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Der Umweltschutz bekommt in den heutigen Unternehmensstrukturen eine immer größere Bedeutung. Von der Einführung eines Umweltschutzmanagementsystems...

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Aus Umweltschutz mach Umsatzplus: Probleme und Lösungen für kleinere Unternehmen

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Bei zwei- oder niedrigen dreistelligen Mitarbeiterzahlen wird es schwieriger, Umweltschutz effektiv zu praktizieren – aber es stehen dann auch viel mehr kreative Möglichkeiten offen, als den großen Konzernen.

Was haben eine Offenbacher Schreinerei, ein Kölner Banner-Druckdienstleister und ein Stuttgarter Modelabel miteinander gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel, schaut man jedoch genauer und aus dem Blickwinkel des Umweltschutzes auf diese und ähnliche Unternehmen, fällt eines auf – wo nämlich große produzierende Firmen mit gigantischen Umsätzen eine vergleichsweise riesige und vor allem wirkungsvolle Palette an Möglichkeiten des Umweltschutzes haben, sinkt dieser Spielraum, je kleiner das Unternehmen wird – und genau das eröffnet aber vielfältigste Möglichkeiten der Kreativität und Alternativen, über die der folgende Artikel genauer aufklären will.

1. Das Problem der Größe

Je kleiner ein Unternehmen, desto geringer sein energetischer Fußabdruck – soweit so gut, doch was bei einem solchen Betrieb noch zum Vorteil gereicht, ist gleichsam auch ein Nachteil. Wo etwa soll ein typischer Kleinbetrieb wie der Klempner mit drei Mitarbeitern, die Werbefirma am Stadtrand, der Einzelhandel in der Innenstadt, großartig Wege finden, um die Umwelt weiter zu schützen? Eine Option für alle ist sicherlich die Abfallvermeidung und –entsorgung, aber abgesehen davon bleibt nicht viel übrig. Des Klempners Elektrowerkzeug benötigt nun mal seine regelmäßige Aufladung, in der Werbefirma müssen die Computer zwangsweise den ganzen Tag lang laufen und im Einzelhandel läuft ohne gutes Beheizen und hell ausgeleuchtete Warenregale gar nichts, weil das Gegenteil die Kunden vergraulen würde.

Das bedeutet also, dass die primären Wege des unternehmerischen Umweltschutzes wie Energieeinsparung sehr viel enger sind bzw. je nach Branche auch gar nicht erst verfügbar – wie etwa soll der genannte Einzelhändler Heizkosten sparen, wenn die Ladenräume nur angemietet sind und er gar keine Möglichkeit hat, die Heizungsanlage zu modernisieren?

2. Das Problem der Kosten

3,6 Millionen Unternehmen gibt es in Deutschland - davon 3,3 mit weniger als zehn Mitarbeitern. Rechnet man dann noch die fast 300000 Firmen mit weniger als 50 Leuten hinzu, bleibt eine erschreckend kleine Zahl echter Großunternehmen – nämlich weniger als 14000. Doch genau diese Giganten sind es, die viel Geld für Investitionen haben. 100000 Euro für regenerative Energieerzeugung im Werk, eine halbe Million für Hybrid-basierende Firmenfahrzeuge, 300000 für Produktionsumstellungen. Wenn sich die Jahresgewinne im Millionen-Bereich bewegen, bleibt eben mehr für Investitionen übrig – zumindest von den reinen Summen.

Anders hingegen bei der Stütze der deutschen Wirtschaft, dem Kleinunternehmer. Selbst bei denen, die gut haushalten und viele Gewinne erwirtschaften, sind diese naturgemäß von der bloßen Geldmenge her geringer – wenngleich nicht unbedingt vom Prozentsatz. Und dann wird es auch für eine gutgehende Firma schwierig, in Umweltschutz zu investieren – denn der ist teuer:

  • Eine Wärmepumpen-Heizung für Einfamilienhaus-große Betriebsgebäude kostet ca. 12000 Euro.
  • Solaranlagen kosten derzeit pro Kilowatt-Peak (kWp) rund 1500 Euro. 1kWp erzeugt maximal 1000kWh per Anno, ein Kleinbetrieb verbraucht jedoch leicht 10000 und mehr kWh p.A.
  • Für einen neuen Firmenwagen á la VW Caddy fallen mindestens 20000 Euro, bei größeren Fahrzeugen wie dem Mercedes Sprinter beginnen die Preise auch erst bei 30000 Euro.

Zusammengerechnet bedeutet das, dass eine jegliche Investition in umweltschützende Modernsierungen in jedem Fall die Firmen-Finanzen stärker belastet und gleichsam weniger Optionen offenstehen.

