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13 aussagekräftige Strategien und hilfreiche Tipps aus der Praxis verhelfen Ihnen selbstbewusster in Verkaufsgespräche zu gehen.

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Vorsicht, Falle: Ziehen Sie 2014 alle Register und schützen Sie sich vor teuren Scheinselbstständigen in Verkauf und Vertrieb!

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Der Fall: Ein Unternehmen beschäftigte im Vertrieb die Frau als externe Mitarbeiterin. Die Zusammenarbeit gestaltete sich wie folgt:

 

  • Die Vertriebsmitarbeiterin wurde im Unternehmen geschult und nahm dafür am Unternehmenssitz regelmäßig an Schulungen teil.

 

  • Ihre eigentliche Arbeit erledigte sie von zu Hause aus. Das heißt, sie telefonierte potenzielle Kunden von zu Hause aus an, um diese für das Unternehmen zu gewinnen. Vereinbart war ein Stundenhonorar von 20 Euro.

 

  • Zudem erhielt die freie Mitarbeiterin 75 Euro pro Neukunden als Provision plus eine Sonderprovision, wenn sich die Zusammenarbeit mit dem neuen Kunden als besonders tragfähig erwies.

 

  • Zusätzlich erhielt Sie eine monatliche Pauschale in Höhe von 150 Euro für die Betreuung von „Bestandskunden“.

 

  • Das Unternehmen, bei dem sie beschäftigt war, führte die Frau auf seiner Homepage als „Vertriebsassistentin – Region Nord/West“ unter Angabe einer Telefondurchwahl auf.


Bei einer Betriebsprüfung schaute sich der Prüfer das Beschäftigungsverhältnis genauer an.

Er kam zu dem Schluss: Die Vertriebsmitarbeiterin ist eine Scheinselbstständige.

Sie trägt kein eigenes wirtschaftliches Risiko und ist in die Organisation des Arbeitgebers eingebunden. Der Arbeitgeber sah das naturgemäß anders.

Er argumentierte: Die freie Mitarbeiterin kann die Höhe Ihres Gehalts durch erfolgreiche Abschlüsse entscheidend beeinflussen.

Damit trägt sie sehr wohl ein eigenes wirtschaftliches Risiko. Zum anderen kann sie sich die Zeit zu Hause vollkommen frei einteilen. Es gibt keinerlei Vorgaben. Sie ist auch nicht in die Organisation des Unternehmens eingebunden.

Dass wir sie auf der Homepage mit aufführen, ist lediglich eine Hilfe für unsere Kunden, damit diese schnell zu den gewünschten Ansprechpartnern innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens finden.

Den Betriebsprüfer konnte das Unternehmen mit diesen Argumenten nicht überzeugen. Der Fall landete vor Gericht. Die Entscheidung: Das Sozialgericht (SG) Heilbronn stellte sich auf die Seite des Betriebsprüfers (Urteil vom 10.12.2013, Az. S 11 R 701/13).

Es entschied: Scheinselbstständigkeit! Folge: Mehr als 40.000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen muss das Unternehmen nun nachzahlen.

Der Grund: Nach Auffassung des Gerichts überwiegen die Merkmale einer abhängigen Beschäftigung gegenüber denjenigen einer selbstständigen Tätigkeit.

Vor allem hätte die Arbeitnehmerin kein eigenes wirtschaftliches Risiko getragen. Mit 20 Euro Stundenlohn sei die Vertriebsassistentin so gut abgefedert, dass man kaum von einem wirtschaftlichen Risiko sprechen könne.

Zudem sei ein Unterschied zu den festangestellten Vertriebsassistenten des Arbeitgebers kaum feststellbar.

So schützen Sie sich vor ähnlichen Pech und Pannen und retten Ihrem Unternehmen bares Geld

Immer wieder höre ich Sätze wie: „Wir haben einen wasserdichten Vertrag mit dem freien Mitarbeiter geschlossen. Da kann uns in Bezug auf das Thema Scheinselbstständigkeit gar nichts passieren.“

Um es klar zu sagen: Falsch!

Denn bei der Frage, ob es sich um ein Arbeitsverhältnis oder um freie Mitarbeit handelt, kommt es gar nicht so sehr darauf an, wie der Vertrag ausgestaltet ist, vielmehr kommt es darauf an, wie er in der Praxis tatsächlich ausgeführt wird.

Man könnte auch sagen: In den Augen der Sozialversicherung ist Papier allenfalls geduldig, entscheidend ist die Realität, also die tatsächliche Form der Zusammenarbeit.

Die folgende Checkliste liefert Ihnen erste Anhaltspunkte dafür, ob es bei Ihnen freie Mitarbeiter gibt, die möglicherweise im Fall einer Betriebsprüfung zur echten Kostenfalle werden könnten.

