Gratis-Download

Nutzen sie diese Übersicht der sieben Zeugnis-Bausteine, damit Sie wissen, wie Sie Zeugnisse an Ihre Mitarbeiter formal korrekt strukturieren. So...

Jetzt downloaden

Arbeitszeugnis: Unterdurchschnittliche Beurteilungen mit überdurchschnittlichem Risiko

0 Beurteilungen
Arbeitszeugnis Leistungsbeurteilung Zufriedenheits

Von Günter Stein,

Natürlich müssen und sollten Sie als Arbeitgeber Ihrem Ärger über einen schlechten Mitarbeiter auch im Arbeitszeugnis Ausdruck verleihen. Aus Angst vor einem Arbeitsgerichtsprozess und einem nachteiligen Urteil, das sie zu einer nachträglichen Korrektur des Zeugnisses zwingt, haben viele Arbeitgeber jedoch längst kapituliert, beißen in den sauren Apfel und stellen auch miserablen Mitarbeitern noch gute Zeugnisse aus. Dabei können Sie als Arbeitgeber Ihrem Mitarbeiter relativ risikofrei eine bescheidene Leistung attestieren.Wichtiger Hinweis!Wichtiger Hinweis!

In der Praxis hat sich nämlich eine Zufriedenheitsskala durchgesetzt, mit deren Hilfe Sie als Arbeitgeber „durch die Blume“ die Leistungen Ihres Mitarbeiters benoten können. Die folgende Tabelle zeigt Ihnen, welche Note hinter welcher Formulierung steckt.

Die Zufriedenheitsskala

Formulierung

Note

Er/Sie hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben ... stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt und unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen.

1

stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt

2

zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt

3

zu unserer Zufriedenheit erledigt

4

im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt

5

Er/Sie hat sich bemüht, die übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.

6

Wichtiger Hinweis!

Bei der Ausstellung seines Arbeitszeugnisses hat Ihr Mitarbeiter aber nur einen Anspruch auf eine wahrheitsgemäße Beurteilung seiner Leistung. Davon, dass Ihr Mitarbeiter von Ihnen als Arbeitgeber ein gutes oder sogar sehr gutes Zeugnis verlangen kann, weil dies seinem beruflichen Fortkommen am wenigsten schadet, steht nirgendwo etwas geschrieben.

Vorsichtig sollten Sie aber mit unterdurchschnittlichen Bewertungen sein. Auf der Zufriedenheitsskala beginnen diese mit der Formulierung „zu unserer Zufriedenheit“, also mit der Note 4 (LAG Köln, Urteil vom 02.07.1999, Aktenzeichen 11 Sa 255/99).

Beispiel: Wenn zwei sich streiten, entscheidet das Gericht

Vicky L. hat gekündigt. Als Sie der jungen Controllerin nach 10 Jahren Beschäftigung am letzten Arbeitstag das Zeugnis überreichen, kommt es zum Eklat: Vor versammelter Abteilung erklärt Vicky L., sie habe all die Jahre nicht nur „zur Zufriedenheit“ gearbeitet. Sie verspricht ein baldiges Wiedersehen vor dem Arbeitsgericht, wenn Sie ihr keine bessere Leistung bescheinigen.

Folge: Sollten es tatsächlich zu einem Prozess kommen, müssen Sie vorbereitet sein. Als Arbeitgeber müssen Sie die Tatsachen, die zu der unterdurchschnittlichen Beurteilung geführt haben, spätestens vor dem Arbeitsgericht auf den Tisch legen. Fehlen Ihnen die Beweise für die schlechte Beurteilung, sollten Sie über eine außergerichtliche Korrektur des Zeugnisses nachdenken.

Wichtiger Hinweis!

Als Arbeitgeber müssen Sie die Gründe, die zu der unterdurchschnittlichen Beurteilung Ihres Mitarbeiters geführt haben, vor dem Arbeitsgericht nachweisen. Mit anderen Worten: Sie trifft die Beweislast dafür, dass Ihr Mitarbeiter tatsächlich eine unter dem Durchschnitt liegende Note, also eine 4, 5 oder 6, verdient hat (BAG, Urteil vom 14.10.2003, Aktenzeichen: 9 AZR 12/03).

Tipp!

Nehmen Sie Ihrem Mitarbeiter vorzeitig den Wind aus den Segeln und formulieren Sie wie folgt: „Er/Sie hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.“

Mit dieser Beurteilung sind Sie auf der sicheren Seite, weil sie zwar knapp, aber immerhin noch über dem Durchschnitt liegt (LAG Bremen, Urteil vom 09.11.2000, Aktenzeichen: 4 Sa 101/00).

Auf diese Weise punkten Sie außerdem doppelt:

Einerseits sticht die lediglich knapp überdurchschnittliche Leistung aus der Flut guter und sehr guter Beurteilungen bei einem künftigen Arbeitgeber heraus, so dass dieser erkennen kann, dass Sie mit den Leistungen Ihres Mitarbeiters nicht ganz zufrieden waren. Andererseits muss bei einer durchschnittlichen Beurteilung Ihr Mitarbeiter in einem späteren Arbeitsgerichtsprozess beweisen, dass er besser war, als Sie meinen. Das wird regelmäßig schwer fallen.

Extra-Tipp:

Clever beurteilen: Der Trick mit der Schlussformel

Eine nur knapp überdurchschnittliche Leistung ist nicht die einzige Möglichkeit, wenn Sie Ihrem ausscheidenden Mitarbeiter auf völlige legale Art und Weise ein schlechtes Zeugnis ausstellen und seinen zukünftigen Arbeitgeber auf Ihre Unzufriedenheit hinweisen möchten: Verzichten Sie einfach auf die Schlussformel, in der Sie als Arbeitgeber Ihrem Mitarbeiter noch einmal für die Zusammenarbeit danken und ihm Glück für seinen weiteren beruflichen Werdegang wünschen können. Diese klingt meist so:

„Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden und danken für die stets gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir ihm/ihr alles Gute und viel Erfolg!“

Bei einem miserablen Mitarbeiter ist aber meist das genaue Gegenteil dessen, was in der Schlussformel zum Ausdruck kommt, der Fall: Meistens sind Sie froh, einen solchen Arbeitnehmer endlich los zu sein. Bevor Sie sich verbiegen müssen, können Sie die Schlussformel auch einfach weglassen. Ihr Mitarbeiter hat keinen Anspruch auf eine Schlussformel mit Dank und Glückwünschen. Fehlt sie, kann man Ihnen als Arbeitgeber daraus keinen Strick drehen (BAG, Urteil vom 20.02.2001, Aktenzeichen: 9 AZR 44/00).

Personal und Arbeitsrecht aktuell

Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

Datenschutz

Anzeige

Gratis Downloads
7 Beurteilungen
61 Beurteilungen
41 Beurteilungen
Produktempfehlungen

Umfassend über die neuesten Entwicklungen im Personalbereich informiert

Die neuesten Urteile der Arbeits-, Finanz- und Sozialgerichte

Auf alle Personalfragen rechtssichere und sofort umsetzbare Antworten

Neueste Rechtsentscheidungen mit Empfehlungen für Ihre Personalarbeit

Ihr Excel-Lernsystem: Verständlich, kompakt, effektiv

Die neuesten Arbeitsrecht-Urteile und was diese für Ihre Arbeit bedeuten