Gratis-Download

Als Fuhrparkmanager sind Sie nicht nur für die permanente Einsatzbereitschaft der betriebseigenen Fahrzeugflotte verantwortlich. Oft übernehmen Sie...

Jetzt downloaden

Dienstwagenbesteuerung: Nicht immer kann der Fiskus Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz besteuern

0 Beurteilungen

Erstellt:

Dienstwagenfahrer, die ihr Fahrzeug auch privat nutzen dürfen, werden vom Finanzamt erheblich geschröpft. Um hier ein bisschen zu sparen, blieb bisher oft nur der umständliche Weg der Besteuerung nach der Fahrtenbuchmethode. Denn wurde nach der pauschalen 1-%-Regelung gearbeitet, musste der Fahrer für die Fahrten zwischen Arbeitsstelle und Wohnung noch einmal pro Kilometer 0,03 % des Listenfahrzeugpreises berappen, auch wenn er diese Fahrten gar nicht mit dem Fahrzeug zurücklegte. Doch diesem Treiben des Fiskus hat der Bundesfinanzhof mit 2 bemerkenswerten Urteilen nun einen Riegel vorgeschoben.

Im ersten Fall hatte ein Unternehmen einem Mitarbeiter einen Dienstwagen im Wert von 60.000 Euro zur Verfügung gestellt, den dieser auch für private Fahrten nutzen durfte. Diese Privatnutzung wurde auch ordnungsgemäß nach der 1-%-Regel besteuert.

Allerdings legte der Arbeitnehmer die Entfernung von 118 Kilometern zwischen seiner Wohnung und der Arbeitsstätte bis auf eine kurze Strecke von 4 Kilometern nicht mit dem Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.

Dies konnte der Fahrer auch durch die Vorlage seiner Jahreskarte beweisen. Und so gingen der Mann und sein Arbeitgeber davon aus, dass der üblicherweise zu entrichtende Obolus von 0,03 % des Listenpreises pro Kilometer nach § 8 Abs. 2 Satz 3 des Einkommenssteuergesetzes (EStG) nicht zu entrichten sei.

Allerdings staunten die beiden nicht schlecht, als im Rahmen einer Lohnsteueraußenprüfung der Prüfer genau diesen Zuschlag nachträglich für die gesamte Strecke nachforderte. Diese Forderung begründete er mit oben genanntem Paragrafen sowie mit der von den Finanzbehörden vertretenen Verwaltungsauffassung (H 8.1. (9-10) LStH). Der Beamte machte dabei folgende Rechnung auf:

50.000 € x 0,03 % x 118 km x 12 Monate 25.488 €
davon Abzug der Entfernungspauschale =
180 Tage x 118 km x 0,30 €
6.372 €
zusätzlich zu versteuernder geldwerter Vorteil 19.116 €


Natürlich wollte der Fahrer diese erhebliche Nachforderung nicht einfach akzeptieren und erhob Einwände. Doch alles, was er erntete, war ein Verweis, er könne ja zukünftig nach der Fahrtenbuchmethode arbeiten, da würde er sicherlich einiges sparen. Für den vergangenen Zeitraum könne er in Ermangelung eines ordentlich geführten Fahrtenbuchs diese Alternative nicht mehr wählen, sondern müsse die Nachforderung akzeptieren.

Ob dieser lapidaren Antwort leicht brüskiert, erhob der Dienstwagenfahrer gegen diesen Bescheid des Fiskus Einspruch. Doch den schmetterte das Finanzamt ab, und so landete der Fall nach mehreren Gerichtsinstanzen schlussendlich vor dem Bundesfinanzhof (BFH).

Nach Ansicht des BFH zählen nur tatsächlich zurückgelegte Kilometer

Vor dem höchsten deutschen Finanzgericht erlebten die Finanzbeamten dann ihr blaues Wunder, denn die Richter korrigierten nicht nur die Urteile der Vorinstanzen, sondern revidierten auch die bisher angewendete Verwaltungsauffassung der Finanzbehörden. Die Richter gaben nämlich der Auffassung des Dienstwagenfahrers Recht, der davon ausging, dass nur die tatsächlich mit dem Dienstfahrzeug zurückgelegten Kilometer des Wegs zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Anrechnung gestellt werden dürfen.

Zwar gaben die Richter dem Fiskus Recht, wenn er normalerweise davon ausgeht, dass in der Regel die gesamte Entfernung mit einem Dienstfahrzeug zurückgelegt wird. Allerdings könnten es die Beamten nicht ignorieren, wenn ein Dienstwagenfahrer glaubhaft belegen kann, dass er einen Teil der Strecke beispielsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt. Dazu genügt nach Ansicht der Richter die Vorlage einer Jahreskarte für beliebige öffentliche Verkehrsmittel.

