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Vier Maßnahmen zum Halten der ausgewählten Azubis

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Arbeitsrecht Ausbildung

Von Günter Stein,

Was ist eine Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag eigentlich wert? Auf die Ihre kann sich der künftige Azubi sicher verlassen. Aber können Sie auch umgekehrt davon ausgehen, dass der erfolgreiche Bewerber die Ausbildung bei Ihnen auch tatsächlich beginnt? Und wie ist eigentlich die rechtliche Situation?

Leider machen immer mehr Ausbildungsbetriebe die Erfahrung, dass manche Auszubildende oder bei Minderjährigen deren Eltern den unterschriebenen Vertrag nicht wirklich ernst nehmen. Da wird sich munter weiter beworben und auf eine noch bessere Chance gewartet. Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Konkurrenz die Chance nutzen wird, Ihnen den sicher geglaubten Akquise-Erfolg noch streitig zu machen.

Kündigung vor Ausbildungsbeginn durch Azubi recht einfach möglich

Aus Sicht des potenziellen Auszubildenden ist es durchaus legitim, zu versuchen, die aus seiner Sicht beste Ausbildungsstelle zu erlangen. Eine solche Einstellung ist sogar besonders lobenswert, denn schließlich wünschen Sie sich ja auch künftig die optimale Leistung, wenn er als Azubi bei Ihnen anfängt. Dennoch ist das „Weiterbewerben“ nach Vertragsabschluss für Sie äußerst unerfreulich. Schließlich stellen Sie selbst Ihre Bemühungen ein, da Sie ja nach Stand der Dinge keinen weiteren Ausbildungsvertrag zu vergeben haben. Und eigentlich ist der Azubi, der sich weiter umschaut, auch rechtlich auf der sicheren Seite. Denn er kann vor Beginn der Ausbildung seinen Vertrag zu Beginn der Probezeit kündigen. Das heißt konkret, dass er Ihnen ohne Angabe eines Grundes und ohne Einhalten einer Frist den Rücken kehren kann, wenn er denn schriftlich kündigt.

Manche Azubis unterschreiben mehrere Ausbildungsverträge

Dass die meisten Bewerber das nicht wissen, bewirkt zum einen, dass viele dann doch Ihre ernsthaften Bemühungen um einen Ausbildungsplatz einstellen. Das ist die gute Nachricht für Sie. Die schlechte Nachricht ist: Manch ein Auszubildender unterschreibt einen weiteren Vertrag, ohne Ihnen zu kündigen. Das bedeutet konkret, dass Sie wahrscheinlich erst am theoretischen 1. Ausbildungstag sein Fehlen bemerken. Zu diesem Zeitpunkt ist es für Sie äußerst schwierig, noch einen gut qualifizierten „Ersatz-Azubi“ zu finden. Ärgerlich ist auch: Sie sind zwar aufgrund der fehlenden Kündigung rechtlich auf der sicheren Seite, es nutzt Ihnen aber nichts. Der Azubi hat sich gegen Sie entschieden wird aufgrund eines Anwaltsschreiben kaum den Betrieb wechseln. Es ist daher nicht zu empfehlen, eine Klage auf Schadensersatz zu verfolgen. In der Regel übersteigen die Kosten den Nutzen bei Weitem. Es bleibt Ihnen also nichts anders übrig, als rechtzeitig Maßnahmen zu treffen, die genau eine solch unerfreuliche Situation verhindern. Dem Bewerber muss das Gefühl vermittelt werden, dass er sich endgültig entschieden hat – und zwar für Ihr Ausbildungsunternehmen.

Wie Sie die ausgewählten Azubis auch wirklich halten können

Im Einzelnen sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  1. Begeistern Sie Ihre Bewerber, indem Sie sich top präsentieren. Der Bewerber darf im besten Fall gar nicht auf die Idee kommen, dass eine Ausbildung an anderem Ort möglicherweise attraktiver ist. Möglichkeiten, für sich selbst zu werben, bietet jeder persönliche Kontakt wie beispielsweise das Vorstellungsgespräch, an das sie einen Betriebsrundgang (z.B. unter Führung eines anderen Auszubildenden) anschließen können.
  2. Vermitteln Sie bereits vor Ausbildungsbeginn den Eindruck, als gehöre er bereits als vollwertiger Mitarbeiter zum Kollegenkreis. Falls inhaltlich möglich können Sie ihm (eingeschränkten) Zugang zum Intranet verschaffen oder die Mitarbeiterzeitung zuschicken. In jedem Fall sollten Sie in Kontakt bleiben. Auch eine Gratulation zum Geburtstag oder ein Gruß vom Betriebsrat und der Jugend- und Auszubildendenvertretung wären denkbare Maßnahmen.
  3. Laden Sie Ihre zukünftigen Azubis zwischenzeitlich zu einer Informationsveranstaltung ein. Berichten Sie – zum Beispiel bei Kaffee und Kuchen – in ungezwungener Atmosphäre über die Ausbildung und das Unternehmen. Bitte Sie ausdrücklich – falls gewünscht – auch die Eltern bzw. den Freund / die Freundin des Auszubildenden hinzu.
  4. Halten Sie die Unterlagen und Kontaktdaten der Bewerber bereit, die mit ihrer Bewerbung bei Ihnen knapp gescheitert sind. Wenn alle Stricke reißen, können Sie mit diesen dann schnell Kontakt aufnehmen – in der Hoffnung, dass der potenzielle Azubi noch „frei“ ist. Es ist ohnehin anzuraten, die Bewerbungsunterlagen von Kandidaten, die grundsätzlich in Frage kommen, aber nicht Ihre erste Wahl sind, erst nach Ausbildungsbeginn zurückzuschicken. Der Ausbildungsmarkt bleibt bis zum Ausbildungsbeginn – und teilweise darüber hinaus – in Bewegung. Das war in der Vergangenheit so – und wird in Zukunft wohl noch stärker der Fall sein.

 

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