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Rückspannungen – Wie Sie die drohende Gefahr beherrschen

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Von Günter Stein,

Immer wieder kommt es zu gefährlichen Unfällen durch Rückspannungen in elektrischen Anlagen. Würden alle vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten, könnte dies zwar nicht geschehen, aber im Eifer des Gefechts werden leider die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik immer wieder außer Acht gelassen:

 

 

  1. freischalten
  2. gegen Wiedereinschalten sichern
  3. Spannungsfreiheit feststellen
  4. erden und kurzschließen
  5. benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Hinweis:
Bei Umfragen stellt sich immer wieder heraus, dass der Wissensstand bezüglich des 4. Punktes häufig nicht ausreichend ist. Die Reihenfolge ist enorm wichtig: Sie müssen zunächst erden und dann kurzschließen. Wenn Sie Ihre Hinweisschilder selbst fertigen, machen Sie diesen Sachverhalt deutlich.
Da die Gefahr hauptsächlich von der Versorgungsseite her vermutet wird, beschränken sich viele Elektriker auf die ersten beiden Regeln. „Wenn die Anlage vom Netz getrennt und gegen Wiedereinschalten gesichert ist, kann ja nichts mehr passieren!“ Leider ist diese Meinung so falsch wie gefährlich. Auch die Norm begünstigt leider dieses Vorgehen, denn sie fordert den 4. Schritt erst bei Anlagen, die mit Spannungen von über 1.000 V betrieben werden.

Besonders tückisch: verzögerte Rückspannungen!

Tritt die Rückspannung erst mit einer gewissen Verzögerung auf, so bietet auch das Feststellen der Spannungsfreiheit keine absolute Sicherheit. In diesem Fall könnte sogar die Erdung bzw. das Kurzschließen eine Gefahr bedeuten, wenn sich die Rückspannung kurz vorher aufbaut. Dann wäre evetuelll ein Lichtbogen die Folge.
Eine verzögerte Rückspannung kann z. B. dadurch entstehen, dass ein abgeschalteter Motor zunächst stehen bleibt, durch eine Last aber wieder in Bewegung gerät und so als Generator fungiert. Auch sich langsam aufbauende Spannungen, die durch Induktion entstehen, können zu verzögerten Rückspannungen führen.
Vorsicht!
Auch wenn es sich um Spannungen von weniger als 50 V handelt, kann sich der Monteur beim Berühren erschrecken und sich dadurch ernsthaft verletzen.

 

Mit diesen Maßnahmen haben Sie die Gefahr im Griff

1. Maßnahme: Ermitteln Sie alle Bereiche, in denen Rückspannungen auftreten können

Allgemein tritt dieses Phänomen immer dann auf, wenn sich eine Spannungsquelle im freigeschalteten Leitungsbereich befindet. Mögliche Quellen können sein:

  • Motoren, die nachlaufen oder durch eine fremde träge Masse ihren Bewegungsablauf aufrechterhalten
  • hohe Kapazitäten (Kondensatorbänke)
  • hohe Induktivitäten (große Transformatoren)
  • Induktion durch stromführende benachbarte Leitungen oder Anlagenteile
  • chemische Prozesse
  • unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV)
  • Notstromaggregate
  • Photovoltaikanlagen
  • Schaltungselemente, die über eine Fremdspeisung versorgt werden (müssen)

Hinweis:
Bei den ersten 5 Ursachen haben Sie es tatsächlich mit Rückspannungen zu tun, in den letzten 4 Situationen sprechen wir von Fremdspannung.
Am besten führen Sie diese Maßnahme mithilfe Ihrer Anlagendokumentation durch. Dort können Sie den Weg von der Quelle bis zu den Einspeisungen verfolgen.

2. Maßnahme: Machen Sie die Bereiche kenntlich

Markieren Sie in den Verteilungen alle Leitungen, über die eine Rück- oder Fremdspannung auftreten kann, mit Klebeetiketten. Diese gibt es fertig im Handel zu kaufen. Außerdem müssen Sie auch in Ihrer Anlagendokumentation die entsprechenden Leitungen kenntlich machen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Rück- und Fremdspannung. Eine Rückspannung baut sich langsam ab bzw. lässt sich durch Erden und Kurzschließen eliminieren. Bei einer Fremdspannung dürfen diese Maßnahmen auf keinen Fall durchgeführt werden. Hier müssen die betreffenden Leitungen abgedeckt werden, sodass ein Berühren sicher ausgeschlossen werden kann.
Falls es die Betriebssituation erlaubt, sind die Quellen der Fremdspannung für die Dauer der Arbeiten außer Betrieb zu nehmen. Zumindest sollten die Leitungen, die in den Arbeitsbereich führen, freigeschaltet werden. Abgangstrennschalter erleichtern diese Aufgabe.

3. Maßnahme: Installieren Sie feste Spannungsmelder

Die Gefahr der verzögerten Rückspannungen bekommen Sie am besten mit fest installierten Spannungsmeldern in den Griff. Solange die Leitungen spannungsfrei sind, kann der Monteur sie ordnungsgemäß erden und kurzschließen. Die Rückspannung wird gefahrlos nach Erde abgeleitet.

4. Maßnahme: Feste Kurzschluss- und Erdungssysteme

Kommt es häufig vor, dass Sie an Leitungen mit Rückspannungen arbeiten müssen, lohnt sich eine fest installierte Schaltung für das Kurzschließen und Erden. Dabei fällt beim Abschalten der Hauptversorgung ein Schütz ab, das im inaktiven Zustand die Außenleiter der betreffenden Leitung kurzschließt und gleichzeitig mit Erde verbindet.

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