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Brandschutzmaßnahmen können nur dann wirksam und effektiv sein, wenn vorher auch das mögliche Risiko dazu ermittelt worden ist.

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Maßnahmen gegen Brände: ASR A2.2 in der Kritik

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Von Martin Weyde,

Die neue Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ ist neulich ein Jahr alt geworden. Da stellt sich diese Frage ganz von selbst: Sind denn jetzt alle zufrieden? Bernhard Tschöpe vom Brandschutzbüro Berlin ist es nicht.

 

Tschöpe vertritt den Landesverband Berlin im Bundesverband Betrieblicher Brandschutz – Werkfeuerwehrverband Deutschland e. V. In einem Vortrag auf der Arbeitsschutzmesse A+A 2013 in Düsseldorf hat er dargestellt, welche Antworten die ASR A2.2 aus seiner Sicht auf einige zentrale Fragen des Brandschutzes schuldig bleibt.

Seit die ASR A2.2 im November 2012 erschien, gilt die alte ASR 13/1,2 „Feuerlöscheinrichtungen“ nicht mehr. Und im letzten September hat die DGUV bekanntgegeben, dass nunmehr auch die BGR/GUV-R 133 „Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern“ hinfällig ist, denn die wesentlichen Inhalte der BGR 133 seien in die ASR A2.2 übernommen worden.

1. Ist eine Gefährdungsbeurteilung sinnvoll – und wie wird sie durchgeführt?

Der folgende Satz ist sinngemäß auf der ersten Seite jeder ASR zu finden: „Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung [als in der jeweiligen ASR vorgegeben], muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.“ Eine andere Lösung könnte sich üblicherweise aus einer Gefährdungsbeurteilung ergeben – wie diese jedoch durchgeführt werden soll, dazu sagt die ASR A2.2 nichts. Im Prinzip kein Problem, denn niemand ist gezwungen, sich eine andere Lösung als die vorgegebene einfallen zu lassen.
Tschöpe warnt jedoch davor, keine Gefährdungsbeurteilung zum Brandschutz zu erstellen und keine daraus folgenden individuellen Maßnahmen zu ergreifen. Dann könne es nämlich leicht passieren, dass besondere Anforderungen im jeweiligen Betrieb übersehen werden. Stur nach der ASR A2.2 vorzugehen, empfiehlt Tschöpe nicht.
In Punkt 6.2 verlangt die ASR A2.2 eine ausreichende Anzahl von Brandschutzhelfern. Allerdings hält die ASR hier einen Anteil von 5 Prozent der Beschäftigten in der Regel für ausreichend. Außer bei erhöhter Brandgefährdung – dann können auch mehr Brandschutzhelfer erforderlich sein. Den Anteil von 5 Prozent hält Tschöpe für willkürlich, und bei erhöhter Brandgefährdung seien 5 Prozent zu wenig. Wie viele Brandschutzhelfer aber tatsächlich notwendig sind, soll ebenfalls eine Gefährdungsbeurteilung ergeben.

 

2. Wie viele Löschmitteleinheiten werden gebraucht – und wo sind Mindestmengen hinderlich?

Tschöpe vermisst den Hinweis, dass es darauf ankommt, einen Brand frühzeitig zu bemerken, ihn schnell zu bekämpfen und so zu verhindern, dass er sich ausbreiten kann. Stattdessen begegne die ASR höheren Brandgefährdungen mit immer mehr Feuerlöschern und Wandhydranten. Jedoch könne ein Laie nur bei Entstehungsbränden noch eingreifen, ohne sein Leben aufs Spiel zu setzen.
Auch die in der Tabelle der LE in Punkt 5.2.1 vorgegebene Mindestmenge sei zu hoch angesetzt – die Grundausstattung verlangt mindestens 6 LE. Dadurch fallen etliche Löschgeräte unter den Tisch. So werden CO2-Löscher (1,5 und 5 kg) und viele Wasser- und Schaumlöscher (6 kg) nicht aufgenommen, da sie weniger als 6 LE enthalten. Gerade diese Geräte seien aber in vielen Bereichen weit verbreitet und ausreichend. Auch Löschsprays scheitern an der 6 LE-Hürde. Dabei seien diese gerade dort im Einsatz, wo im Ernstfall Laien schnell reagieren müssen – in Kitas, Altenheimen, Krankenhäusern, Büros und Verwaltungsgebäuden. Und Laien haben weniger Hemmungen, eine Spraydose als einen Feuerlöscher einzusetzen. Um Entstehungsbrände zu bekämpfen, reichten Löschsprays in vielen Fällen aus.

3. Bleiben praktische Übungen auf der Strecke?

Punkt 6.1 der ASR A2.2 schreibt die jährliche Unterweisung der Beschäftigten über die Gefährdungen vor. Dazu gehören auch Maßnahmen, um diese Gefährdungen abzuwenden. Aber ist eine Unterweisung der Beschäftigten zu Maßnahmen gegen Brände ohne praktische Übungen sinnvoll? Die ASR A2.2 sieht jedenfalls keine vor.
Von Brandschutzhelfern verlangt Punkt 6.2 hingegen schon, sich durch „Übung im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen zur Bekämpfung von Entstehungsbränden vertraut zu machen“. Tschöpe merkt allerdings an, dass in Punkt 6.2 – im Gegensatz zu 6.1 – von wiederkehrenden Unterweisungen und Übungen nicht die Rede ist. Hier sei jedoch ein Leitfaden zu den Aufgaben der Brandschutzhelfer angekündigt, der demnächst Klarheit bringen soll.
Wenn die ASR A2.2 einmal überarbeitet wird, würde sich Tschöpe vor allem wünschen, dass sie den Anwendern dann mit eine Mustergefährdungsbeurteilung unter die Arme greift.

