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Prüfen Sie Ladungssicherungssysteme stets auf ihre Tauglichkeit!

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Ladungssicherung
Urheber: DOC RABE Media | Fotolia

Von Dagmar Wäscher ,

Ladung muss immer ausreichend gesichert sein; das ist keine Frage. Die Fahrzeughersteller bieten gerade für Kombi-Fahrzeuge und Transporter speziell auf die einzelnen Fahrzeuge angepasste Systeme an, die eine korrekte Ladungssicherung wie ein Kinderspiel erscheinen lassen.

Doch Vorsicht: Oft entsprechen die vollmundig in Prospekten angepriesenen Einrichtungen nicht den einschlägigen DIN-Normen. Im Zweifelsfall müssen Sie und Ihre Fahrer sich dann vorwerfen lassen, die Ladungssicherung vernachlässigt zu haben. Um das zu vermeiden, sollten Sie auf einige Punkte achten, bevor Sie vorschnell ordern.

Als Fahrzeugverantwortlicher haben Sie Ihren Fahrern taugliche Einrichtungen zur Ladungssicherung zur Verfügung zu stellen. Und mit dieser Verpflichtung meint es der Gesetzgeber richtig ernst. Kommt es nämlich zu einem Unfall, bei dem sich die Ladung selbstständig macht und dabei jemanden verletzt, haften Sie persönlich für den Schaden, wenn Sie es versäumt haben, ebendiese vorgeschriebenen Sicherungssysteme zur Verfügung zu stellen. Gleiches gilt übrigens auch dann, wenn Sie die Fahrer nicht im korrekten Umgang mit diesen Systemen schulen.

Nun bieten die Autohersteller gerade bei Kombis und Transportern Ladungsicherungssysteme wie z. B. Gitter oder Netze an, die im Fahrzeug verankert werden. Doch Hand aufs Herz: Haben Sie beim Prospektstudium jemals einen konkreten Hinweis auf die einschlägigen Sicherheitsnormen gefunden? Wenn ja, haben Sie wahrlich einen Glückstreffer gelandet, denn meist werden Sie schlicht keine genauen Angaben dazu finden.

Auch werden Sie wenig Konkretes zu hören bekommen, wenn Sie explizit bei Händlern und Herstellern nachfragen, wie es um die Normeinhaltung der angebotenen Sicherungssysteme steht. Häufig stoßen Sie auf blankes Unwissen oder bekommen den Bescheid, dass die angebotenen Systeme die einschlägigen Normen schlicht nicht erfüllen.

Beachten Sie diese Vorschriften zu Ladungssicherungssystemen!

Grundsätzlich gelten in der Europäischen Union Pkws, Pkw-Kombis, Kleintransporter und auch Kastenwagen dann als Fahrzeuge der Kategorie M, wenn die Sitze unmittelbar an den Laderaum angrenzen. Und für die gilt die Norm DIN ISO 27955:2012-01, die genau bestimmt, wie die Ladung in solchen Straßenfahrzeugen zu sichern ist. Die Norm legt die Mindestanforderungen bei den Prüfungen, die Ladungssicherungseinrichtungen und auch die Stabilität der Sitze genau fest, um Verletzungen der Insassen durch Ladung auszuschließen.

Darüber hinaus muss bei solchen Fahrzeugen die Unfallverhütungsvorschrift „Fahrzeuge“ der BGV D29 erfüllt sein. Unter anderem steht hier geschrieben, dass die jeweils den Laderaum begrenzende hintere Sitzreihe ausreichend abzusichern ist – und zwar so, dass Ladung nicht oberhalb der Rückenlehnen in den Fahrgastraum eindringen kann.

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Die hierfür verwendeten Sicherungssysteme wie Gitter müssen nach dieser Vorschrift so ausgelegt sein, dass sie bei einem Frontalaufprall auf ein fest stehendes Hindernis mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h einen Prüfkörper mit einer Masse von 10 kg und den Maßen 350 x 125 mm sicher zurückhalten können. Dabei darf sich der Prüfkörper maximal 300 mm bewegen.

Und das ist bei keinem der angebotenen Gitter oder Netze der Fall, denn diese sollen nur verhindern, dass Gegenstände in den Fahrgastraum eindringen. Damit sind diese Systeme in keinem Fall zur Ladungssicherung geeignet.

Achtung: Laut DIN sind Gitter und Netze, die sich hinter den Sitzreihen befinden, nicht zur Ladungssicherung geeignet!