Allein die Möglichkeit der Fahrt mit dem Dienstwagen reicht nunmehr nicht aus, um eine Forderung des Fiskus zu rechtfertigen. Auch untersagten die Richter den Finanzämtern, in solchen Fällen die Führung eines Fahrtenbuchs anzuordnen, mit dem Argument einer unzumutbaren Härte.

Fazit: In diesem Fall musste der Mann sich nur die kurze Strecke von 4 Kilometern und die vom Arbeitgeber gestellte Jahreskarte als geldwerten Vorteil anrechnen lassen, was er in der Vergangenheit auch immer brav gemacht hatte. Darüber hinaus gestanden ihm die Richter zu, die Werbungskostenpauschale für den gesamten Arbeitsweg von 118 Kilometern gegenüber dem Finanzamt geltend zu machen. (BFH, Urteil vom 4.4.2008, Az. VI R 68/05)

Tipp: Mit diesem Urteil gehört die bisher von Experten und auch den Finanzämtern vertretene und immer angewendete Rechtsauffassung, alle Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz seien pauschal zu versteuern, der Vergangenheit an. Versucht Ihr Finanzamt, sich auf die besagte Verwaltungsauffassung zu berufen, dann zögern Sie nicht, den Klageweg zu beschreiten.

Auch bei einer festen Arbeitsstelle kann der Fiskus nicht immer pauschal abrechnen

Auch in einem zweiten Fall wiesen die Richter des BFH die Finanzämter in ihre Schranken. Hierbei ging es um einen Außendienstmitarbeiter, der einen Dienstwagen im Wert von 50.000 Euro von seinem Arbeitgeber gestellt bekam, den er auch für Privatfahrten nutzen durfte.

Der Mann besuchte seine Kunden die Woche über regelmäßig von seiner Wohnung aus und fuhr normalerweise nur einmal die Woche von der Wohnung zum 50 Kilometer entfernten Firmensitz. Daher rechnete sein Arbeitgeber auch nur nach der 1-%-Regel ab und ließ die normalerweise anfallenden 0,03 % für die Fahrten zwischen Wohnung und Firmensitz unberücksichtigt. Doch auch hier monierte der Finanzbeamte bei einer Lohnsteuerprüfung das angewendete Verfahren und machte folgende Rechnung auf:

50.000 € x 0,03 % x 50 km x 12 Monate 9.000 €
davon Abzug der Entfernungspauschale =
45 Tage (da nur 1-mal pro Woche) x 50 km x 0,30 €
675 €
zusätzlich zu versteuernder geldwerter Vorteil 8.325 €


Auch hier wehrte sich der Betroffene und zog nach einem abgeschmetterten Einspruch durch die Instanzen, bis der Fall vor dem BFH anhängig wurde. Die Richter bejahten hier grundsätzlich die Ansicht der Finanzbehörden, dass auch eine nur einmal pro Woche angefahrene Arbeitsstätte mit 0,03 % des Fahrzeugwerts multipliziert mit den Entfernungskilometern in Anrechnung zu bringen sei.

Allerdings könne die Berechnung in solchen Fällen nicht wie üblich erfolgen, da hier die Zuschlagsberechnung pauschal von 15 Fahrten pro Monat ausgehe. Dies sei aber im vorliegenden Fall nachweislich nicht so, und deswegen müsse die Berechnung gemäß § 8 Abs. 2 Satz 5 EStG nach der Einzelbesteuerungsmethode wie im Rahmen der doppelten Haushaltsführung mit 0,002 % pro Entfernungskilometer folgendermaßen aussehen:

50.000 € x 0,0002 % x 50 km x 45 Tage 22.250 €
davon Abzug der Entfernungspauschale =
45 Tage x 50 km x 0,30 €
675 €
zusätzlich zu versteuernder geldwerter Vorteil 1.575 €


Auch in diesem Fall zeigt sich klar, dass es durchaus sinnvoll sein kann, gegen Forderungen der Finanzbehörden vorzugehen - prüfen Sie also die Fakten und erheben Sie ggf. Einspruch. (BFH, Urteil vom 4.4.2008, Az. VI R 85/04)

Logistik & Export aktuell

Praxis-Informationen für Logistiker und exportierende Unternehmen zu Lagerverwaltung, Exportkontrolle, Haftung, zum richtigen Umgang mit Ihrem Personal und zur Senkung von Treibstoffkosten.

Datenschutz

Anzeige

Produktempfehlungen

Bewährtes Praxis-Knowhow für Logistikprofis

Verantwortung übernehmen | Betriebskosten senken | Sicherheit schaffen

Nutzen Sie jetzt die besten Praxistipps für Ihren Erfolg in der Transport- und Logistikwelt.

Bewährtes Praxis-Knowhow für Logistikprofis

Verantwortung übernehmen | Betriebskosten senken | Sicherheit schaffen