Gratis-Download

In 7 Schritten zur rechtssicheren Kündigung! Das Kündigungsschutzgesetz besagt, dass Sie einem Mitarbeiter nur dann kündigen dürfen, wenn dies aus...

Jetzt downloaden

Abmahnung: Auszubildenden nicht ohne Abmahnung kündigen

0 Beurteilungen
Arbeitsrecht Abmahnung

Von Günter Stein,

Einem Auszubildenden nach der Probezeit zu kündigen ist meist eine große Herausforderung. Zu Recht hat der Gesetzgeber die Hürden sehr hoch gelegt.

Daher ist es umso wichtiger, dass Sie auf dem Weg zu einer berechtigten Kündigung keine Fehler machen. Wie ein aktuell veröffentlichtes Gerichtsurteil zeigt, kann der Verzicht auf eine Abmahnung solch ein bedeutender Fehler sein.

Im vorliegenden Fall kam so allerhand zusammen: Der Azubi zeigte sich wiederholt unfreundlich zu den Kunden, sein Verhalten im Betrieb war dreist und die Leistungen in der Berufsschule schlecht. Als Höhepunkt verstieß er mehrfach gegen ein betriebsinternes Fahrverbot. Mit einem Lastwagen und einem Bus kam es zu kleineren Zusammenstößen und Sachschäden. Dem Ausbildungsbetrieb war das genug. Es folgte eine fristlose Kündigung. Die ist ja bekanntlich der einzige Weg, wenn der Ausbildungsbetrieb dem Auszubildenden nach der Probezeit kündigen will.

Worauf der Betrieb allerdings verzichtete, war eine vorherige Abmahnung. Und genau das bemängelten die Richter des Landesarbeitsgerichts Frankfurt (Az. 7 Sa 518/07 vom 28.8.2007). Man hätte dem Auszubildenden die Chance geben müssen, sich zu bessern. So hielten die Richter die Kündigung für nicht gerechtfertigt.

Kündigung wäre mit Abmahnung rechtens gewesen

Ein solches Gerichtsurteil ist für einen Ausbildungsbetrieb natürlich tragisch. Ganz sicher gab es Gespräche und Ermahnungen und damit ja auch für den Auszubildenden die Chance, es künftig besser zu machen. Vor Gericht zählt das alles aber nicht. Hier ist das Schriftstück ausschlaggebend, über dem „Abmahnung“ steht und in dem eine Kündigung für den Fall angekündigt wird, dass sich die abgemahnte Verhaltensweise nicht bessert. Mit Sicherheit hätte das gravierende Fehlverhalten (unfreundliches Verhalten gegenüber Kunden und Missachtung des Fahrverbots) für eine Kündigung ausgereicht, wenn dies zuvor abgemahnt worden wäre. Die schlechten Leistungen in der Schule dagegen wären auch hier ohne Relevanz gewesen.

Was bedeutet dieses Urteil für Sie als Ausbilder?

Mahnen Sie grundsätzlich das konkrete Fehlverhalten mit genauer Beschreibung unter Angabe von Datum, Uhrzeit und Ort ab. Bessert sich das Verhalten nicht, dann stehen die Chancen auf eine unangreifbare Kündigung deutlich besser als im oben beschriebenen Fall. Nur im Extremfall dürfen Sie auf eine Abmahnung verzichten. Das gilt beispielsweise, wenn ein Auszubildender gewalttätig wird oder konkret Gewalt androht. Auch grobe Beleidigung und rassistisches Verhalten kann eine Kündigung ohne Abmahnung rechtlich wirksam werden lassen.

