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Keine Betriebsprüfung ist wie die andere. Vor allem, wenn Sie bislang noch keine mitgemacht haben, sind anfangs viele Fragen offen. In diesem...

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Betriebsprüfung
Urheber: Jamrooferpix | Fotolia

Von Markus Kahr,

Personal ist teuer und soll optimal eingesetzt werden. Dies gilt nicht nur für Ihr Unternehmen, sondern auch für die Finanzverwaltung. Die Prüfer werden zu den Betrieben geschickt, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die vorgelegten Jahresabschlüsse nicht schlüssig sind.

Ein Indikator, dies herauszufinden, ist die Richtsatzsammlung. Mittels dieser werden Betriebe derselben Branche bundesweit miteinander verglichen. Zu diesem Zweck werden die Betriebsprüfungsergebnisse der jeweiligen Branchen (z. B. Kfz-Reparaturwerkstatt) gesammelt und ausgewertet. Die so gewonnenen Erkenntnisse fließen dann in die Richtsatzsammlung ein. Liegen die Kennzahlen Ihres Betriebs innerhalb dieser Grenzen, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Betriebsprüfung, andersherum steigt sie. Das Bundesfinanzministerium hat die Richtsatzsammlung 2015 mit Schreiben vom 28.7.2016, Az. IV A 4 – S 1544/09/10001-08, DOK 2016/0681382, veröffentlicht.

Die Finanzverwaltung wertet Betriebsprüfungen regelmäßig aus

Die Daten der Richtsatzsammlung basieren auf den Ergebnissen tatsächlich durchgeführter Prüfungen. Da diese immer nur Sachverhalte der Vergangenheit betreffen, kann es für das laufende Jahr 2016 noch keine Richtsatzsammlung geben. Die Schwankungen über die einzelnen Jahre sind in aller Regel gering. Daher können Sie Ihre aktuellen Zahlen des Jahres 2016 mit denen aus der Richtsatzsammlung 2015 überprüfen. Liegen sie innerhalb der Grenzen, ist alles in Ordnung. Sollten Ihre Betriebsdaten stark abweichen, sollten Sie im Eigeninteresse die Ursachen prüfen. Besonders kritisch ist es, wenn Sie unterhalb der Richtsätze liegen. Für diese Ausreißer interessiert sich der Fiskus besonders, Sie können dann fast schon einen Raum für den Prüfer reservieren. Liegen Ihre Zahlen jedoch in den nachfolgend geschilderten Bereichen, ist alles gut.

Der Normalbetrieb wird abgebildet

Die Richtsatzsammlung bildet dabei den sogenannten Normalbetrieb ab. Hierunter versteht die Finanzverwaltung ein Einzelunternehmen, das seinen Gewinn im Rahmen einer Bilanz ermittelt. Wenn Ihr Unternehmen in der Rechtsform einer Personen- oder Kapitalgesellschaften betrieben wird, ist die Richtsatzsammlung ebenfalls anwendbar. Die Richtsatzsammlung ist allerdings nicht für Großbetriebe relevant, da diese mit einem Einzelunternehmen nicht mehr verglichen werden können.

Liegen Ihre Zahlen innerhalb der Richtsätze?

Wichtig ist, dass Ihre Betriebszahlen innerhalb der Richtwerte liegen und weder nach oben noch nach unten ausreißen. Der Fiskus interessiert sich nämlich immer besonders für diese sogenannten Ausreißerfälle.

Einteilung der Betriebe in Größenklassen

Die Einteilung aller Betriebe in Größenklassen erfolgt durch den Fiskus alle 3 bis 4 Jahre. Für den aktuellen Prüfungsturnus erfolgte die Größenklasseneinteilung letztmalig zum 1.1.2016.

Die Richtsatzsammlung ist kein Allheilmittel

Die Werte aus der Richtsatzsammlung sind Hilfsmittel der Finanzverwaltung, um Ihre Umsätze und Gewinne mit anderen Unternehmen in Ihrer Branche zu vergleichen und Auffälligkeiten festzustellen. Sollte Ihre Buchführung so fehlerhaft sein, dass dem Finanzamt die Schätzbefugnis zusteht, dürfen Hinzuschätzungen auf der Grundlage dieser Richtsatzsammlung erfolgen, sofern nicht individuell kalkuliert wird. Die Buchführung ist z. B. in diesen Fällen fehlerhaft: Die Barkasse enthält grobe Fehler, Einnahmen sind nicht gebucht worden, Ware wurde schwarz ein- und verkauft.

