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Sicher arbeiten an Maschinen und technischen Anlagen – wie die Betriebsanleitung des Herstellers Ihnen dabei hilft

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Elektrosicherheit
Urheber: Andrey Popov | Fotolia

Von Sabine Kurz,

Ein wichtiger Teil der Elektrosicherheit in Ihrem Betrieb betrifft die sichere Arbeit mit elektrischen Geräten, Maschinen und Anlagen. Der Gesetzgeber in Deutschland macht hier zum Glück so klare Angaben, dass Sie dieses Ziel gut verwirklichen können, u. a., indem Sie die Betriebsanleitung des jeweiligen Herstellers zurate ziehen.

Die neugefasste Betriebssicherheitsverordnung hat es explizit gemacht: Die zwingend vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung beginnt schon bei der Kaufentscheidung. Ein Unternehmer darf seinen Beschäftigten nur solche elektrischen Geräte, Maschinen und Anlagen zur Verfügung stellen, mit denen sie sicher und ohne Gefährdung ihrer Gesundheit arbeiten können.

Den wahrscheinlich wichtigsten Beitrag zur Kaufentscheidung liefern die Herstellerangaben und die zur Maschine oder Anlage gehörige Betriebsanleitung. Sie enthalten – sofern der Hersteller seine Verpflichtung gemäß der Maschinenrichtlinie einhält – alle relevanten Angaben über den Einsatzbereich der Maschine und ihre Funktionen, über Inbetriebnahme, Instandhaltung, Wartung, Montage, Demontage, Überprüfung der Funktionalität sowie über die Störungsbeseitigung.

Tipp: Die Richtlinienreihe VDI 4500 „Technische Dokumentation“ mit den bisher erschienenen Blättern 1–4 enthält Anforderungen an das Erstellen Technischer Dokumentation für Hersteller.

Als Elektrofachkraft, die die Einkaufsabteilung bei der Beschaffung elektrischer Maschinen und Anlagen berät, können Sie die Richtlinienblätter natürlich auch nutzen, um zu prüfen, ob der von Ihnen favorisierte Hersteller alle relevanten rechtlichen Vorgaben und den Stand der Technik berücksichtigt hat.

Detailanforderungen formuliert auch die DIN EN 82079-1:2013-06; VDE 0039-1:2013-06 „Erstellen von Gebrauchsanleitungen – Gliederung, Inhalt und Darstellung – Teil 1: Allgemeine Grundsätze und ausführliche Anforderungen“. Zur Norm gibt es beim Beuth Verlag auch einen Kommentar, der den Normtext ebenfalls enthält.

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Betriebsanleitungen –
diese Angaben garantieren Sicherheit

1. Firmenname und vollständige Anschrift des Herstellers und seines Bevollmächtigten

2. Bezeichnung der Maschine

3. Die EG-Konformitätserklärung oder ein Dokument, das die EG-Konformitätserklärung inhaltlich wiedergibt. Die Maschinenrichtlinie sieht – nach Abschluss der Risikobeurteilung und Risikobewertung des Herstellers – zwei verschiedene Erklärungen vor: die EG-Konformitätserklärung (EC Declaration of Conformity) (Anhang II 1 A) oder die Einbauerklärung (EC-Declaration of Incorporation of Partly Completed Machinery) für eine unvollständige Maschine (Anhang II1 B) sowie eine Montageanleitung (Anhang VI). Lediglich der Hersteller oder dessen Bevollmächtigte mit Sitz in der EU dürfen solche Erklärung erstellen und unter- schreiben. Mit diesen Erklärungen wird die Konformität des Produktes mit den Forderungen der Maschinenrichtlinie bestätigt.

Wichtig: Importeure und Händler sind nicht befugt, eine Konformitätserklärung zu erstellen. Nur wenn Importeur oder Händler eine Maschine unter ihrem Namen in den Markt einbringen oder als schriftlich bestätigte Bevollmächtigte des Herstellers gelten, dürfen sie die entsprechenden Erklärungen abgeben.

Sobald das gesamte Konformitätsverfahren abgeschlossen ist – das bedeutet, sobald Risikobeurteilung und Risikobewertung, technische Dokumentation einschließlich Bedienungsanleitung erstellt sind –, dürfen der Hersteller oder sein Bevollmächtigter das EG-Konformitätskennzeichen – das CE-Kennzeichen – vergeben. Die CE-Konformitätskennzeichnung besteht aus den Buchstaben „CE“ mit dem in Anhang III der Maschinenrichtlinie wiedergegebenen Schriftbild.

Wichtig: Auf Maschinen dürfen keine Kennzeichnungen, Zeichen oder Aufschriften angebracht werden, die mit der CE-Kennzeichnung verwechselt werden könnten.

4. Eine allgemeine Beschreibung der Maschine und die für die Montage, Inbetriebnahme, Verwendung, Wartung und Instandsetzung der Maschine und zur Überprüfung ihres ordnungsgemäßen Funktionierens erforderlichen Zeichnungen, Schaltpläne, Beschreibungen und Erläuterungen. Falls erforderlich, sind Hinweise zur Ausbildung bzw. Einarbeitung des Bedienungspersonals hilfreich.

