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Leider kommt es nach wie vor insbesondere auf Baustellen zu teils schweren Arbeitsunfällen. Oft werden Vorschriften missachtet, weil etwa der...

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Reinigungsmittel dosieren und abfüllen? Nicht ohne Hand- und Augenschutz

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Gefahrensymbole auf Reinigungsmitteln | Urheber: fineart-collection - Fotolia

Von Friedhelm Kring,

Die Gefährlichkeit von Reinigungsmitteln wird oft unterschätzt. Insbesondere mit Konzentraten kommt es immer wieder zu Verletzungen. 2 Unfallbeispiele zeigen, welche Fehler Ihre Mitarbeiter vermeiden sollten.

Unfall 1: Keine PSA – Auge verätzt

In einem Gastronomie-Betrieb will eine Mitarbeiterin eine Reinigungslösung ansetzen. Da die Schere gerade nicht zur Hand ist, reißt sie kurzerhand das Päckchen mit Reinigungs- und Desinfektionsmittelkonzentrat mit den Zähnen (!) auf. Dadurch spritzt ihr das Konzentrat ins Gesicht und verätzt ihr Auge. Die Beschäftigte hatte weder Schutzbrille noch Schutzhandschuhe getragen.

Unfall 2: PSA unvollständig – Bein verätzt

In einem Betrieb der Getränkeindustrie füllt ein Mitarbeiter ein Reinigungskonzentrat ab. Dabei gelangt ein Spritzer auf seinen Unterschenkel. Der Mann ignoriert dies, arbeitet weiter und spült die Verletzung erst später ab, doch am nächsten Tage muss er in die Unfallklinik. Es stellt sich heraus, dass er mindestens 3 Fehler gemacht hat: 

  1. Er hat zum Abfüllen einen Messbecher verwendet, anstatt die vorhandene automatische Dosierstation zu nutzen.
  2. Er hat zwar Schutzhandschuhe und Schutzbrille getragen, aber nicht – wie ebenfalls vorgeschrieben – Gummistiefel und Schürze.
  3. Er hat nicht die Anweisungen zur Ersten Hilfen befolgt. 

Diese Unfallbeispiele hat die BGN in ihrem Jahrbuch „Prävention 2016“ bekannt gemacht. Beide Unfälle haben gemeinsam, dass Gefahren unterschätzt, die Gefahrenhinweise auf der Verpackung missachtet und PSA-Tragegebote ignoriert wurden.

Verätzung der Haut | Urheber: Henrie - Fotolia

So vermeiden Sie Verätzungen mit Reinigungskonzentraten

Konzentrierte Reinigungs- und Desinfektionsmittel werden in vielen Betrieben und Branchen verwendet. Geht man sorgsam und vorschriftsgemäß damit um, erfüllen sie ihren Zweck, ohne Mensch und Umwelt mehr als unvermeidbar zu gefährden. Unterschätzt man die Wirkung dieser Chemikalien, drohen Verätzungen mit bleibenden Haut- und Augenschäden.

Wichtig: Gerade wenn für Reinigungsaufgaben Hilfskräfte oder gering qualifi zierte Mitarbeiter eingesetzt werden, müssen Sie in Ihren Unterweisungen immer wieder auf die elementaren Grundlagen von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz eingehen wie:

  • Bei konzentrierten Reinigungsmitteln besteht eine erhöhte Unfallgefahr.
  • Bereits kleine Flüssigkeitsspritzer können die Haut verätzen und – wenn sie ins Auge geraten – bis zur Erblindung führen.
  • Auch verdünnte Lösungen schädigen die Haut, trocknen sie aus, erzeugen Rötung, Juckreiz, schuppige Stellen und können Ekzeme auslösen. 

Leiten Sie daraus die Notwendigkeit ab,

  • die Haut und Augen durch Schutzausrüstung sicher vor dem Kontakt mit Reinigungsmitteln zu schützen.
  • durch Verwendung von Hautschutz- und Hautpfl egemitteln Hautschäden vorzubeugen.

Schutzhandschuhe | Urheber: TASPP - FotoliaEmpfehlung: Betrachten Sie nicht nur einen einzelnen Vorgang: Gehen Sie den gesamten Lebenszyklus eines Reinigungsprodukts in Ihrem Betrieb durch und überprüfen Sie die Schutzmaßnahmen in sämtlichen Stadien und bei allen Tätigkeiten. Dies beginnt beim Transportieren und Lagern, geht über das Dosieren, Umfüllen und das Ansetzen von verdünnten Reinigungslösungen bis zum Sammeln und Entsorgen der Leergebinde.

Erstellen Sie eine Betriebsanweisung für Reinigungsarbeiten und erläutern Sie diese allen betroffenen Mitarbeitern. Legen Sie darin fest, 

  • wann welche PSA zu tragen ist (mindestens Schutzbrille und Schutzhandschuhe, ggf. weitere Schutzkleidung).
  • welche Erste-Hilfe-Maßnahmen geboten sind, z.B. bei Augen- oder Hautkontakt.
  • wie bei versehentlichem Verschütten vorgegangen werden soll.
  • wie leere Kanister zu entsorgen sind.

Darüber hinaus empfiehlt sich das Erstellen eines Hautschutzplans. Viele Lieferanten von Hautschutzmitteln und Hautpflegeprodukten bieten Ihnen dazu kostenlose Unterstützung. Diese ist vielleicht nicht ganz frei von eigenen Verkaufsinteressen, dennoch können Sie sich hier gute Anregungen holen.

Achtung, Routinefalle! Auch bewährte Mitarbeiter müssen einbezogen werden

Das Unfallopfer vom zweiten Beispiel arbeitete in dem Getränkebetrieb bereits seit 24 Jahren, man konnte daher von einer langjährigen Berufserfahrung ausgehen. Auch hatte der Betrieb Betriebsanweisungen erstellt und konnte Unterweisungsunterlagen vorlegen. Das heißt: Solche Unfälle passieren nicht nur mit ungelernten Hilfskräften oder in Sachen Arbeitsschutz schlecht organisierten Betrieben. Auch bewährte Mitarbeiter müssen immer wieder aktiv in Unterweisungen einbezogen werden.

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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