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Leider kommt es nach wie vor insbesondere auf Baustellen zu teils schweren Arbeitsunfällen. Oft werden Vorschriften missachtet, weil etwa der...

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So betreiben Sie Druckgasflaschen mit Flüssiggas sicher

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Von Friedhelm Kring,

Sie wirken harmlos. Jeder kennt sie vom Grillen, vom Camping oder der Ferienhaussiedlung. Doch die Jahresberichte der Brandversicherer sind voll von Beispielen, wo durch Fehler im Umgang mit Flüssiggasflaschen Brände ausgelöst werden, Explosionen ganze Gebäude zerstören und auch Menschen zu Schaden kommen.

Weitbekannt sind die gängigen Gasflaschen, die für Grills, Maroni-Bräter oder Heizstrahler eingesetzt werden. In jedem Baumarkt sind diese mit Propan-Butan-Gemischen gefüllten Druckgasflaschen zu haben. Diese im Gegensatz zu anderen Gasen freie Verfügbarkeit auch im Privatbereich verleitet zu der sorglosen Annahme, dass bei Flüssiggasflaschen nicht viel passieren könne. Doch die Schadensberichte der Versicherungsinstitute zur Schadensforschung belegen das Gegenteil. Da enden Grillabende mit einem Hausbrand und Flaschenwechsel mit Explosionen.

Die gleichen Flaschen und Armaturen werden auch in vielen Betrieben eingesetzt, z.B.:

  • für Handbrenner und Bauheizgeräte auf dem Bau oder zur Energieversorgung von Bauwagen
  • für Asphalt- und Bitumenkocher im Straßenbau•für den Katalytofen in Werkstatt oder Halle
  • für Handbrenner bei Isolierarbeiten an Rohrleitungen•für Gaslötkolben zu Weichlötarbeiten ohne Steckdose in der Nähe
  • für Heißrauchanlagen in der Fleischwirtschaft
  • für handbetriebene Schrumpfgeräte in der Verpackung und Kommissionierung, welche Waren durch Erhitzen einer Schrumpfhaube auf Paletten „festschrumpfen“
  • für Beflammpistolen in der Kunststoffindustrie oder bei Lackierarbeiten
  • für Terrassenheizstrahler in der Gastronomie

Als Betrieb, der Flüssiggasflaschen einsetzt, müssen Sie von der Gefährdungsbeurteilung über Betriebsanweisungen bis zu den Sicherheitsunterweisungen sämtliche Arbeitsschutzpflichten erfüllen: Die Annahme, was man auch privat ohne diese Vorgaben nutzen darf, da könne man auch im Betrieb auf „das ganze Sicherheitsgedöns“ verzichten, ist naiv und falsch, und kann spätestens nach einem Unfall richtig teuer werden.

Die Gase

Propan, Butan und ihre Gemische eignen sich aufgrund ihres hohem Heizwerts ideal für Brennzwecke. Beide Gase sind farblos, schwerer als Luft und zählen zu den Flüssiggasen. Schon bei relativ geringem Druck verflüssigen sich die Gase und sind damit bequem lager- und transportierbar. Gemäß der Einteilung in der TRGS 407 fallen sie unter die Gase der Gruppe 3.2 (= entzündbar und chemisch stabil).

Die Technik

Die Druckgasflaschen bestehen meist aus Stahl, seltener aus Aluminium. Typische Behältergrößen reichen von 3 bis 11 kg. Das Funktionsprinzip ist einfach: Ein per Schlauch an die Flasche angeschlossener Druckminderer (meist für 30 oder 50 mbar) drosselt das ausströmende Gas. Sonst würde beim Anzünden des Gases eine große Flamme entstehen. Das bedeutet, dass Flüssiggasflaschen nur mit einem Druckregler betrieben werden dürfen.

Eine Flüssiggasflasche muss dauerhaft gekennzeichnet sein mit Typenschild, Prägung oder Stempelung. Darauf sollten Gasart, Hersteller, Nummer, Nettogewicht, Gewicht der Füllung, Prüfdruck, Datum und Stempel der letzten Prüfung vorhanden sein.

Wenn beim Einsatz einer Flüssiggasflasche mit besonderen chemischen, thermischen oder mechanischen Beanspruchungen gerechnet werden muss, muss der Betreiber Sicherheitsmaßnahmen treffen, die ein Ausströmen des Gases „in gefahrdrohender Menge“ bei Schlauchbeschädigung verhindern. Dies fordert die DGUV-Vorschrift 29. Geeignete Maßnahmen sind z. B. Schlauchbruchsicherungen und Leckgassicherungen.

Die Gefährlichkeit

Folgende Punkte müssen jedem Ihrer Mitarbeiter, die Flüssiggas einsetzen, bewusst sein. Sie können sie in Ihren Unterweisungen gar nicht oft genug wiederholen:

  • Das Flüssiggas steht in der Flasche unter Druck!
  • Propan und Butan sind schwerer als Luft und sammeln sich bei undichten oder beschädigten Anschlüssen und Ventilen am Boden. Das kann eine Senke sein im Freigelände, ein Schacht neben dem Lagerort oder der Fußraum in einem Fahrzeug.
  • Schläuche und Armaturen sind niemals zu 100 % dicht!
  • Es besteht immer die Gefahr, dass sich Gas-Luft-Gemische bilden.
  • Diese Gas-Luft-Gemische sind hochgefährlich. Denn Propan und Butan sind schon bei geringer Vermischung mit der Umgebungsluft zündfähig! Hat sich ein zündfähiges Gas-Luft-Gemisch gebildet, genügt bereits die kleinste Zündquelle, um einen Brand, eine Verpuffung oder Explosion auszulösen.