5. Eine ausführliche Betriebsanleitung für die Maschine bzw. Anlage. Die Betriebsanleitung muss in der jeweiligen Amtssprache verfasst sein (Original-Betriebsanleitung). Wird die Maschine ins europäische Ausland verkauft, muss die Betriebsanleitung zusätzlich in der Amtssprache des Landes, in das die Maschine verkauft wird, verfügbar sein (Übersetzung der Original-Betriebsanleitung).

6. Eine Beschreibung der bestimmungsgemäßen Verwendung der Maschine sowie Warnhinweise zu allen denkbaren Fehlanwendungen, etwa zum Außerkraftsetzen von Schutzeinrichtungen. Angaben zu Restrisiken, die trotz der Maßnahmen zur Integration der Sicherheit bei der Konstruktion, trotz der Sicherheitsvorkehrungen und trotz der ergänzenden Schutzmaßnahmen noch verbleiben.

7. Installations- und Montagevorschriften zur Verminderung von Lärm und Vibrationen. Angaben zur Luftschallemission der Maschine:

  • der A-bewertete Emissionsschalldruckpegel an den Arbeitsplätzen, sofern er 70 dB(A) übersteigt; ist dieser Pegel kleiner oder gleich 70 dB(A), so ist dies anzugeben;
  • der Höchstwert des momentanen C-bewerteten Emissionsschalldruckpegels an den Arbeitsplätzen, sofern er 63 Pa (130 dB bezogen auf 20 μPa) über­ steigt;
  • der A-bewertete Schallleistungspegel der Maschine, wenn der A-bewertete Emissionsschalldruckpegel an den Arbeitsplätzen 80 dB(A) übersteigt.

Diese Werte müssen entweder gemessen oder durch Messung an einer technisch vergleichbaren Maschine ermittelt worden sein. Bei sehr großen Maschinen können statt des A-bewerteten Schallleistungspegels die A-bewerteten Emissionsschalldruckpegel im Maschinenumfeld angegeben werden. Kommen keine harmonisierten Normen zur Anwendung, ist zur Ermittlung der Geräuschemission nach der dafür am besten geeigneten Messmethode zu verfahren.

Bei jeder Angabe von Schallemissionswerten ist die für diese Werte bestehende Unsicherheit anzugeben. Die Betriebsbedingungen der Maschine während der Messung und die Messmethode sind zu beschreiben. Wenn der Arbeitsplatz bzw. die Arbeitsplätze nicht festgelegt sind oder sich nicht festlegen lassen, müssen die Messungen des A-bewerteten Schalldruckpegels in einem Abstand von 1 m von der Maschinenoberfläche und 1,60 m über dem Boden oder der Zugangsplattform vorgenommen werden.

Der höchste Emissionsschalldruckpegel und der zugehörige Messpunkt sind anzugeben. Enthalten spezielle Gemeinschaftsrichtlinien andere Bestimmungen zur Messung des Schalldruck- oder Schallleistungspegels, gelten die Bestimmungen dieser speziellen Richtlinien und nicht die entsprechenden Bestimmungen der vorliegenden Richtlinie.

8. Angaben zu nichtionisierender Strahlung, die die Maschine womöglich aufzeigt. Können Personen, insbesondere Träger aktiver oder nichtaktiver implantierbarer medizinischer Geräte, durch die von der Maschine abgegebene Strahlung geschädigt werden, sind darüber genaue Angaben zu machen.

9. Angaben zu Schutzmaßnahmen, die das Bedienpersonal einhalten muss, ggf. Angaben zu erforderlicher Persönlichen Schutzausrüstung (PSA).

10. Anweisungen zum Vorgehen bei Unfällen und Störungen oder bei möglichen Blockierungen, die gefahrlos gelöst werden sollen.

11. Spezifikationen zu Ersatzteilen, die ggf. zu verwenden sind.

12.Falls erforderlich, Hinweise zur Verwendung in Ex-Bereichen.

Zugegeben, diese Angaben sind sehr umfangreich und müssen natürlich zusätzlich um spezifische Eigenschaften der Maschine oder Anlage ergänzt werden. Letzten Endes aber sparen Sie und Ihre Firma Zeit und Geld, wenn Sie alle Angaben vor der Beschaffung akribisch prüfen – müssen Sie Schutzeinrichtungen o. Ä. nachträglich in Eigeninitiative nachrüsten, wird dieses Verfahren noch viel umfangreicher, weil Sie und Ihr Betrieb dabei womöglich selbst zum Hersteller werden. Und dann müssen Sie alle Angaben aus dieser Liste selbst erstellen!

Wichtig: Natürlich ist die Beschaffung sicherer Maschinen und Anlagen nur der erste Schritt zur Elektrosicherheit. Er ist aber die Basis, auf der alle betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen aufbauen

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