Fahrzeughersteller machen es sich bei diesen Systemen recht einfach. Besagte DIN gilt nämlich nur für Fahrzeuge, die im gewerblichen Einsatz sind; für Rückhaltesysteme in privat genutzten Fahrzeugen hat sie keinerlei Bedeutung. Und weil die Hersteller ihre angebotenen Systeme selbstverständlich eher als Rückhaltevorrichtungen für leichtes Gepäck oder Tiere verstanden wissen wollen, glauben sie, sich entsprechende Hinweise sparen zu können.

Tipp: Gehen Sie grundsätzlich erst einmal davon aus, dass die von den Herstellern angebotenen Gurte und Gitter nicht die einschlägigen Normen erfüllen. Gibt ein Hersteller an, sein System würde der Norm entsprechen, dann lassen Sie sich das am besten schriftlich bestätigen.

So sind Sie bei Ladungssicherungssystemen auf der sicheren Seite

Wenn Sie einen Blick in unseren Kasten zur Rechtslage bei Ladungssicherungssystemen geworfen haben, haben Sie im Prinzip recht, wenn Sie davon ausgehen, dass die Ladungssicherungseinrichtungen der Hersteller den einschlägigen Normen entsprechen sollten. Doch wie heißt es so schön: Recht haben heißt nicht immer recht bekommen. Deshalb sollten Sie vor der Anschaffung und Installation solcher Systeme stets Folgendes tun:

  • Wollen Sie ein System des Fahrzeugherstellers verwenden, so lassen Sie sich die Normgerechtigkeit schriftlich bestätigen. Auch wenn Sie wissen, dass die angebotenen Systeme der Hersteller nicht der DIN entsprechen, richten Sie eine schriftliche Anfrage sowohl an den Hersteller als auch den Händler. Denn so dokumentieren Sie, dass solche Einrichtungen gefragt sind.
  • Lassen Sie regelmäßig die Sicherheitsüberprüfung bei Ihren Fahrzeugen durchführen.
  • Verwenden Sie für die Kennzeichnung des nächsten Termins zur Sicherheitsüberprüfung immer gut sichtbare Plaketten.
  • Wollen Sie andere Systeme einsetzen, so beauftragen Sie immer eine darauf spezialisierte Werkstatt mit der Installation. Stellen Sie Ihren Fahrern neben diesen Rückhaltesystemen auch andere Materialien zur Ladungssicherung zur Verfügung. Denn nur wenn sich die Ladung im Laderaum nicht bewegen kann, fliegt sie auch nicht herum.
  • Schulen Sie alle Fahrer regelmäßig im richtigen Umgang mit den zur Verfügung gestellten Sicherungsmaterialien.
  • Halten Sie Ihre Fahrer dazu an, die Sicherungseinrichtungen im Fahrzeug auf jeden Fall zu benutzen. Machen Sie hierzu Stichproben.
  • Halten Sie festgestellte Mängel bei der Ladungssicherung immer schriftlich fest. Greifen Sie im Wiederholungsfall zur Abmahnung beziehungsweise zur Kündigung bei ermahnungsresistenten Fahrern. Halten Sie alle Fahrer dazu an, Mängel an den Ladungssicherungseinrichtungen sofort an Sie zu melden. Das sollte in jedem Fahrzeugüberlassungsvertrag und jeder Dienstwagenordnung schriftlich fixiert sein!
  • Veranlassen Sie nach einer Mängelmeldung die umgehende Reparatur in einer Fachwerkstatt.

So sieht die Rechtslage bei Rückhaltevorrichtungen aus

Eigentlich ist die Rechtslage zu solchen Rückhaltesystemen recht eindeutig. Im Bundesgesetzblatt vom 3. Februar 2007 findet sich ein Verzeichnis aller Normen und technischen Spezifikationen nach dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) zur Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen. Das bedeutet, dass Hersteller, die die hier genannten Normen erfüllen, davon ausgehen können, dass ihre Systeme die grundsätzlichen Anforderungen an die Sicherheit und die Gesundheit erfüllen.

Das heißt aber auch nichts anderes, als dass Anbieter von nicht DIN-geprüften Systemen nach dem Produktsicherheitsgesetz für durch ihre Systeme verursachte Schäden geradestehen müssen.

Tipp: Berufen Sie sich in der Praxis lieber nicht auf die oben genannte Tatsache. Denn die Hersteller werden sich im Zweifelsfall bis in die letzte Instanz gegen eventuelle Regressansprüche wehren. Und Sie werden sicherlich nur wenig Lust verspüren, diesen langen Weg durch die Instanzen zu beschreiten. Das ist erstens sehr zeitaufwendig und zweitens ein recht teurer Spaß.

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