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Die Durchführung von sicherheitstechnischen Unterweisungen wird in vielen Gesetzen, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlichen Regelwerken gefordert...

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Arbeitssicherheit: Probeläufe von Maschinen - so geht’s ohne Risiko

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Arbeitssicherheit

Von Wolfram von Gagern,

Die Komponenten sind angeliefert, die Montage ist erfolgt. Jetzt steht der Probelauf der neuen Maschine vor der Übergabe an.

Das ist immer eine heikle Situation, denn dabei sind die für den späteren Normalbetrieb vorgesehenen Schutzeinrichtungen meist noch nicht in Kraft. Außerdem ist betriebsfremdes Personal beteiligt, woraus sich noch zusätzliches Gefährdungspotenzial ergibt. Grund genug für Sie als Sicherheitsfachkraft, bei solchen Ausnahmesituationen schon vorher an alles zu denken.

Mit welchen Gefahren müssen Sie rechnen?

Ihre Kollegen vor Ort an der neuen Maschine sind vor allem bei den Prüfarbeiten gefährdet. Technische Schutzmaßnahmen – die im normalen Betriebsalltag vorrangig anzuwenden sind – greifen dabei nur bedingt. Denn im Probebetrieb müssen Klappen geöffnet bleiben, die normalerweise vor Quetsch- oder Scherstellen schützen. Bei Elektroprüfungen am offenen Schaltschrank können sich Ihre Kollegen bei unvorsichtigem Handeln einer Körperdurchströmung aussetzen oder einen Lichtbogen mit anschließendem Brand der Schalteinrichtung auslösen. Ebenso können bei Druck- oder Dichtigkeitsprüfungen nicht ausreichend befestigte Teile abfliegen; auch das Druckmedium selbst kann austreten und schwere Verletzungen verursachen. Und auch beim Start der neuen Maschine ist genaue Beobachtung und Vorsicht angezeigt. Von sich bewegenden Bauteilen können die Kollegen eingezogen werden.

Sicherheit durch Organisation und Koordination

Sicherheit bei Probeläufen ist darum vor allem eine Frage von umsichtiger Organisation und rechtzeitiger Koordination. Sorgen Sie deshalb dafür, dass schon im Vorfeld eindeutige Regelungen für die Durchführung der Erprobung getroffen werden. Wenn betriebsfremdes Personal an der Erprobung beteiligt ist (Mitarbeiter der Herstellerfirmen), muss der Betriebsleiter oder der verantwortliche Vorgesetzte in Abstimmung mit den Fremdfirmen einen Koordinator bestellen, der mit umfassendem Weisungsrecht gegenüber allen Beteiligten ausgestattet ist (§ 6 der Berufsgenossenschaftliche Vorschrift – BGV A 1). Ihm sollte dann auch die Verantwortung für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen zugewiesen werden.

TIPP: Auch wenn keine Fremdfirmen dabei sind, aber mehrere Arbeitsgruppen gleichzeitig Einstell- und Erprobungsarbeiten durchführen, sollte ein Koordinator eingesetzt werden. Als Sicherheitsfachkraft sind Sie dazu nicht die richtige Person, da Sie dann unmittelbar in die Ausführungsverantwortung eingebunden sind und Ihre Beratungsaufgabe nicht mehr unvoreingenommen wahrnehmen können.

Legen Sie Gefahrenbereiche fest

Achten Sie darauf, dass für die Erprobung ein abgestimmter Ablaufplan aufgestellt ist. Darin müssen die für Teilaufgaben (z. B. Druckprüfungen) Verantwortlichen sowie der Koordinator aufgeführt sein. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Gefahrenbereiche abgesperrt werden und sich dort nur die mit der Erprobung beauftragten Personen aufhalten.

Erproben Sie ungesicherte Anlagenteile nur, wenn sich alle gefährlichen Abläufe direkt im Sichtfeld des Personals befinden. Dieser Sichtkontakt kann auch über Spiegel, Kameras oder Ähnliches erfolgen. Liegen die gefährlichen Abläufe nicht im Sichtfeld, stellen Sie an den Gefahrstellen Sicherungsposten auf, die eine Abschaltmöglichkeit haben sollten. Für die Durchführung derartiger Tätigkeiten ist als erster Stromkreis immer der Not-Aus-Kreis zu aktivieren, um ein sicheres Abschalten zu gewährleisten. Außerdem dürfen sich nur solche Maschinenbewegungen auslösen lassen, die sich unter der direkten Einflussnahme des Bedieners befinden.

Kurzcheck: Sichere Erprobung von Maschinen

Check-Punkto.k.noch zu erledigen von (Name) bis (Datum)
Werden vor der Erprobung alle notwendigen Schutzmaßnahmen ermittelt?
Werden die bei der Erprobung tätigen Kollegen vorher zu den Maßnahmen unterwiesen?
Wird die Einhaltung der Schutzmaßnahmen bei der Erprobung überwacht?
Ist für die Erprobungsarbeiten ein Verantwortlicher bestellt?
Sind bei umfangreichen Erprobungen der Ablauf und die Koordination der Arbeiten schriftlich festgelegt?
Gibt es Sicherheitsregelungen für den Fall von „Unregelmäßigkeiten“ bei der Erprobung?
Werden die Gefahrenbereiche gekennzeichnet und abgesperrt?
Wird verhindert, dass sich im Gefahrenbereich unbefugte Personen aufhalten?
Sind Rettungswege vorhanden, gekennzeichnet und frei zugänglich?
Wie wird bei Druckprüfungen sichergestellt, dass umherschlagende Schlauchenden niemanden gefährden?
Werden Druckproben möglichst mit Wasser durchgeführt?
Erfolgen Einstellarbeiten möglichst vor der Erprobung?

 

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