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Darf Ihr Mitarbeiter einen ihm überlassenen Firmenwagen auch für private Fahrten nutzen, entsteht ein geldwerter Vorteil. In der Praxis stehen Ihnen...

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In diesen Fällen entfällt die Besteuerung nach der 1­%­Methode

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Firmenwagen
Urheber: vege | Fotolia

Von Markus Kahr,

Stellen Sie Ihren Mitarbeitern einen Firmenwagen auch für private Fahrten zur Verfügung, besteuern Sie den geldwerten Vorteil in aller Regel im Rahmen der 1­%­Methode. Aber ist der geldwerte Vorteil auch dann anzusetzen, wenn Ihr Mitarbeiter fahruntüchtig ist? Diese Frage haben die Finanzrichter des FG Düsseldorf mit Urteil vom 24.1.2017, Az. 10 K 1932/16 E, entschieden.

Mitarbeiter war mit einem Hirnschlag fahruntüchtig

Im Urteilsfall wurde einem Arbeitnehmer ein Firmenwagen zur Verfügung gestellt, den er auch privat nutzen durfte. Der hierin liegende geldwerte Vorteil wurde für das Streitjahr 2014 zunächst nach der 1-%-Regelung mit 433 €/Monat versteuert.

Der Mitarbeiter beantragte im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung, dass der Arbeitslohn um 2.165 € (5 Monate à 433 €) zu mindern sei, da er den Firmenwagen aufgrund eines am 24.2.2014 erlittenen Hirnschlags für 5 Monate nicht habe nutzen dürfen.

Das ärztliche Fahrverbot sei erst am 29.7.2014 durch eine Fahrschule aufgehoben worden. Für die Zeit des Fahrverbotes sei ihm kein Vorteil entstanden. Auch sei das Fahrzeug nicht von Dritten genutzt worden.

So begründen die Richter ihr Urteil

  • Für die Monate März bis Juni 2014 ist kein Nutzungsvorteil des Klägers zu erfassen.
  • Zwar hat der BFH mit Urteil vom 21.3.2013, Az. VI R 26/10, entschieden, dass es nicht darauf ankomme, ob der Firmenwagen tatsächlich privat genutzt wird. Es reicht für die Besteuerung des geldwerten Vorteils aus, dass der Wagen für private Fahrten zur Verfügung steht. Damit ist jedoch ein anderer Sachverhalt gemeint, der auf den Urteilsfall des Finanzgerichts Düsseldorf nicht angewandt werden kann. Nicht gemeint sind dagegen Situationen, in denen „der Mitarbeiter zur privaten Nutzung des betrieblichen Fahrzeugs nicht (länger) befugt ist“.
  • Vorliegend lässt sich bis zum 29.7.2014 nicht mit Sicherheit ausschließen, dass der Mitarbeiter aufgrund der Folgen des Hirnschlags fahruntüchtig gewesen ist. Dies hat zur Folge, dass er den Firmenwagen nach der diesbezüglichen vertraglichen Vereinbarung mit seinem Arbeitgeber bis dahin auch nicht nutzen durfte, und zwar weder für berufliche noch für private Zwecke.
  • Die Befugnis des Mitarbeiters, den Wagen zu nutzen, ist vollständig entfallen. Dritte sind zur privaten Nutzung ebenfalls nicht befugt gewesen. Auch ist nicht ersichtlich, dass eine vertragswidrige Nutzung stattgefunden hat.

Für 2 Monate ist ein Nutzungsvorteil zu versteuern

Für die Monate Februar und Juli war dagegen nach Auffassung der Richter ein Nutzungsvorteil zu erfassen, weil der Arbeitnehmer den Firmenwagen vor dem Hirnschlag und nach der bestätigten Genesung uneingeschränkt nutzen konnte. Eine zeitanteilige Aufteilung innerhalb eines Monats kommt nach der herrschenden Meinung nicht in Betracht.

So können Sie den Ansatz des geldwerten Vorteils vermeiden

Der Ansatz des geldwerten Vorteils für Juli hätte ganz einfach vermieden werden können: Der Pkw hätte noch 4 Tage auf dem Gelände des Arbeitgebers stehen müssen. Somit wäre dokumentiert worden, dass der Wagen nicht hätte genutzt werden können. Damit wäre der geldwerte Vorteil um 433 € niedriger ausgefallen.

Diese Ausnahmen vom Ansatz der vollen Monatsbeträge sollten Sie kennen

Bei der 1-%-Methode sind stets die vollen Monatsbeträge anzusetzen, ohne Rücksicht darauf, wie oft der Arbeitnehmer den Firmenwagen in dem betreffenden Monat zu reinen Privatfahrten benutzt hat.