Stellt der Betriebsprüfer im Rahmen seiner Prüfung fest, dass Ihre Betriebsergebnisse von der Richtsatzsammlung abweichen, darf er allerdings zunächst nicht von Ihren Zahlen abweichen und Hinzuschätzungen vornehmen. Es müssen darüber hinaus schwere Mängel oder gar Fehler in Ihrer Buchführung auftreten, damit dem Finanzamt letztendlich eine Schätzbefugnis zusteht.

Das bedeuten die Zahlen konkret

Richtsätze werden in %-Sätzen des wirtschaftlichen Umsatzes für den

  • Rohgewinn I (Spalte 4) bei Handelsbetrieben,
  • Rohgewinn II (Spalte 5) bei Handwerks- und gemischten Betrieben (Handwerk mit Handel) sowie für den
  • Halbreingewinn (Spalte 6) und den Reingewinn (Spalte 7) ermittelt. Bei Handelsbetrieben wird zusätzlich auch der Rohgewinnaufschlagsatz angegeben (Spalte 3 der Richtsätze für die einzelnen Gewerbeklassen). Für Handwerks- und gemischte Betriebe ist auch ein durchschnittlicher Rohgewinn I in Spalte 4 der Richtsatzsammlung verzeichnet, der als Anhaltspunkt für den Waren- und Materialeinsatz dienen soll.

So sind Sie mit der Finanzverwaltung auf Augenhöhe

Als Steuerverantwortlicher wird es Sie sicherlich interessieren, wie sich Ihr Unternehmen im Verhältnis zu Mitbewerbern präsentiert. Nutzen Sie die Informationsquelle, die Ihnen der Fiskus mit der Richtsatzsammlung kostenlos bietet, um Ihr Ranking selbst zutreffend einzuschätzen. Versetzen Sie sich doch einmal in die Rolle des Betriebsprüfers und ermitteln Sie Ihre eigenen Betriebskennzahlen. Im Vergleich zwischen den betrieblichen Daten und der Richtsatzsammlung wird deutlich, dass nahezu alle Kennzahlen dieses Betriebs über denen der Richtsatzsammlung liegen. Die Kenndaten der M-GmbH sind unauffällig und der Fiskus wird sich aufgrund der Richtsatzsammlung vermutlich nicht weiter für das Unternehmen interessieren.

Was passiert, wenn Sie unterhalb der Richtsätze liegen?

Wenn die Kennzahlen Ihres Betriebs unterhalb der Richtsätze Ihrer Vergleichsbetriebe liegen, wird sich auch die Finanzverwaltung fragen, warum dies der Fall ist. Oftmals schrillen im Finanzamt die Alarmglocken, wenn der Rohgewinnaufschlag nicht erreicht wird.

Beispiel

Ein befreundeter Betriebsprüfer berichtete mir, dass sich aus den Geschäftszahlen einer Eisdiele ein Rohgewinnaufschlag von rund 150 % ergab. Die Richtsatzsammlung 2015 geht von einem mittleren Rohgewinnaufschlag von 335 % (die Spanne liegt zwischen 233 und 488 %) bei Eisdielen aus. Auf den ersten Blick wird deutlich, dass das Betriebsergebnis nicht passen kann.

Hier wurde eine Betriebsprüfung durchgeführt und festgestellt, dass erhebliche Bareinnahmen nicht im Kassenbuch erfasst worden waren.

Keine Kunden, schlechter Sommer – oder welche Ausrede zählt?

Natürlich ist die Richtsatzsammlung kein Allheilmittel. Sie soll dazu dienen, Besonderheiten aufzudecken. Der lapidare Hinweis eines Gemüsehändlers, dass er viel wegschmeißen musste, weil seine Kunden nichts kauften, konnte schnell entkräftet werden. Wenn die Kunden ausbleiben, weil es zu heiß oder zu nass ist, wird jeder Kaufmann den Einkauf verderblicher Waren sofort mindern. Nur wenn der Einkauf gleich hoch bleibt, wird dies eine Auswirkung auf den Rohgewinnaufschlag haben. So war es auch hier, der Händler erfasste nur einen Teil der Einnahmen in seinen Kassenberichten.

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Es gibt auch positive Beispiele

Auch wenn die Eisdielen immer wieder für Steuerbetrug herhalten müssen, so ist mir auch ein Fall bekannt, bei dem Rohgewinnaufschläge von deutlich mehr als 500 % erklärt wurden. Damit liegt der Betrieb deutlich über den Richtsätzen.

Aber auch hier ist die Erklärung relativ einfach: Nach einer vor Jahren erfolgten Steuerfahndungsprüfung hat der Inhaber dazugelernt und kommt seinen steuerlichen Pflichten umfassend nach. Nach meinem Kenntnisstand hat es auch nie wieder Probleme mit dem Finanzamt gegeben.

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