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Die Durchführung von sicherheitstechnischen Unterweisungen wird in vielen Gesetzen, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlichen Regelwerken gefordert...

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Arbeitssicherheit: Vorbereitung und Durchführung einer Unterweisung

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Von Wolfram von Gagern,

Für alle Unterweisungen gilt: Sorgfältige, systematische Vorbereitung ist die „halbe Miete“. Denken Sie immer daran, dass eine erfolgreiche Unterweisung 3 Ziele erreichen muss...

 

  1. Die Teilnehmer müssen die Gefährdungen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen kennen. In unseren Unfallbeispielen am Anfang war dies nicht der Fall!
  2. Sie müssen die Schutzmaßnahmen anwenden können. Zum Beispiel: Wie lege ich eine Atemschutzmaske richtig an?
  3. Sie müssen die Maßnahmen einhalten wollen – immer wieder kommt es zu Unfällen, weil sich jemand trotz besseren Wissens aus Bequemlichkeit oder Leichtsinn in Gefahr begibt!

Bei der Planung müssen Sie zunächst folgende Fragen klären:

  • Was ist das Ziel der Unterweisung? Z. B. Ersteinweisung eines neuen Mitarbeiters, Schutzmaßnahmen auf einer neuen Baustelle usw.
  • Was sollen die Unterwiesenen anschließend wissen und können? Legen Sie dabei auch fest, welche Kenntnisse durch Nachmachen oder Üben praktisch verfestigt werden müssen.
  • WICHTIG: Dabei sollten Sie beobachtbare Verhaltensweisen als Unterweisungsziel festlegen. Also nicht „Gefahrenbewusstsein bei Dacharbeiten“, sondern: „Bei Dacharbeiten die vorgeschriebenen Absturzsicherungen richtig benutzen.“
  • Was wissen die Teilnehmer schon? Fangen Sie nicht bei Adam und Eva an, sonst langweilen Sie Ihre Adressaten. Ermitteln Sie, welche Vorkenntnisse sie zum Unterweisungsthema haben, z. B. durch ihre Berufserfahrung. Eine Aushilfskraft müssen Sie sorgfältiger über die richtige Benutzung bestimmter PSA unterweisen als einen neuen Kollegen, der vorher schon lange damit gearbeitet hat.
  • Welche Hilfsmittel können Sie anwenden? Machen Sie Ihr Thema anschaulich, indem Sie z. B. Fotos, Grafiken usw. einsetzen. Denken Sie ggf. an Flip-Chart, Overheadprojektor, Beamer o. Ä.
TIPP: Zu manchen Themen gibt es auch Schulungsfilme und -medien z. B. von Ihrer Berufsgenossenschaft, Innung usw. Fragen Sie mal nach!
  • Wo soll die Unterweisung stattfinden? Konzentriert zuhören zu können ist die Voraussetzung für gutes Gelingen. Wählen Sie darum einen Raum, in dem möglichst wenig Störungen auftreten, etwa durch Lärm. Auch Kälte oder Zugluft hemmt die Konzentration! Praktische Unterweisungen müssen aber meist am Arbeitsplatz stattfinden. Sorgen Sie dann durch Absprache mit den Kollegen vor Ort dafür, dass Sie, so weit es geht, ungestört bleiben.
  • Wann soll die Unterweisung stattfinden? Grundregel: Niemals kurz vor Feierabend, wenn die Mitarbeiter müde sind und nach Hause wollen. Legen Sie möglichst eine Zeit fest, zu der die Leistungsfähigkeit noch hoch ist, z. B. gleich morgens. Übrigens: Nach dem ArbSchG ist die Unterweisung immer bezahlte Arbeitszeit.
  • Wie lange soll die Unterweisung dauern? Fassen Sie sich kurz: Oft reichen wenige Minuten; eine Erstunterweisung für neue Kollegen darf bis zu einer halben Stunde dauern. Sollte es nicht möglich sein, alle Punkte in dieser Zeit anzusprechen, setzen Sie die Unterweisung an einem anderen Tag fort.

Die 5 wichtigsten Regeln für die Durchführung

Wenn Sie alles gut vorbereitet haben, kommt die „Stunde der Wahrheit“: Jetzt geht es darum, dass bei Ihrer Unterweisung möglichst viel „rüberkommt“. Mit diesen 5 Regeln gelingt Ihnen das:

  1. Wecken Sie das Interesse der Teilnehmer. Vermeiden Sie trockene, theorielastige Vorträge. Packen Sie die Teilnehmer emotional: Wenn Sie z. B. einen kurz vorher geschehenen Arbeitsunfall aus Ihrem Betrieb als Aufhän ger nehmen, wird sofort jeder hellwach! Oder greifen Sie einmal ein positives Beispiel auf, z. B. vorbildliches Verhalten eines Mitarbeiters in einer brenzligen Situation.
  2. Beziehen Sie die Kollegen ein: „Frontalbelehrungen“ wirken rasch ermüdend. Besser: Animieren Sie die Teilnehmer zum Mitmachen, entlocken Sie ihnen eigene Erfahrungen zum Thema, ermuntern Sie sie, selbst Verbesserungsvorschläge zu machen. Sprechen Sie sie als „Arbeitsschutzexperten in eigener Sache“ an – und die Ergebnisse „sitzen“ besser.
  3. Geben Sie klare Anweisungen: Das ist kein Widerspruch zum vorigen Punkt! Sagen Sie unmissverständlich, was zu tun und was zu unterlassen ist, z. B. welche Schutzausrüstungen wann und wie einzusetzen sind. Wenn es zu Ihrem Thema eine Betriebsanweisung gibt, gehen Sie sie Punkt für Punkt durch. Vergewissern Sie sich, dass Ihre Informationen richtig verstanden worden sind, indem Sie die Teilnehmer die Hauptpunkte noch einmal wiederholen lassen.
  4. Erklären und überzeugen: Besonders wenn der Sinn einer Verhaltensvorschrift nicht gleich einsichtig ist, sollten Sie sie plausibel begründen: „Auch wenn Sie die Ohrstöpsel lästig finden, müssen Sie sie trotzdem unbedingt tragen. Der Lärm schadet sonst Ihrem Gehör und Schwerhörigkeit kann die Folge sein.“
  5. Vormachen und einüben lassen: Schwierige oder ungewohnte Abläufe sollten Sie unbedingt vorführen und anschließend von den Unterwiesenen nachmachen lassen. Korrigieren Sie dabei Fehler sofort – so lange, bis alles sitzt.

Dokumentieren Sie die Unterweisungen

Dokumentieren Sie jede Unterweisung mit Thema und Inhalten (in Stichworten) und lassen Sie die Teilnehmer die Unterweisung schriftlich bestätigen, auch wenn dies nach manchen Rechtsvorschriften (z. B. nach dem JArbSchG) nicht zwingend vorgeschrieben ist.

So können Sie im „Ernstfall“ belegen, dass Sie Ihre Schulungspflichten erfüllt haben. Benutzen Sie dazu das Formblatt „Unterweisungsnachweis“ auf der folgenden Seite oder von unserer Online-Datenbank.

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