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Psychische Belastungen: Wenn sich ein Kollege übernimmt

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Von Martin Weyde,

Frage: Einer unserer Kollegen ist unglaublich hilfsbereit, aber er arbeitet auch für zwei und zieht alle Aufgaben an sich. Ich befürchte, dass er sich übernimmt und irgendwann zusammenbricht. Was kann ich unternehmen?

Antwort: In den meisten Unternehmen gibt es sogenannte unentbehrliche Mitarbeiter, gern die „gute Seele des Betriebs“ genannt. Dass es der Seele dieser Mitarbeiter tatsächlich gut geht, ist nicht unbedingt gesagt. Wenn Sie bei einem Ihrem Kollegen den Eindruck haben, dass er sich übernimmt, dann sollten Sie ihn darauf ansprechen.
Altruistische Menschen handeln uneigennützig, selbstlos oder aufopfernd, sagt der Duden. Es ist ein hoher gesellschaftlicher Wert, dass Menschen hilfsbereit miteinander umgehen. Aber dabei kommt es auch auf die Gründe an.
Wenn Menschen anderen helfen, weil sie erkennen, dass ihre Hilfe in einer bestimmten Situation erforderlich ist, dann handeln sie bewusst, richtig und nützlich. Wenn Menschen hingegen glauben, helfen zu müssen, weil dies von ihnen erwartet wird, dann handeln sie den vermutlichen Erwartungen anderer entsprechend.
Hilfsbereitschaft kann auch krankhafte Ausmaße annehmen, wenn Kollegen deshalb hilfsbereit sind, weil sie hoffen, im Gegenzug von anderen anerkannt und freundlich behandelt zu werden. Kollegen, die sich so verhalten, benötigen Ihre Hilfe. Allerdings ist es nicht leicht, die wahren Gründe der Hilfsbereitschaft herauszufinden.
Um bei allzu hilfsbereiten Kollegen herauszufinden, ob sie in Gefahr sind, sich mit ihrem Verhalten selbst zu schaden, benötigen Sie viel Fingerspitzengefühl. Manche Kollegen lassen sich nur ungern befragen, wenn es um Belastungen geht, und viele übertrieben hilfsbereite Kollegen lassen sich selbst nur ungern helfen.

 

Versuchen Sie, im Gespräch mit dem Kollegen Antworten auf einige der folgenden Fragen zu bekommen. Es ist nicht nötig, ihm alle Fragen zu stellen. Bauen Sie sie behutsam ins Gespräch ein und probieren Sie vorsichtig aus, welche am besten passen.
Es handelt sich dabei um geschlossene Fragen, auf die der Kollege nur mit Ja oder Nein antworten kann. Wenn er mindestens drei der Fragen bejaht, dann liegt die Vermutung nahe, dass bei ihm das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen nicht stimmt:

  • Ist es Ihnen wichtig, was andere von Ihnen halten?
  • Geben Sie gerne nach, um Ärger zu vermeiden?
  • Glauben Sie häufig, sich entschuldigen zu müssen?
  • Halten Sie sich oft zurück, weil Sie andere nicht verärgern wollen?
  • Fällt es Ihnen schwer, sich zu wehren, obwohl Sie sich ungerecht behandelt fühlen?
  • Nehmen Sie Verletzungen hin, ohne sich zu wehren?
  • Profitieren andere Kollegen von Ihrem Verhalten?
  • Befürchten Sie, dass andere Sie für egoistisch halten?
  • Übernehmen Sie gern die Verantwortung, damit Frieden einkehrt?
  • Finden Sie es unerträglich, dass Vorgesetzte über Sie verärgert sind?
  • Passiert es häufig, dass Sie sich zu etwas überreden lassen, was Sie eigentlich gar nicht wollen?
  • Gehen Sie davon aus, dass Sie fair behandelt werden, wenn Sie fair mit anderen umgehen?

Wenn Sie aus dem Gespräch den Eindruck gewinnen, dass der betreffende Kollege seine Hilfsbereitschaft nicht steuern kann, dann sollten Sie über Ihren Eindruck mit der Bereichs- oder Geschäftsleitung sprechen. Unter Umständen ist eine klare Abgrenzung des Arbeitsbereichs des Kollegen erforderlich, um zu verhindern, dass er sich übernimmt, bis er irgendwann zusammenbricht.

 

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