Der Monatswert wird deshalb auch dann nicht auf Tage (1/30) umgerechnet, wenn die private Nutzung im Laufe des Monats beginnt oder endet. Außerdem führt das Abstellen auf die bloße „Möglichkeit“ einer privaten Nutzung auch dann zum Ansatz des Durchschnittswerts von monatlich 1 % des Bruttolistenpreises, wenn der Arbeitnehmer in irgendeinem Monat das Firmenfahrzeug nur an einigen Tagen oder überhaupt nicht für Privatfahrten nutzt.

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In diesen Fällen entfällt der Ansatz eines geldwerten Vorteils

Durch bundeseinheitliche Verwaltungsanweisung ist deshalb zugelassen worden, dass die Monatsbeträge für diejenigen vollen Kalendermonate nicht angesetzt werden müssen, in denen Ihrem Arbeitnehmer das Firmen- oder Dienstfahrzeug nicht zur Verfügung steht. Hierunter fallen z. B. folgende Fälle, in denen Ihr Arbeitnehmer den Pkw nachweislich während eines vollen Kalendermonats weder zu Privatfahrten noch zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte nutzen kann, weil er z. B.

  • im Urlaub,
  • krank,
  • auf einer Fortbildungsveranstaltung oder
  • ins Ausland abgeordnet war.

So weisen Sie die Nichtnutzung nach

Wird das Firmenfahrzeug während dieser Zeit auf dem Betriebsgelände abgestellt und der Schlüssel abgegeben, sollten sich bezüglich des Nachweises keine Probleme ergeben (z. B. durch schriftliche Quittierung der Schlüsselübergabe).

Wenn das Fahrzeug bei Ihrem Mitarbeiter abgestellt wird

Wird das Firmenfahrzeug während dieser Zeit nicht auf Ihrem Betriebsgelände abgestellt, entfällt zwar der geldwerte Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, weil diese nachweislich nicht anfallen.

Aber weitere private Fahrten könnten dann beispielsweise durch Familienangehörige durchgeführt werden.

Fahrzeug darf einen vollen Kalendermonat nicht genutzt werden


Der Ansatz eines geldwerten Vorteils sowohl

  1. für die reinen Privatfahrten als auch
  2. für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte entfällt also zweifelsfrei nur dann,
  3. wenn der Firmenwagen für einen vollen Kalendermonat auf dem Betriebsgelände abgestellt und der Schlüssel abgegeben wird.

Empfehlung: Zur Vermeidung von Streitigkeiten mit der Finanzverwaltung im Fall einer Prüfung sollte jedoch auch in diesen Fällen eine Vereinbarung zwischen Ihnen als Arbeitgeber und Ihrem Arbeitnehmer getroffen werden, dass Ihr Mitarbeiter in dieser Zeit nicht zur Privatnutzung des Fahrzeugs befugt ist.

Besonderer Ansatz, wenn Ihr Arbeitnehmer das Fahrzeug nur gelegentlich privat nutzen darf

Weiterhin entfällt der monatliche Ansatz eines geldwerten Vorteils, wenn Ihrem Arbeitnehmer das Kraftfahrzeug aus besonderem Anlass oder zu einem besonderen Zweck nur gelegentlich (von Fall zu Fall) im Kalendermonat überlassen wird. Hierunter fällt eine Nutzung von nicht mehr als an 5 Kalendertagen. In diesem Fall führen Sie eine Einzelbewertung durch. Sie setzen für Privatfahrten und/oder zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte je Fahrtkilometer 0,001 % des Bruttolistenpreises des Kraftfahrzeugs als geldwerten Vorteil an.

Beispiel: Ihr Mitarbeiter hat nach seinem Arbeitsvertrag keinen Anspruch auf die Nutzung eines Firmenwagens. Sie überlassen ihm jedoch von Fall zu Fall einen Firmenwagen für private Fahrten. Die privat gefahrenen Kilometer erfassen Sie. Der Firmenwagen wurde z. B. im April dieses Jahres für 4 Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (einfache Entfernung 20 km) und an 2 Tagen für Privatfahrten (gefahrene Kilometer jeweils 100 km) genutzt. Bei einem Bruttolistenpreis von 40.000 € des Fahrzeuges ergibt sich folgender steuer- und beitragspflichtiger geldwerter Vorteil:

So ermitteln Sie den geldwerten Vorteil für April dieses Jahres bei Einzelbewertung

geldwerter Vorteil je gefahrenen Kilometer: 0,001 % von 40.000 € = 0,40 €

Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (Hin- und Rückfahrt: 3 × 20 km = 60 km) geldwerter Vorteil (3 Tage × 60 km × 0,40 €) = 72,00 €

Privatfahrten (2 Tage × 100 km × 0,40 €) = 80,00 €

geldwerter Vorteil für April 2017 insgesamt = 152,00 €

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