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Nutzen sie diese Übersicht der sieben Zeugnis-Bausteine, damit Sie wissen, wie Sie Zeugnisse an Ihre Mitarbeiter formal korrekt strukturieren. So...

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Zeugnis: Wer muss beweisen, was richtig ist?

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Arbeitsrecht Arbeitszeugnis

Von Günter Stein,

Die Arbeitnehmerin war lange Jahre in einem Heim als Leiterin tätig. Ihr wurde verhaltensbedingt fristlos gekündigt. Die Kündigung ist unstrittig. Der Arbeitgeber attestierte ihr im Arbeitszeugnis „gute Leistungen“, und unter anderem:Bleiben Sie standhaft!

„Den vielseitigen und zunehmend komplexer werdenden Anforderungen an die Tätigkeit einer Heimleiterin vermag sie jederzeit voll umfänglich zu entsprechen“ und „“Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseres Hauses war stets korrekt“ sowie „Das Ansehen des Kreisaltersheimes wurde wesentlich von ihrer Persönlichkeit geprägt.“

Die gekündigte Arbeitnehmerin schickte das Zeugnis zurück und verlangte ein neues. Darin sei zu bestätigen, dass das „gute“ Ansehen des Kreisaltersheimes von ihr geprägt wurde, das sie den zunehmend komplexer werdenden Anforderungen an die Tätigkeit einer Heimleiterin jederzeit voll umfänglich zu entsprechen mag“ und dass das Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern nicht nur stets korrekt war, sondern „zu jedem Zeitpunkt einwandfrei“ war.

Der Arbeitgeber änderte das Zeugnis ein wenig – aber das reichte der Arbeitnehmerin nicht. Sie klagte unter anderem mit der Begründung, in früheren Zeugnissen seien ihr ja auch sehr gute Leistungen bescheinigt worden. Und im Übrigen müsse ihr der Arbeitgeber auch das ursprüngliche Arbeitszeugnis wieder aushändigen, dies sei schließlich mit der Aushändigung (Übersendung) ihr Eigentum geworden.

Vor Arbeits- und Landesarbeitsgericht blieb die Klage ohne Erfolg!

Wenn ein Arbeitnehmer ein „sehr gutes“ statt einem „guten“ Arbeitszeugnis haben möchte, dann muss er schon konkret belegen können, warum ihm der Arbeitgeber eine (noch) bessere Beurteilung ausstellen soll. Da die Arbeitnehmerin aber keinerlei Beweise und Begründungen geliefert hat (zum Beispiel dafür, warum das „gute“ Ansehen des Heims von ihr geprägt wurde), braucht der Arbeitgeber dem Wunsch der Arbeitnehmerin nicht nachzukommen.

Auch die Tatsache, dass die Arbeitnehmerin in früheren Zeiten ein „sehr gutes“ Zeugnis erhalten hatte, spielt keine Rolle. Ein Arbeitgeber darf seine Einschätzung durchaus ändern.

(LAG Nürnberg, Az. 8 Sa 298/08)

Was dieses Urteil für Sie bedeutet

Nun können Sie an dieser Stelle einwenden: „Moment mal, gilt denn nicht, dass das Endzeugnis so gut sein muss wie das Zwischenzeugnis. Schließlich hat das Bundesarbeitsgericht dies so einmal festgelegt (BAG, Az. 9 AZR 248/07).

Das stimmt, aber ...

... die BAG-Richter erkennen ausdrücklich an, dass jede Beurteilung in einem Arbeitszeugnis von einer Vielzahl von Faktoren abhängig ist. Die Beurteilung wird zwangsläufig von Ihren Erfahrungen als Arbeitgeber geprägt, die Sie mit dem Arbeitnehmer gemacht haben. Insofern bleibt Ihnen hier ein Beurteilungsspielraum immer erhalten (BAG, Az. 9 AZR 12/03).

Was aber tun, wenn der Arbeitnehmer ein besseres Zeugnis will?

Es kommt aber nun einmal immer wieder vor, dass ein Mitarbeiter, der das Unternehmen verlässt, mit Ihrer Beurteilung im Zeugnis nicht einverstanden ist. Schnell wird mit dem Rechtsanwalt gedroht, um Sie damit zu einer besseren Beurteilung zu zwingen.

Bleiben Sie standhaft!

Wenn Sie und Ihr Mitarbeiter über den Inhalt seines Zeugnisses nicht einer Meinung sind, hat er noch lange keinen rechtlichen Anspruch auf Änderung. Denn Sie haben einen Beurteilungsspielraum, den Sie ausschöpfen können.

Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter eine Beurteilung mit der Zeugnisnote befriedigend gegeben haben, kann Ihr Mitarbeiter eine bessere Beurteilung nur dann durchsetzen, wenn er vor Gericht beweisen kann, dass Ihre Benotung seinen Leistungen nicht gerecht wird. Das gilt auch für die Einstufung „sehr gut“ statt „gut“. Im Klartext: Ohne stichhaltige Gründe keine Berichtigung.

Eine wichtige Ausnahme: Haben Sie den Mitarbeiter hingegen nur mit der Note ausreichend oder mangelhaft bewertet, haben Sie vor Gericht die Beweislast, dass diese Benotung gerechtfertigt ist.

Personal und Arbeitsrecht aktuell

Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

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