Bei mehreren Fällen von Fehlverhalten: Besser jeden einzeln abmahnen

Ein weiterer möglicher Fehler besteht darin, in einer Abmahnung zu viele verschiedene Fälle von Fehlverhalten aufzuführen. Denn entsprechend einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln (Az. 1 Sa 343/07 vom 15.6.2007) wurde genau das einem Unternehmen zum Verhängnis. Es hatte gleich mehrere Verhaltensweisen abgemahnt. Einer der darin enthaltenen „Vorwürfe“ war allerdings falsch bzw. nicht nachweisbar. Die Folge: Der Arbeitnehmer konnte verlangen, dass die gesamte Abmahnung aus seiner Personalakte entfernt wurde. Konkret bedeutet das: Die Abmahnung gilt dann auch bezüglich der berechtigten Vorwürfe als nicht erfolgt. Ein erneutes ursprünglich abgemahntes Verhalten kann so nicht direkt zur Kündigung führen, sondern müsste noch einmal abgemahnt werden – was einem Freibrief für weiteres Fehlverhalten gleichkommt. Das Urteil ist ohne Einschränkungen auch auf Auszubildende übertragbar.

Schlechte Berufsschulleistungen auf keinen Fall erwähnen

Konkret heißt das: Hätte der Ausbildungsbetrieb im oben beschriebenen Fall zunächst eine Abmahnung erteilt, dann wäre ihm möglicherweise genau dieser Fehler unterlaufen. Der Azubi hatte sich ja so einiges geleistet. Um auf Nummer sicher zu gehen, könnte hier ein Ausbilder dazu verleitet werden, jedes der Fehlverhalten aufzuführen. Wären dadurch beispielsweise die schlechten Berufsschulleistungen in der Abmahnung gelandet, dann dürfte einem Richter auffallen, dass diese nicht abmahnbar sind. Die Folge: Möglicherweise hätte er die gesamte Abmahnung für nicht erfolgt erklärt: also auch die Nichtbeachtung des Fahrverbots und den unfreundlichen Umgang mit den Kunden.

Was bedeutet das für Sie als Ausbilder?

Mahnen Sie jedes einzelne Fehlverhalten des Azubis separat ab. Schreiben Sie beispielsweise – um auf unser Beispiel zurückzukommen – eine Abmahnung zum unfreundlichen Umgang mit einem konkreten Kunden, unter genauer Angabe des Orts und der Zeit. Schreiben Sie eine weitere Abmahnung zur Nichtbeachtung des Fahrverbots. Und schreiben Sie keine Abmahnung zu schlechten Leistungen in Schule und Betrieb. Beachten Sie: Der Verzicht auf eine Abmahnung kann in manchen Fällen nicht nur Ihr Recht, sondern auch Ihre Pflicht sein. Droht einem Mitarbeiter beispielsweise tatsächlich Gewalteinwirkung durch einen Problem-Azubi oder ist diese bereits erfolgt und ein Wiederholungsfall erscheint möglich, dann müssen Sie unmittelbar die Konsequenzen ziehen. Es wäre nicht zu verantworten, zunächst abzumahnen und abzuwarten. Dem Azubi muss unmittelbar gekündigt werden, um andere zu schützen.

Drei Unverzichtbare Bestandteile einer Abmahnung:

  1. Beanstandung (konkret mit Orts- und Zeitangabe)
  2. Hinweis, dass solches Verhalten nicht geduldet wird
  3. Konsequenzen, wenn Verhalten nicht geändert wird

 

Personal und Arbeitsrecht aktuell

Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

Datenschutz

Anzeige

Gratis Downloads
42 Beurteilungen
13 Beurteilungen
63 Beurteilungen
Produktempfehlungen

Umfassend über die neuesten Entwicklungen im Personalbereich informiert

Die neuesten Urteile der Arbeits-, Finanz- und Sozialgerichte

Auf alle Personalfragen rechtssichere und sofort umsetzbare Antworten

Neueste Rechtsentscheidungen mit Empfehlungen für Ihre Personalarbeit

Ihr Excel-Lernsystem: Verständlich, kompakt, effektiv

Die neuesten Arbeitsrecht-Urteile und was diese für Ihre Arbeit bedeuten