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Überstunden von Azibis trotz Arbeitsvertrag ein Streitthema? Das muss nicht sein.

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Azubis Überstunden

Von Günter Stein,

Immer wieder kommt es in den Ausbildungsbetrieben zu Konflikten wegen Überstunden. Dürfen Auszubildende überhaupt Überstunden machen? Müssen sie damit einverstanden sein? Sind Überstunden ohne Bezahlung möglich? All das ist gesetzlich geregelt. Ich habe diese Regeln für Sie hier zusammengefasst.

Überstunden werden von Arbeitnehmern immer dann geleistet, wenn sie länger arbeiten, als es der Arbeitsvertrag vorsieht. Das gilt grundsätzlich auch für Auszubildende. Denn für Auszubildende sind Überstunden nicht generell verboten, auch wenn sie die Ausnahme bleiben sollten. Allerdings sind Überstunden für Azubis an 2 Bedingungen geknüpft:

Das sind die Bedingungen für Überstunden bei Azubis

Bedingung 1: Überstunden müssen als prinzipiell möglich vereinbart worden sein – im Tarifvertrag oder im Rahmen einer Tarifvereinbarung. Alternativ dazu können Sie einen entsprechenden Passus in den Ausbildungsvertrag aufnehmen.

Beispielformulierung für den Ausbildungsvertrag: Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung ist im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, insbesondere des Berufsbildungsgesetzes, des Jugendarbeitsschutzgesetzes, des Mutterschutzgesetzes und des Arbeitszeitgesetzes möglich.

Bedingung 2: Die Überstunden müssen dem Ausbildungszweck dienen.

Im Rahmen der Überstunden dürfen also keine Privaterledigungen für den Chef erfolgen. Die Überstunden eines Auszubildenden dürfen auch nicht allein dazu dienen, ein hohes Arbeitsaufkommen zu bewältigen. Er muss vielmehr auch in den Überstunden Tätigkeiten ausführen, die – wie während der vertraglichen Ausbildungszeit auch – mit dem Ausbildungsrahmenplan übereinstimmen.

Beachten Sie: Nur in Notfällen dürfen Sie von Ihrem Azubi Überstunden verlangen, ohne dass eine oder gar beide Bedingungen erfüllt sind. Als Notfall gilt beispielsweise, wenn der Betrieb gegen eine Naturkatastrophe abgesichert werden muss (etwa bei einem bevorstehenden Orkan oder bei Hochwasser). Dann sind alle Arbeitnehmer – auch die Azubis – verpflichtet, im Rahmen ihrer arbeitsvertraglichen Treuepflicht mitzuhelfen, einen größeren Schaden zu verhindern.

So viele Überstunden sind bei Azubis gesetzlich zulässig

Selbst wenn der Ausbildungsvertrag oder eine andere Vereinbarung Überstunden erlaubt: Es gibt enge Grenzen. So darf ein minderjähriger Azubi maximal 40 Stunden pro Woche beschäftigt werden. Die Höchstgrenze für erwachsene Auszubildende liegt in der Regel bei 48 Stunden. Das Arbeitszeitgesetz schreibt Ihnen in § 16 Abs. 2 vor, Überstunden Ihrer Mitarbeiter – das gilt auch und gerade für Auszubildende – schriftlich genau zu erfassen. So müssen Sie die Arbeitszeiten eines jeden einzelnen Azubis immer dann festhalten, wenn diese über die Dauer von 8 Stunden am Tag hinausgehen. Für diese Aufzeichnungen besteht eine Aufbewahrungspflicht von mindestens 2 Jahren. Die Unterlagen sollten sauber geführt werden. Sie dienen Ihnen selbst zur Kontrolle und – im Ernstfall – zum Nachweis, dass alle geleisteten Überstunden gesetzlich zulässig waren.

So werden Überstunden bei Azubis vergütet

Selbstverständlich müssen alle Überstunden vergütet werden – in Form von Geld oder als Freizeitausgleich. Im Berufsbildungsgesetz steht dazu in § 17 Abs. 3 sinngemäß: Eine über die regelmäßige Arbeitszeit hinausgehende Beschäftigung ist besonders zu vergüten oder durch Freizeit auszugleichen. „Besonders“ heißt in diesem Fall: Die Vergütung für die Überstunden fällt zusätzlich zur vertraglichen Vergütung an. Es ist umstritten, ob sich daraus auch ein Überstundenzuschlag ableiten lässt. Allerdings ist ein Zuschlag zu empfehlen. Schließlich arbeitet der Azubi mehr, als in seinem Vertrag steht – und das in seiner Ausbildung. Daher sollten Sie sich mit einem Zuschlag für diesen Ausnahmefall erkenntlich zeigen.

Beispielformulierung für den Ausbildungsvertrag (Fortsetzung):
Die über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung wird mit einem Zuschlag von ... % vergütet. Der Auszubildende hat die Wahl zwischen Auszahlung (entsprechend höhere Ausbildungsvergütung) und Freizeitausgleich. Der Zuschlag wird in beiden Fällen gewährt.

Konkret bedeutet das: Ist ein Zuschlag vereinbart, dann zahlen Sie diesen auch dann, wenn die Überstunden mit Freizeit abgegolten werden. Bei 2 Überstunden und einem vereinbarten Zuschlag von 30 % bedeutet das: Der Azubi kann 2 Stunden und 36 Minuten „abfeiern“ (= 130 % von 120 Minuten). Ein bisschen Mathematik brauchen Sie also auch.

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