 

Tschöpe vertritt den Landesverband Berlin im Bundesverband Betrieblicher Brandschutz – Werkfeuerwehrverband Deutschland e. V. In einem Vortrag auf der Arbeitsschutzmesse A+A 2013 in Düsseldorf hat er dargestellt, welche Antworten die ASR A2.2 aus seiner Sicht auf einige zentrale Fragen des Brandschutzes schuldig bleibt.

Seit die ASR A2.2 im November 2012 erschien, gilt die alte ASR 13/1,2 „Feuerlöscheinrichtungen“ nicht mehr. Und im letzten September hat die DGUV bekanntgegeben, dass nunmehr auch die BGR/GUV-R 133 „Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern“ hinfällig ist, denn die wesentlichen Inhalte der BGR 133 seien in die ASR A2.2 übernommen worden.

1. Ist eine Gefährdungsbeurteilung sinnvoll – und wie wird sie durchgeführt?

Der folgende Satz ist sinngemäß auf der ersten Seite jeder ASR zu finden: „Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung [als in der jeweiligen ASR vorgegeben], muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.“ Eine andere Lösung könnte sich üblicherweise aus einer Gefährdungsbeurteilung ergeben – wie diese jedoch durchgeführt werden soll, dazu sagt die ASR A2.2 nichts. Im Prinzip kein Problem, denn niemand ist gezwungen, sich eine andere Lösung als die vorgegebene einfallen zu lassen.
Tschöpe warnt jedoch davor, keine Gefährdungsbeurteilung zum Brandschutz zu erstellen und keine daraus folgenden individuellen Maßnahmen zu ergreifen. Dann könne es nämlich leicht passieren, dass besondere Anforderungen im jeweiligen Betrieb übersehen werden. Stur nach der ASR A2.2 vorzugehen, empfiehlt Tschöpe nicht.
In Punkt 6.2 verlangt die ASR A2.2 eine ausreichende Anzahl von Brandschutzhelfern. Allerdings hält die ASR hier einen Anteil von 5 Prozent der Beschäftigten in der Regel für ausreichend. Außer bei erhöhter Brandgefährdung – dann können auch mehr Brandschutzhelfer erforderlich sein. Den Anteil von 5 Prozent hält Tschöpe für willkürlich, und bei erhöhter Brandgefährdung seien 5 Prozent zu wenig. Wie viele Brandschutzhelfer aber tatsächlich notwendig sind, soll ebenfalls eine Gefährdungsbeurteilung ergeben.

 

2. Wie viele Löschmitteleinheiten werden gebraucht – und wo sind Mindestmengen hinderlich?

Tschöpe vermisst den Hinweis, dass es darauf ankommt, einen Brand frühzeitig zu bemerken, ihn schnell zu bekämpfen und so zu verhindern, dass er sich ausbreiten kann. Stattdessen begegne die ASR höheren Brandgefährdungen mit immer mehr Feuerlöschern und Wandhydranten. Jedoch könne ein Laie nur bei Entstehungsbränden noch eingreifen, ohne sein Leben aufs Spiel zu setzen.
Auch die in der Tabelle der LE in Punkt 5.2.1 vorgegebene Mindestmenge sei zu hoch angesetzt – die Grundausstattung verlangt mindestens 6 LE. Dadurch fallen etliche Löschgeräte unter den Tisch. So werden CO2-Löscher (1,5 und 5 kg) und viele Wasser- und Schaumlöscher (6 kg) nicht aufgenommen, da sie weniger als 6 LE enthalten. Gerade diese Geräte seien aber in vielen Bereichen weit verbreitet und ausreichend. Auch Löschsprays scheitern an der 6 LE-Hürde. Dabei seien diese gerade dort im Einsatz, wo im Ernstfall Laien schnell reagieren müssen – in Kitas, Altenheimen, Krankenhäusern, Büros und Verwaltungsgebäuden. Und Laien haben weniger Hemmungen, eine Spraydose als einen Feuerlöscher einzusetzen. Um Entstehungsbrände zu bekämpfen, reichten Löschsprays in vielen Fällen aus.

3. Bleiben praktische Übungen auf der Strecke?

Punkt 6.1 der ASR A2.2 schreibt die jährliche Unterweisung der Beschäftigten über die Gefährdungen vor. Dazu gehören auch Maßnahmen, um diese Gefährdungen abzuwenden. Aber ist eine Unterweisung der Beschäftigten zu Maßnahmen gegen Brände ohne praktische Übungen sinnvoll? Die ASR A2.2 sieht jedenfalls keine vor.
Von Brandschutzhelfern verlangt Punkt 6.2 hingegen schon, sich durch „Übung im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen zur Bekämpfung von Entstehungsbränden vertraut zu machen“. Tschöpe merkt allerdings an, dass in Punkt 6.2 – im Gegensatz zu 6.1 – von wiederkehrenden Unterweisungen und Übungen nicht die Rede ist. Hier sei jedoch ein Leitfaden zu den Aufgaben der Brandschutzhelfer angekündigt, der demnächst Klarheit bringen soll.
Wenn die ASR A2.2 einmal überarbeitet wird, würde sich Tschöpe vor allem wünschen, dass sie den Anwendern dann mit eine Mustergefährdungsbeurteilung unter die Arme greift.

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