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Krank und trotzdem im Boxring – so etwas gibt es nur bei uns

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Von Arno Schrader,

Die Frage: Einer unserer Mitarbeiter ist seit 5 Wochen erkrankt. Er hat uns auch regelmäßig seinen Gelben Schein zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit vorgelegt. Nun haben wir durch einen Kollegen erfahren, dass der „so schwer Erkrankte“ fast jeden Abend im Boxring steht. Wie ist so etwas möglich? Sollen wir sofort kündigen?

 

Die Antwort: Ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt, braucht er nicht zur Arbeit zu erscheinen. Er ist lediglich verpflichtet, mit Ablauf des 3. Krankheitstags ein entsprechendes Attest vorzulegen. Ob er zudem verpflichtet ist, die ganze Zeit zu Hause zu sitzen, hat das Landesarbeitsgericht Köln in einem Fall entschieden, der dem oben Beschriebenen gleichen könnte (Urteil vom 02.11.2011, Az. 9 Sa 1581/10):

Ein Kfz-Sachverständiger war wegen eines grippalen Infekts arbeitsunfähig krankgeschrieben. Dennoch hat er während dieser Zeit eine kurzzeitige Gutachtertätigkeit wahrgenommen und er absolvierte ein Training im Fitnessstudio. Der Arbeitgeber hielt den Beweiswert der vorgelegten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für erschüttert und wollte deshalb keine Entgeltfortzahlung leisten. Der Beschäftigte wehrte sich. Er trug vor, im Fitnessstudio nur leichte Übungen absolviert zu haben. Diese hätten seine Genesung unterstützt.

 

Vor dem Landesarbeitsgericht hat der Arbeitnehmer gewonnen. Zur Begründung beriefen sich die Richter darauf, dass einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ein hoher Beweiswert zukomme. Durch sie werde die konkrete Vermutung begründet, dass der Arbeitnehmer infolge einer Krankheit arbeitsunfähig sei. Möchte der Arbeitgeber diesen Beweiswert erschüttern, muss er die Umstände näher darlegen, die gegen die Arbeitsunfähigkeit sprechen. Diese Umstände müssen so gravierend sein, dass sie ein starkes Indiz dafür seien, die Krankheit sei nur vorgetäuscht worden. Hier lagen keine so gravierenden Umstände vor.
Also: Wer krankgeschrieben ist, muss keineswegs die ganze Zeit zu Hause sitzen. Entscheidend ist, dass ein Arbeitnehmer sich nicht genesungswidrig verhält. Was als genesungswidrig beurteilt wird, hängt von den Umständen im Einzelfall ab. So kann ein kleiner Boxkampf bei einer psychischen Erschöpfung durchaus die Heilung fördern. Ob das so ist, lässt sich allerdings derzeit nicht klären. Deshalb sollten Sie Ihren Arbeitnehmer unverzüglich mit dem Vorwurf konfrontieren. Trägt er keine gute Begründung für sein Verhalten vor, sollten Sie den Medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Die weitere Entgeltfortzahlung sollten Sie ebenfalls von der Reaktion des Mitarbeiters abhängig machen.

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