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Werbung an Kinder: Wettbewerbshüter machen Jagd - und die Gerichte entscheiden gegen Unternehmen

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Wenn Sie mit Werbe-Aktionen gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen, müssen Sie zunehmend vorsichtig sein. Sofort müssen Sie damit rechnen, dass Sie ins Visier von Verbraucherschützern kommen, die Rückenwind von Gerichten haben. Das zeigen diese beiden aktuellen Fällen:

Verboten: „Autokids-Club“ von Skoda
Mit seinem „Autokids-Club“ hatte der Autohersteller Skoda versucht, die Käufer von morgen möglichst früh an die eigene Marke zu binden und die Eltern über „die Kinderschiene“ zu erreichen. Dem hat das Oberlandesgericht Frankfurt in einem jetzt veröffentlichten Urteil den Riegel vorgeschoben (Az.: 6 U 168/04). Die Kinder dürfen dem Club nur noch beitreten und persönliche Daten angeben, wenn die Erziehungsberechtigten dazu Ihre Zustimmung geben.

Die Begründung der Richter: Das Unternehmen nutze die geschäftliche Unerfahrenheit von Kindern aus, wenn es zur Anmeldung auf der Internetseite verschiedene persönliche Angaben verlange.
Bei der Skoda-Aktion sollten die Kinder in einem Online-Fragebogen Angaben zu Hobbys, Lieblingsautos und ihren bevorzugten Freizeitparks machen. Hatten sie Fragebogen ausgefüllt, wurden sie Mitglied und hatten dann die Möglichkeit, Vergnügungsparks zum vergünstigten Eintrittspreis zu besuchen. Außerdem wurden sie zu Veranstaltungen in Autohäuser eingeladen.
„Kinder können noch nicht abschätzen, inwieweit ihre Daten verwertet und ausgenutzt werden können“, so der Pressesprecher des OLG Frankfurt, Wolfgang Weber, in einer Stellungnahme. Ziel des Unternehmens sei es gewesen, über die Kinder die Eltern mit Werbung zu erreichen. Der Dachverband der Verbraucherzentralen hatte vor dem OLG gegen die wettbewerbswidrige Aktion der Volkswagen-Tochter geklagt.
Datenschutz besonders streng
Seien Sie vorsichtig, wenn Sie die daten von Minderjährigen zu Werbezwecken erheben. Hier sind die Bestimmungen des Datenschutzes besonders streng.
Die Einwilligung von Minderjährigen zur Verarbeitung ihrer persönlichen Daten ist nicht wirksam. Dazu gibt es schon 2001 einen Fall, den das Landesgericht Bremen entschieden hat (LG Bremen, Urteil vom 27.2.2001, Az. 1 O 2275/00). Dabei ging es um ein Unternehmen, das auf einer Internetseite Geburtsdaten von Kindern und Jugendlichen gesammelt hatte.
Die Minderjährigen sollten auch Namen und Geburtsdaten von Freunden eingeben. Auf der Seite stand ausdrücklich, dass die Daten gespeichert und elektronisch weiterverarbeitet würden. Und: „Du bist damit sicher einverstanden und bestätigst dies durch Deine Teilnahme.“
Die Richter hielten dieses Vorgehen für unzulässig. Begründung: Die Frage nach den persönlichen Daten sei ein erheblicher Eingriff in die persönlichen Rechte. Minderjährige seien aber noch gar nicht in der Lage, die Konsequenzen zu überschauen. Dies gilt zumindest für Minderjährige unter 14 Jahren, an die sich das Unternehmen in dem Bremer Fall gerichtet hat.

Das heißt für Sie:

Als Marketingleiter sollten Sie von der Sammlung von Daten Minderjähriger in Ihren Internetangeboten und bei allen anderen Aktionen absehen - insbesondere, wenn es um personenbezogene Daten wie Geburtstage geht.
Beachten Sie, dass gerade dann, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, mit großer Sensibilität bei Verbraucherschützern zu rechnen ist, die sehr schnell einen Missbrauch der Daten vermuten.
Wenn Sie sichergehen wollen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als bei solchen Aktionen das Einverständnis der Erziehungsberechtigten zur Nutzung der Daten einzuholen. Das führt zwar zu weniger Rückmeldungen, aber rechtlich sind Sie dann abgesichert.
Verboten: Keks-Werbung an Schulen
Auch der Kekshersteller Bahlsen hat es mit sensiblen Verbraucherschützern und strengen Richtern zu tun bekommen, als er sich mit einer innovativen Aktion an Minderjährige richten wollte: Schüler und ihre Familien konnten auf Keks- und Kuchenprodukten von Bahlsen aufgedruckte Punkte sammeln. Diese Punkte wiederum konnten gegen Geld für eine dreitägige Klassenfahrt eingetauscht werden. Dagegen klagte sofort eine Verbraucherschutzorganisation. Begründung: Schüler und Eltern würden durch diese Aktion unter Druck gesetzt, Bahlsen-Produkte zu kaufen. Bahlsen argumentierte, mit der Kampagne nicht Schüler, sondern Eltern und Lehrer angesprochen zu haben. In Zeiten knapper Kassen habe das Unternehmen Schülern das Erlebnis einer Reise ermöglichen wollen.
Im Rechtsstreit schlossen sich die Richter des Oberlandesgerichts Celle jedoch der Meinung der Verbraucherschützer an: Bahlsen darf die Werbeaktion, die unter dem Titel „Sammeln für die Klassenfahrt“ angelaufen war, nicht weiterführen. Andernfalls drohe ein Ordnungsgeld bis 250.000 €.
Das heißt für Sie:
Dieses Urteil ist richtungsweisend, weil erstmals die Werbung aus dem Bereich der Schule strikt verbannt wird. Damit ist für Sie klar: Sollte in Ihrem Unternehmen die Idee auftauchen, Minderjährige werblich über den Weg der Schule anzusprechen, raten Sie als Marketingleiter davon ab.

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