3. Der Vorteil der Masse

Wie bereits kurz angemerkt, ist die geringe Größe vieler Unternehmen gleichzeitig Crux und Segen. Letzteres deshalb, weil sich die geringen Möglichkeiten prozentual gesehen sehr viel stärker auf das einzelne Unternehmen auswirken können. Wenn etwa eine Firma, die nur zwei Fahrzeuge besitzt, eines davon gegen ein Umweltschonenderes eintauscht, hat sie gleich eine um 50 Prozent verbesserte Umweltbilanz beim Transport – wo ein Großunternehmen erst dutzende Fahrzeuge austauschen müsste, um den gleichen Effekt zu erzielen.

Absolut gesehen hat das zwar keinen so großen Effekt – wenn jedoch 500 Kleinunternehmen auf diese Weise agieren, so hat das wahrscheinlich mehr Auswirkungen auf die Umwelt, als wenn ein Großunternehmen modernisiert – hier macht es die gewaltige Masse der kleinen Betriebe, die 99,3% aller Firmen in der Republik ausmachen.

4. Der Vorteil der Wendigkeit

Hinzu kommt, dass die Flexibilität eines Unternehmens proportional mit seiner Größe abnimmt – bis sich ein Großbetrieb zu umweltschützenden Modernisierungen entschließen kann, vergehen oftmals Jahre, während der geplant und verschiedene Gruppen überzeugt werden wollen. Doch je kleiner die Firma, desto schneller gehen solche Maßnahmen von der Hand – in der Realität oftmals nur durch ein „so machen wir das jetzt“ des Inhabers.

 

5. Keine Angst vor Kreativität

Und natürlich kommt diese Wendigkeit nicht zuletzt dort zum Tragen, wo es um unkonventionelle Herangehensweisen geht. Denn solche Maßnahmen lassen sich nun mal in einem Betrieb ohne Aktionäre und mit nur wenigen Entscheidern sehr viel leichter realisieren als dort, wo Vorstände überzeugt und andere für die Idee erwärmt werden müssen. Einige Beispiele:

  • Die in Offenbach ansässige Schreinerei Lacher funktioniert einen Großteil der anfallenden Materialreste sowie ausrangierte Althölzer wie Türen, Balken usw. zu neuen Möbeln und anderen Designobjekten um und arbeitet dazu auch mit dem Bund Offenbacher Künstler zusammen.
  • Die in Köln beheimatete bannerstop GmbH fertigt Banner und ähnliche Produkte – eine der dort praktizierten Umweltschutz-Varianten ist es, die Überreste der Produktion sowie Altmaterialien an das Projekt Comebags zu übergeben, das aus diesen Materialien Umhängetaschen, Smartphone- und Tablet-Hüllen sowie Aktenmappen fertigt.
  • Das Modelabel Wiederbelebt aus Stuttgart verfolgt einen ähnlichen Weg. Dort werden alle Kleidungsstücke nur aus Industrieresten sowie überproduzierten Margen gefertigt – das Label nutzt nach eigenen Angaben ausschließlich die Überreste aus den Händen Baden-Württembergischer Textilunternehmen, die andernfalls verbrannt würden.
  • Eine britische Künstlerin nutzt Elektroschrott-Bauteile wie Platinen, Wiederstände und Dioden, um daraus kunstvolle Miniatur-Insekten herzustellen 

Während diese Beispiele sich vor allem mit dem Upcycling befassen, also dem Herstellen eines Neuprodukts aus Altmaterial ohne Umwege, gibt es natürlich auch noch andere Lösungsansätze, die etwas konventionellere Wege gehen, aber nicht minder wirksam sind und sich gerade deswegen auch für eine sehr große Bandbreite an Kleinunternehmen eignen:

  • Die großen Transportdienstleister von DHL bis UPS bieten mittlerweile einen sogenannten klimaneutralen Versand an. Damit reagieren die Unternehmen einerseits auf den gestiegenen und im Webshop-Zeitalter auch kaum mehr reduzierbaren Bedarf nach Warentransporten samt dem damit verbundenen Mehrausstößen von CO2. Und andererseits liefern sie damit allen Firmen, die anders wenig Einsparpotenzial haben, eine ausgezeichnete Möglichkeit, trotzdem effizienten Umweltschutz zu betreiben. Bei den Versandmethoden geht es prinzipiell darum, den unvermeidlichen Schadstoff-Ausstoß durch Investitionen in Klimaschutzprojekte zu kompensieren.
  • Bei allen Firmen-Neuanschaffungen wie PCs, Kaffeemaschinen und Ähnlichem sollte darauf geachtet werden, nach der Devise „Miniaturisierung zuerst“ vorzugehen – also so klein, dass die Leistung und Größe nur den benötigten Anforderungen entspricht, aber nicht mehr. Bei Computern beispielsweise durch sogenannte Thin Clients. Das hat nicht nur den Vorteil eines geringeren Energieverbrauchs, sondern teilweise auch dramatisch gesunkener Anschaffungskosten.
  • Ebenfalls sollte bei solchen Anschaffungen darauf geachtet werden, maximale Reparierbarkeit durch den Einsatz von Markenprodukten zu erzielen. Ein Bürogerät sorgt nämlich bei der Produktion für rund 500 Gramm CO2-Ausstoß pro Euro Netto-Kaufpreis – durch mögliche Reparaturen kann das verringert werden.
  • Daneben kann die Reduktion der Raumtemperatur um nur 1°C ganze 6% Energie einsparen – ohne dass der menschliche Körper diese verringerte Temperatur bemerken würde.
  • Wenn es alleine nicht reicht, kann die Masse helfen. Etwa, indem man für sein Unternehmen Klimaschutzpartner sucht (finanzstarke Spender) oder aber sich mit anderen Firmen aus der gleichen Branche zusammenschließt. Letzteres reduziert zwar die Imagewirkung für das Einzelunternehmen, ermöglicht aber wiederum größere Klimaschutzmaßnahmen und in der Regel eine gesteigerte Reichweite.

Die Grundregel ist einfach, sie lautet „Kleinvieh macht auch Mist“. Vielleicht kann ein einzelnes Kleinunternehmen nicht auf große Investitionen zum Schutz der Umwelt setzen, aber wenn alle Lampen im Büro durch LEDs ersetzt, beim Energieversorger zu einem grünen Anbieter gewechselt und dann noch konsequent jeder noch so kleine Einspartipp befolgt wird, sind im Vergleich zur Firmengröße (prozentual gesehen) gewaltige Einsparungen möglich, die sich nicht vor der Großindustrie verstecken müssen. 

6. Gutes Image, volle Kasse

Natürlich gehört es auch beim Kleinbetrieb zum guten Ton, bei jeder Umweltschutzmaßnahme nach der Maxime „Tue Gutes und rede darüber“ zu verfahren – besonders in Anbetracht der (kostenlosen) Möglichkeiten der sozialen Netzwerke. Freilich muss nicht jeder Glühbirnentausch im Büro mit einem Facebook-Post gefeiert werden, aber wenn beispielsweise die berühmte letzte Birne gegen eine umweltfreundlichere Variante getauscht wird, dann ist das sehr wohl ein Grund, ein Foto mit einer Unterschrift á la „Geschafft: Heute drehte der Chef der Werbeagentur ThatsIt die letzte alte Glühbirne aus der Fassung. Ab jetzt wird bei uns nur noch unter stromsparendem Licht an Ihren Ideen gearbeitet“ abzusetzen.

Solche Posts sind das A und O cleverer Öffentlichkeitsarbeit – und wenn die Umweltschutzmaßnahme etwas umfangreicher ausfällt (etwa durch den Einbau einer Photovoltaik-Anlage, Anschaffung umweltfreundlicherer Fahrzeuge etc.), gehört dazu auch das Verfassen einer Pressemitteilung. Das kostet nur wenig Zeit – wenn jedoch nur ein Medium, und sei es das Lokalblatt darüber berichtet, wurde bereits eine werbewirksame Maßnahme generiert, die nur ein paar Minuten Zeit beanspruchte aber für einen unschätzbaren Mehrwert in Sachen Image und Öffentlichkeitswahrnehmung sorgen kann.

Dabei sollte man sich nicht kleiner machen, als man ist – in Zeiten des Niedergangs klassischer Medien sowie dem Zwang zur bedingungslosen Aktualität neuer Medien hat heutzutage praktisch jede Meldung eine Relevanz, vor allem im regionalen Bereich. Nicht wenige lokale Nachrichtenblätter und –webseiten leben gar größtenteils von solchen Informationsbrocken.

Fazit

Umweltschutz hat auf der Kleinbetriebs-Ebene ganz andere Realitäten als in Großunternehmen. Hier sind die großen, teuren Maßnahmen zwar schwieriger, dafür aber gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten kreativer Herangehensweisen. Zudem sorgen flache Hierarchien gepaart mit den Auswirkungen selbst kleinster Maßnahmen dafür, dass das, was getan werden kann, schneller geschieht und zudem prozentual gesehen höhere Auswirkungen hat. Umweltschutz ist jedermanns Sache, nicht nur der großen Industrie.

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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