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Die Durchführung von sicherheitstechnischen Unterweisungen wird in vielen Gesetzen, Verordnungen und Berufsgenossenschaftlichen Regelwerken gefordert...

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Unterweisung: Was bringen Arbeitsschutzmanagementsysteme?

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Arbeitssicherheit Unterweisung

Von Wolfram von Gagern,

In vielen Betrieben wird der Arbeitsschutz „situationsbedingt“ betrieben, das heißt einmal erkannte Fehler werden analysiert und abgestellt - z. B. nach einem Unfall.

Punktuell können hierdurch zwar Verbesserungen erzielt werden, den noch bleibt dabei vieles dem Zufall überlassen. Deswegen liebäugeln immer mehr Unternehmen mit der Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems (AMS). Doch den Befürwortern stehen die Skeptiker gegenüber, die unnötigen bürokratischen Aufwand und wenig praktischen Nutzen befürchten. Lesen Sie hier, was Sie bei Ihrer Entscheidung über die Einführung eines AMS berücksichtigen sollten.

Unterweisung: Was ist ein AMS?

Ein AMS will den Arbeitsschutz auf der Grundlage einer alle betrieblichen Abläufe umgreifenden „Hausordnung“

  • nachhaltig,
  • nachvollziehbar und
  • systematisch

organisieren und verbessern. Dieser Zielsetzung verpflichtet sich die Geschäftsleitung in der Unternehmenspolitik, legt hierzu konkrete, möglichst messbare Ziele fest (z. B. Senkung der Unfallraten um 50 % innerhalb eines Jahres) und setzt diese planmäßig um. Der Grad der Zielerreichung wird in periodischen Abständen bewertet. Die im Rahmen des AMS festgelegten Regelungen und Abläufe werden in einem AMS-Handbuch dokumentiert, zu dem – je nach Bedarf – weiterführende Beschreibungen wie Verfahrensund Arbeitsanweisungen zu erstellen sind. Wenn Ihr Betrieb bereits ein zertifiziertes Qualitäts- oder Umweltmanagementsystem (QMS bzw. UMS) nach ISO 9001 bzw. ISO 14001 unterhält, ist Ihnen dieser Ansatz bereits bekannt.

Unterweisung: Der LASI-Leitfaden zur Einführung eines AMS

Anders als für QMS ist derzeit jedoch noch keine international anerkannte Norm für AMS in Sicht. Stattdessen wird häufig die britische Spezifikation OHSAS 18001 angewandt (Occupational Health & Safety Assessment Series zu Deutsch etwa Gesundheits- undSicherheitsüberprüfung bei der Arbeit). Für Betriebe mit einem QMS bzw. UMS hält sich der Aufwand für die Einführung von „OHSAS“ in Grenzen. Für alle anderen bedeutet er jedoch – auch dauerhaft – eine spürbare Belastung. Viele Unternehmen haben deshalb ihren Bedarf nach einer „verschlankten“, gleichwohl aber standardisierten Grundlage für ein AMS angemeldet. Darum hat der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) den 120-seitigen Leitfaden „Arbeitsschutzmanagementsysteme - Handlungsanleitung zur freiwilligen Einführung und Anwendung von Arbeitsschutzmanagementsystemen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)“ herausgebracht. Er soll den Betrieben helfen, ein AMS in 22 Schritten einzuführen. Diese beinhalten die Erstellung eines AMSHandbuchs mit schriftlich fixierten Leitlinien für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz und mit dokumentierten Regelungen u. a. zu

  • den Verantwortlichkeiten und Aufgaben im Arbeitsschutz,
  • den internen und externen Informationsflüssen und der Zusammenarbeit der beteiligten Stellen beim Arbeitschutz,
  • der Ermittlung der gesetzlichen und weiteren Arbeitsschutzvorgaben,
  • Gefährdungsbeurteilungen, zum Verhalten bei Notfällen, zu Gesundheitsprogrammen („wie etwa „Rückenschulen“.) usw.,
  • Überprüfungen und Mängelbehebungen im Arbeitsschutz und
  • der Bewertung und Verbesserung der Arbeitsschutzleistungen.

Unterweisung: Welche Vorteile Ihnen ein AMS bringen kann

Zwar können Sie auch ein AMS nach dem LASI-Leitfaden nicht „nebenbei“ aufbauen; dennoch kann die Kosten- Nutzen-Bilanz im Endeffekt unter dem Strich positiv ausfallen. Denn damit

  • wird die Rechtssicherheit bei der Umsetzung der Arbeitsschutzpflichten erhöht,
  • werden die Arbeitsmethoden und -abläufe im Unternehmen optimiert, z. B. durch ein Mängelmelde- und Vorschlagswesen,
  • werden die Ausfallzeiten durch Unfälle oder arbeitsbedingte Krankheiten minimiert und die dadurch ausgelösten Folgekosten eingespart,
  • wird die Motivation der Beschäftigten erhöht und
  • die Maschinen- und Anlagenverfügbarkeit gesteigert.

Zusatzvorteil: Weniger Behördenkontrollen. Verschiedene Bundesländer gewähren Betrieben mit einem AMS Erleichterungen bei der Überwachung durch die Arbeitsschutzämter. In Bayern und Sachsen etwa erhalten Unternehmen, die ihr AMS einer (alle 3 Jahre zu wiederholenden) behördlichen Prüfung unterzogen haben, hierüber ein Zertifikat. Sie sind dann von detaillierten Kontrollen befreit und werden so erheblich entlastet. Nicht zuletzt darum haben in Bayern schon über 170 Unternehmen ein AMS eingeführt: große Automobilhersteller ebenso wie kleine Handwerksbetriebe unterschiedlicher Branchen.

Tipp: Einige Bundesländer versüßen den KMU die Einführung eines AMS durch finanzielle Hilfen. Bayern z. B. Gewährt Firmen mit 10 bis 150 Beschäftigten einen einmaligen Zuschuss von 5.000 €. Fragen Sie bei Ihrem zuständigen Arbeitsschutzamt nach, ob es entsprechende Fördermittel in Ihrem Bundesland gibt. Verschiedene Berufsgenossenschaften haben branchenbezogene, vom Umfang und Aufwand her auch für kleinere Betrieb gut geeignete Alternativen zu einem AMS entwickelt. Das sind z. B. Die BAU BG, die Steinbruch- BG und die Fleischerei-BG. Manche belohnen die erfolgreiche Umsetzung mit Prämien.

 

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