Kreuzen Sie für jeden von Ihnen beschäftigten freien Mitarbeiter an, ob die jeweils geschilderte Situation vorliegt oder nicht:

So werten Sie aus
Das ist eine Vielzahl von Kriterien. Sicherlich. Und auch ein Betriebsprüfer weiß, dass nicht alle Kriterien immer erfüllt sein können.

Es kommt deshalb so entscheidend auf die Gesamtheit des Bildes an, das sich nach Auswertung ergibt.

Beispiel:
Feste Arbeitszeiten an sich sind zwar für einen freien Mitarbeiter unüblich – erklären sich diese aber aus den organisatorischen Besonderheiten Ihres Unternehmens oder seiner Tätigkeit, ist das Kriterium allein nicht stark genug, um eine Scheinselbstständigkeit zu unterstellen.

Wenn aber beispielsweise die Kriterien

  • feste Arbeitszeit,
  • feste Bezüge und
  • Urlaubsanspruch (möglicherweise sogar die Pflicht, sich den Urlaub genehmigen zu lassen)

zusammentreffen, werden Sie es schwer haben, das Vorliegen einer selbstständigen Tätigkeit beweisen zu können.

So hat beispielsweise das Finanzgericht Köln entschieden:

  • Ist eine „freie“ Mitarbeiterin ausschließlich für einen Arbeitgeber tätig,
  • in ihrer Arbeitszeitgestaltung nicht frei und
  • ist sie zeitlich so eingespannt, dass es ihr gar nicht möglich wäre, noch Aufträge für andere Kunden auszuführen,

liegt ein Beschäftigungsverhältnis und keine freie Mitarbeit vor (Urteil vom 18.10.2007, Az. 10 K 6376/03).

Achtung: Auch Telefoninterviewer können scheinselbstständig sein!

Wie schmal der Grat ist, zeigt ein weiteres Urteil des FG Köln vom 14.3.2012 (Az. 2 K 476/06)

Im entschiedenen Fall setzte ein Unternehmen freie Mitarbeiter zur telefonischen Marktforschung ein. Den Interviewern stand ein Telefonarbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung.

Ihr Honorar wurde im Wesentlichen danach kalkuliert, wie viele Interviews durchschnittlich je Stunde durchgeführt wurden, und nach der Anzahl erfolgreich abgeschlossener Interviews bemessen.

Von den gezahlten Honoraren wurden weder Sozialversicherungsbeiträge noch Lohnsteuer einbehalten. Das Finanzamt nahm das Institut für Lohnsteuer in Höhe von über einer halben Million Euro in Haftung.

So können Sie sich schützen

Bevor Sie eine freie Mitarbeit vereinbaren, gehen Sie mit einer sogenannten Statusfeststellung auf Nummer sicher.

Stellen Sie eine Statusabfrageauch für diejenigen freien Mitarbeiter, die Sie jetzt schon beschäftigen!

Überlassen Sie nichts dem Zufall!

Denn nicht nur die Sozialversicherung holt sich Geld von Ihrem Unternehmen, wenn es Scheinselbstständige ausgemacht hat – auch der Fiskus schlägt zu!

So streicht er Ihnen beispielsweise nachträglich den Vorsteuerabzug aus den Rechnungen des Dienstleisters und verlangt von Ihnen eine saftige Umsatzsteuer–Nachzahlung.

Zwar können Sie dabei (theoretisch) Ihren freien Mitarbeiter in Regress nehmen. Das setzt aber voraus, dass er finanziell überhaupt in der Lage ist, Ihren Schaden auszugleichen.

Sie sehen: Es gibt Gründe dafür, ein solches Statusfeststellungsverfahren durchzuführen!

Sie (aber auch Ihr Dienstleister) können von der Deutschen Rentenversicherung Bund verbindlich überprüfen lassen, ob der freie Mitarbeiter seine Tätigkeit selbstständig ausübt.

Den Antrag für das Statusfeststellungsverfahren finden Sie auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung Bund ( www. deutscherentenversicherung-bund.de ).

Praxis-Tipp

-> Stellen Sie den Antrag auf eine Statusfeststellung möglichst innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit durch den freien Mitarbeiter.

-> Stellt sich heraus, dass er doch als Arbeitnehmer anzusehen ist, beginnt die Versicherungspflicht frühestens mit der Bekanntgabe der Entscheidung – deshalb:

Tun Sie es jetzt auch dann, wenn Sie bereits freie Mitarbeiter beschäftigen und für diese noch kein Feststellungsverfahren haben durchführen lassen.

Es spart Ihnen bares Geld, wie die in diesem Beitrag vorgestellten Urteile zeigen!

Das Verfahren lohnt sich auf jeden Fall – denn es bietet Ihnen Schutz:

Belohnt wird Ihr Antrag damit, dass eine eventuelle Sozialversicherungspflichtigkeit erst nach Abschluss des Anfrageverfahrens eintritt, wenn das Statusfeststellungsverfahren innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Beschäftigung gestellt wurde.

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