufend überwacht werden, die bei Unterschreiten des Sollwerts einen Alarm auslösen.

Organisatorische Maßnahmen

4. Prüfungen durchführen.

Die Funktionsfähigkeit der Anlage und der Überwachungseinrichtungenmuss vor der ersten Inbetriebnahme sowie in regelmäßigen Abständen geprüft werden (§ 10 der Betriebssicherheitsverordnung). Sorgen Sie dafür, dass Ihr Arbeitgeber dafür eine „befähigte Person“ benennt, die aufgrund ihrer Ausbildung und Berufserfahrung über ausreichende Fachkenntnisse verfügt.

5. Aufenthaltsdauer minimieren.

Sorgen Sie dafür, dass ein Betreten der Anlage möglichst wenig erforderlich ist, z. B. bei Lägern durch automatisierte Fördersysteme.

6. Zugang beschränken.

Warnhinweise und Anzeigen (Angabe der aktuellen O2-Konzentration) müssen an allen Zugangsstellen zu den O2-reduzierten Bereichen auf die Gefahr aufmerksam machen. Stellen Sie sicher, dass nur befugte Personen diese Bereiche betreten können (Zugangskontrolle über PINCode o. Ä.). Personen mit bekannten Herz- oder Atemwegserkrankungen dürfen dort auf keinen Fall hinein.

7. Anlagenverantwortlichen benennen.

Veranlassen Sie, dass Ihr Chef eine vom Hersteller geschulte Person benennt, die den ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage sowie die Sicherheits- und Schutzmaßnahmen überwacht.

8. „Notsignale“ ermöglichen.

Beim Aufenthalt in den gefährdeten Bereichen müssen die Beschäftigten geeignete Kommunikationsmittel mit sich führen (z. B. Personennotsignalanlagen), die auch bei Bewusstlosigkeit einen Notfall sofort „nach draußen“ signalisieren.

Personenbezogene Maßnahmen

9. Betriebsanweisung.

Erstellen Sie eine Betriebsanweisung für das Arbeiten in O2-reduzierten Bereichen und schulen Sie die betroffenen Beschäftigten entsprechend (Gefahren, Zugangsvoraussetzungen, Verhalten im Notfall usw.).

10. Arbeitsmedizinische Vorsorge.

Sorgen Sie für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen für alle, die in den Räumen eingesetzt werden. Die Art der Untersuchung hängt von der jeweiligen O2-Konzentration ab: bei < 17 bis 15 %: Vorsorgeuntersuchung in Anlehnung an G 26.2 „Mittlere Atemschutzgeräte“ – ohne dieseUntersuchung muss in jedem Fall umgebungsluftunabhängiger Atemschutz getragen werden.

11. Besondere Beschäftigtengruppen: Schwangere sowie Jugendliche dürfen O2-reduzierte Bereiche nicht betreten.

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