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Entgeltfortzahlung bei Krankheit: Hier können Sie sparen

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Von Günter Stein,

Stellen Sie sich folgende Situation einmal vor: Immer wieder ist ein bestimmter Mitarbeiter krank. Die Fehlzeiten häufen sich ... Solche wiederholten Erkrankungen spielen in der betrieblichen Praxis eine ganz zentrale Rolle. Und gerade hier sollten Sie als Arbeitgeber das Fortbestehen Ihrer Zahlungspflicht einmal ganz genau unter die Lupe nehmen.

 

Wichtig für Sie ist § 3 Absatz 1 EFZG, der Ihre wirtschaftliche Belastung begrenzen soll. Einfach ausgedrückt besagt diese Regelung Folgendes:

  • Einzelne Arbeitsunfähigkeiten können auf verschiedenen Erkrankungen beruhen. Hier besteht für jede einzelne Arbeitsunfähigkeit ein Entgeltfortzahlungsanspruch bis zur Dauer von maximal 6 Wochen.
  • Aber: Die einzelnen Arbeitsunfähigkeitszeiten können auch auf derselben Krankheit beruhen. Hier besteht insgesamt nur ein Anspruch von insgesamt 6 Wochen.

Vorsicht! Hier bestehen 2 wichtige Ausnahmen. Unter Umständen besteht doch ein erneuter Anspruch auf Entgeltfortzahlung von bis zu 6 Wochen (§ 3 Absatz 1 Satz 2 Nr. 1 und 2 EFZG). Das ist der Fall, wenn

  • Ihr Mitarbeiter vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens 6 Monate nicht wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig war (= Wiederholungserkrankung) oder
  • seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit infolge derselben Krankheit 12 Monate vergangen sind (= Fortsetzungserkrankung).

Beispiel: Der teure Krankheitsfall
Dennis Z. war 5 Wochen arbeitsunfähig krankgeschrieben. Nachdem er 2 Tage im Büro war, fällt er wegen einer neuen – anderen – Krankheitsursache wieder für 4 Wochen aus.
Folge: Ein teurer Mitarbeiter. Hier besteht bei der 2. Erkrankung ein neuer Entgeltfortzahlungsanspruch bis zur Dauer von weiteren 6 Wochen. Das würde sogar für den Fall gelten, wenn Dennis Z. seine Arbeit noch gar nicht wieder aufgenommen hätte.
Kommt es zu einer zeitlichen Überlagerung einer einmaligen Krankheit mit der ersten Phase einer – anderen – Fortsetzungserkrankung, so haben Sie als Arbeitgeber wegen der sich überlappenden Krankheiten insgesamt nur maximal 6 Wochen Entgelt fortzuzahlen.

 

Ihre Entgeltfortzahlung endet also auch, wenn die – zu der bereits laufenden einmaligen Erkrankung – hinzugetretene erste Phase der Fortsetzungserkrankung noch nicht 6 Wochen währt. Entgeltfortzahlung für die Fortsetzungserkrankung wird dann erst ab der 2. Krankheitsphase gewährt.
Aus der ersten Krankheitsphase wird auf den 6-Wochen-Zeitraum nur die Zeit angerechnet, in der Ihr Mitarbeiter ausschließlich der tatsächlichen Erkrankung an der späteren Fortsetzungserkrankung erkrankt war. Es besteht nur eine Arbeitsverhinderung infolge Krankheit (= Grundsatz der Einheit des Versicherungsfalls). Das klingt kompliziert und ist es auch. Deshalb ein Beispiel:

Beispiel: Prüfung lohnt sich!

Tina L. war wegen folgender Erkrankungen arbeitsunfähig erkrankt:
21.01. bis 02.03.: Arbeitsunfähigkeit wegen Knöchelbruch
19.02. bis 12.03.: Arbeitsunfähigkeit wegen Gürtelrose
17.04. bis 09.05.: Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Gürtelrose
07.11. bis 30.11.: Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Gürtelrose
Folge: Tina L. erhält für die Zeit vom 21.01. bis 03.03. (= 6 Wochen) die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Die am 19.02. eingetretene Erkrankung wegen der Gürtelrose löst wegen des Grundsatzes der Einheit des Versicherungsfalls keinen erneuten Zahlungsanspruch für weitere 6 Wochen aus. Da der 03.03. als letzter Tag noch innerhalb der 6-Wochen-Frist liegt, besteht für diesen Tag noch Entgeltfortzahlungsanspruch. Da für diesen Tag die Arbeitsunfähigkeit allein auf der Gürtelrose beruhte und die Ausnahmetatbestände des § 3 Absatz 1 Satz 2 Nr. 1 oder 2 EFZG nicht erfüllt sind, ist der 03.03. der Zeit vom 17.04. bis 09.05. (= 22 Kalendertage) und für die Zeit vom 07. bis 30.11. (= 19 Kalendertage) für die 6-wöchige Entgeltfortzahlung (= 42 Kalendertage) hinzuzurechnen. Tina L. erhält also auch für diese Arbeitsunfähigkeitszeiten Entgeltfortzahlung.

Wichtiger Hinweis!

Ihr Mitarbeiter muss also zwischen 2 krankheitsbedingten Zeiten der Arbeitsunfähigkeit arbeitsfähig gewesen sein, wenn für ihn ein neuer 6-Wochen-Zeitraum der Entgeltfortzahlung beginnen soll.

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