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Urlaub ist bekanntlich die schönste Zeit des Jahres. Allerdings nur für den, der selbst Urlaub hat. Für Sie als Personalverantwortlichen ist Urlaub...

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Was tun Sie, wenn sich ein Arbeitnehmer selber Urlaub gibt?

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Urlaubsanspruch Kündigung

Von Günter Stein,

Die Antwort lautet nicht immer „Kündigen“ wie ein aktuelles Urteil zeigt! Auch wenn der zugrundeliegende Fall ein wenig überraschend ist.Der Fall:Die Entscheidung:Folge:Die Konsequenzen aus dem Urteil:

Denn eigentlich hätte es die Arbeitnehmerin besser wissen müssen. Immerhin ist sie bei der Bundesagentur für Arbeit angestellt …

Der Fall:

Nachdem der Arbeitnehmerin ein Urlaubswunsch verwehrt worden war, hatte sie auf eigene Faust gehandelt – und den Urlaub eigenmächtig angetreten. Der Arbeitgeber handelte sofort. Aufgrund dieses gravierenden Verstoßes kündigte er fristlos. Doch die Arbeitnehmerin wehrte sich – und landete vor dem für seine arbeitnehmerfreundlichen Urteile bekannten Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg einen Treffer.

Die Entscheidung:

Wer seinen Urlaub antritt, ohne sich vorher das ausdrückliche Okay seines Arbeitgebers zu holen, riskiert eine Kündigung. Hieran lassen auch die Berliner Richter keinen Zweifel. Aber: Da eine Kündigung immer nur die letzte aller möglichen Maßnahmen darstellen, müssen Sie alle Umstände des Einzelfalls berücksichtigen. Und das hat der Arbeitgeber im zugrundeliegenden Fall nach Auffassung der Berliner Richter nicht getan. Er hätte – so die Richter – berücksichtigen müssen, dass die Arbeitnehmerin bereits seit 31 Jahren bei ihm beschäftigt ist. Beanstandungsfrei. Nach einer so langen, einwandfreien Beschäftigungszeit aber kann ein einmaliger Verstoß in der Regel das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht so erschüttern, dass Ihnen als Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung nicht zuzumuten ist.

Folge:

Die Kündigung wurde kassiert. Der Arbeitgeber hätte erst abmahnen müssen (LAG-Berlin-Brandenburg, jetzt veröffentlichtes Urteil vom 26. November 2010, Az. 10 Sa 1823/10).

Die Konsequenzen aus dem Urteil:

Ein eigenmächtiger Urlaubsantritt eines Arbeitnehmers stellt immer eine schwerwiegende Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten dar. Der Arbeitnehmer kann damit einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung liefern (BAG, Urteil vom 22.01.1998, Az. 2 ABR 19/97). Dennoch müssen Sie jeden Einzelfall sorgfältig prüfen. So ist nach diesem neuen Urteil bei einem

  • sehr lange schon bestehenden UND
  • seitdem beanstandungslosen Arbeitsverhältnis

die Abmahnung das probatere Mittel.

Wichtig ist auch, dass Sie im Fall der Fälle überprüfen, ob Sie sich selbst korrekt verhalten haben. Sprich: Haben Sie die Ablehnung des Urlaubswunsches so ausreichend begründet, dass dem Arbeitnehmer klar war, warum er im Unternehmen gebraucht wird.

Und:

  • Verweigern Sie als Arbeitgeber aus nicht näher mitgeteilten Gründen den Urlaub, verhalten Sie sich rechtswidrig. In diesem Fall müssen Sie im Fall eines eigenmächtigen Urlaubsantritts ebenfalls erst eine Abmahnung schreiben – um dem Mitarbeiter klar zu machen, dass er den verweigerten Urlaub einklagen muss, statt ihn eigenmächtig zu nehmen (Arbeitsgericht (ArbG) Frankfurt, Az. 2 Ca 7114/03).
  • Das gilt auch, wenn ein Arbeitnehmer mit Arbeit auf Abruf in einer Nichteinsatzphase ohne Rücksprache mit dem Vorgesetzten seinen Urlaub antritt (ArbG Frankfurt, (Az. 10 Ca 9473/02).

Tipp: In der Regel verstehen die Gerichte bei der Selbstbeurlaubung wenig Spaß. Ihre Chancen in einem evtl. Kündigungsschutzprozess nach einer Kündigung wegen Selbstbeurlaubung Erfolg zu haben, werden größer, je besser sie mögliche Betriebsablaufstörungen darstellen oder sogar beweisen können. Damit erhöhen Sie Ihre Chancen, eine fristlose Kündigung erfolgreich durchzusetzen, auf jeden Fall.

 

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Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

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