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Leider kommt es nach wie vor insbesondere auf Baustellen zu teils schweren Arbeitsunfällen. Oft werden Vorschriften missachtet, weil etwa der...

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Unterschätzen Sie nicht die Absturzhöhe – schwere Kopfverletzungen schon bei 1 m!

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Helm
Urheber: Aintschie | Fotolia

Von Friedhelm Kring,

Wer regelmäßig die Meldungen und Berichte der Polizeistellen seiner Region zu Arbeitsunfällen verfolgt, stößt besonders häufig auf einen Begriff: Absturz. Im Lager oder auf dem Bau, vom Gerüst oder von einer Hebebühne, immer wieder fallen Mitarbeiter von hochgelegenen Arbeitsplätzen und verletzen sich schwer oder gar tödlich. Polizeiberichte äußern sich zwar in der Regel nicht zur Schuldfrage, doch eine neue Studie der BAuA zeigt, dass immer wieder elementare Sicherheitsvorschriften ignoriert worden waren.

Anfang September in Stuttgart: Ein 63-jähriger Mitarbeiter ist mit Entladearbeiten von einer Hebebühne aus beschäftigt. Er stürzt aus der Hebebühne und schlägt mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Obwohl er nur etwa 1 m tief gefallen ist, erleidet er schwere Kopfverletzungen.

Ende August in Waldbronn im Schwarzwald: Ein 38-jähriger Bauarbeiter stürzt vom Gerüst mehrere Meter in die Tiefe und muss per Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden.

Mitte August in Singen: Der Mitarbeiter einer Versicherung besteigt ein Scheunendach, um einen Hagelschaden zu begutachten. Dabei tritt er auf eine lichtdurchlässige Kunststoffabdeckung, diese bricht durch und der 60-Jährige stürzt 4 m tief auf eine Betonplatte. Der Notarzt stellt schwere Kopf- und Beinverletzungen fest.

Einige Wochen zuvor in einer Holzbaufirma am Bodensee: Eine Auszubildende war beauftragt, einen alten Holzschuppen abzubauen. Dazu stieg die 17-Jährige auf den Dachboden des Schuppens, brach durch die offenbar morsche Decke und musste mit schweren Rückenverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Mehr als jeder 4. tödliche Arbeitsunfall ist ein Absturzunfall

Ähnliche Polizeimeldungen gibt es aus jeder Region. Und nur selten gehen Abstürze glimpflich aus. Mehr als ein Vierteil der erfassten tödlichen Arbeitsunfälle sind Absturzunfälle, so eine aktuelle Meldung der BAuA vom Juli 2017. Nach Auswertung von mehr als 400 Unfallberichten zu tödlichen Absturzunfällen konstatieren die Arbeitsschutzforscher in einem neuen Faktenblatt:

  • In rund 3 von 4 Fällen war gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen worden.
  • In 44 % der Fälle fehlte die Gefährdungsbeurteilung.
  • Wenn eine Gefährdungsbeurteilung vorlag, war sie in vielen Fällen unvollständig oder nicht aktuell. Lediglich in 89 der mehr als 400 untersuchten Unfälle wurde die Gefährdungsbeurteilung nicht beanstandet.
  • Ältere Beschäftigte tragen ein erhöhtes Unfallrisiko. Fast drei Viertel der Unfallopfer hatten mehr als 3 Jahre Berufserfahrung.
  • In jedem dritten Fall hätten Absturzsicherungen die Unfallfolgen gemildert.

Diese Zahlen belegen, dass weder Alter noch Routine vor Abstürzen schützen. Und selbst bei einer ordnungsgemäßen Gefährdungsbeurteilung können Mitarbeiter abstürzen, wenn sie nicht entsprechend unterwiesen werden, keinen klaren Arbeitsauftrag haben oder die jeweilige Sicherheitsausrüstung nicht benutzen.

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Unverzichtbar: Die Gefährdungsbeurteilung der Situation anpassen

Die meisten tödlichen Absturzunfälle ereigneten sich bei Montage-, Demontage- und Transportarbeiten. Doch auch in allen anderen Situationen, in denen einer Ihrer Mitarbeiter hoch hinaus muss, sollten Sie prüfen,

  • ob Ihre Gefährdungsbeurteilung für diese Tätigkeit vollständig und abgeschlossen ist.
ob der Mitarbeiter zur Absturzgefahr und notwendigen Sicherungsmaßnahmen unterwiesen wurde.
  • ob die körperliche Eignung des Mitarbeiters für Arbeiten mit Absturzgefahr nach G41 untersucht wurde.
  • ob der Mitarbeiter einen klaren Auftrag hat, wie er seinen Arbeitsplatz sicher erreicht (Leiter, Gerüst, Hebebühne ...) und welche Persönliche Schutzausrüstung er dabei zu verwenden hat.
  • welche Absturzsicherungsmaßnahmen zuvor notwendig sind (Fangnetze, Seitenschutz, Geländer für Lichtkuppeln usw.).

Gerade auf dem Bau oder bei Montagearbeiten auf Dächern genügt es nicht, dass Sie "irgendwann mal" Absturzgefährdungen grundsätzlich beurteilt und Ihre Mitarbeiter dazu unterwiesen haben. Jede Situation ist anders und jedes Dach hat seine eigenen Tücken.

Bevor nicht alle Risiken der konkreten Arbeitssituation inklusive der Wind- und Wetterverhältnisse ermittelt und die Schutzmaßnahmen angepasst wurden, darf niemand mit der Arbeit beginnen!

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