Die wichtigsten Regelwerke

Die Flüssiggasflaschen gelten als Druckgasbehälter gemäß der Druckbehälterverordnung. Die Ihnen vielleicht noch geläufige Technische Regel Druckgase TRG 280 zu den Anforderungen an das Betreiben von Druckgasbehältern gilt nicht mehr. Heute sind für Sie relevant: 

  • TRGS 407 „Tätigkeiten mit Gasen – Gefährdungsbeurteilung“
  • TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“
  • TRBS 3145 „Ortsbewegliche Druckgasbehälter – Füllen, Bereithalten, innerbetriebliche Beförderung, Entleeren“
  • DGUV-Vorschrift 79 „Verwendung von Flüssiggas“

Die sichere Lagerung

Kleinere Lecks am Gasventil kommen gar nicht selten vor. Wenn dann schleichend Gas austritt, können je nach den Umgebungsbedingungen zündfähige Gemische entstehen. Verboten ist das Lagern von Druckgasflaschen daher

  • in Arbeitsräumen, Sanitärräumen und Unterkünften
  • in Garagen und Kellerräumen*
  • auf Flucht- und Rettungswegen
  • in Treppenhäusern, Fluren, Durchgängen und Durchfahrten
  • in der Nähe von Heizungen oder anderen Wärmequellen
  • in unmittelbarer Nähe zu entzündbaren Stoffen

*Für das Kellerverbot gibt es Ausnahmen: Die Lagerung „unter Erdgleiche“ist (nur dann) erlaubt, wenn

  • der Fußboden nicht mehr als 1,50 m unterhalb des Erdbodens liegt.
  • bei natürlicher Lüftung des Raumes der Lüftungsgesamtquerschnitt mehr als 10 % der Raumgrundfläche beträgt,
  • bis zu maximal 50 gefüllten Druckgasflaschen.

Flüssiggasflaschen sollten stets aufgestellt, also stehend gelagert werden. Optimal ist ein kühler, schattiger Platz im Freien mit Sicherung durch eine Lagerbox oder einen Gitterschrank. Ein wenig Frost macht Propangasflaschen nichts aus, direkte Sonneneinstrahlung sollten Sie vermeiden. Propangasflaschenschränke für das Aufbewahren innerhalb von Gebäuden müssen Luftöffnungen haben. Dazu kommen selbstverständlich die Anforderungen an den baulichen Brandschutz.

Der Flaschenwechsel

Legen Sie fest, dass nur erfahrene und unterwiesene Mitarbeiter den Flaschenwechsel vornehmen dürfen. Dafür gelten folgende Sicherheitsregeln:

  • Es muss eine Dichtung vorhanden sein, natürlich eine passende.•Die Dichtung, der meist schwarze Gummiring am Anschluss des Druckminderers, darf weder brüchig noch eingerissen sein.•Die Schläuche müssen unbeschädigt sein.
  • Nach Flaschenwechsel erfolgt eine Dichtheitsprüfung: Dazu gibt man etwas Seifenlauge auf den Anschluss bzw. die Schraubverbindung. Bei Undichtigkeit ist ausströmendes Gas sofort an den sich bildenden Blasen zu erkennen.

Last, but not least: Auch eine vermeintlich komplett geleerte Gasflasche muss stets wieder zugeschraubt werden! Denn schon kleine Gasrestmengen können mit Luft explosionsfähige Gemische bilden.

Achtung: Rechts- und Linksgewinde!

Gewinde sind üblicherweise als Rechtsgewinde ausgeführt. Ausnahmen wie etwa Bohrfutter u. a. haben spezielle Gründe. So auch bei Gasflaschen. Laut DIN 4811 sind die Anschlüsse von Flüssiggasflaschen in Deutschland mit einem Linksgewinde versehen. Flaschen für unbrennbare Gase und Druckluft haben dagegen im Allgemeinen ein Rechtsgewinde. Diese Vorgabe der unterschiedlichen Gewindetypen soll Verwechslungen, das Anschließen des falschen Flaschentyps, unmöglich machen.

Das bedeutet für den Flaschenwechsel: 

  • Der Anschluss des Druckreglers erfolgt über ein Linksgewinde und schließt gegen den Uhrzeigersinn.
  • Das Ventil der Gasflasche dagegen schließt in Rechtsrichtung, also mit dem Uhrzeiger.

Leider kann unsere Intuition hier versagen. Jeder Handwerker, Techniker und Heimwerker hat die Drehrichtung verinnerlicht und denkt beim Anziehen einer Schraube nicht mehr über die Drehrichtung nach. In der Aufregung, wenn etwa ein Mitarbeiter eine Undichtigkeit bemerkt, werden viele automatisch die Verschraubung am Druckregler nach rechts drehen und damit die Verbindung weiter öffnen. Es ist daher sinnvoll, immer wieder mal und gerade auch bei Betriebsneulingen und Auszubildenden diese Drehrichtungen an einer mitgebrachten Armatur in einer Unterweisung zu verdeutlichen.

Der sichere Transport

Die DEKRA bezeichnet Fahrzeuge mit ungesicherten Gasflaschen als „rollende Bomben“. Auf einem Testgelände haben die Prüfer einen Gasunfall mit einem Pkw simuliert. Im Fahrzeug befand sich eine undichte Gasflasche. Schon durch Betätigen der Zentralverriegelung wurde eine Explosion ausgelöst, die das Testfahrzeug komplett zerstörte.

Bedenken Sie: Es handelt sich hier keineswegs um Wasserstoff oder Acetylen, sondern um eine „simple“ Propan-Butan-Flasche, wie sie tagtäglich auf Baustellen, zu Wochenmärkten und in Werkstattwagen transportiert werden.

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