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Scheinselbstständigkeit: Schützen Sie sich vor Versicherungsnachzahlungen

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Scheinselbstständigkeit Versicherungsnachzahlung

Von Günter Stein,

Als Arbeitgeber gehen Sie die geringsten Verpflichtungen ein und können flexibel auf die Auftragslage reagieren. Darüber hinaus sparen Sie Sozialabgaben an den Staat. Doch birgt das Verpflichten von Selbstständigen auch Risiken.

Das Sozialgesetzbuch gibt die Regeln vor: Angestellte, Scheinselbstständigkeit, Selbstständigkeit

Wenn Sie Ihren Vertrieb über externe Dienstleister organisieren wollen, müssen Sie die Gesetzgebung aus dem Sozialgesetzbuch berücksichtigen. Es genügt nicht, dass der Auftragnehmer für den Vertrieb Ihrer Produkte, z. B. Ihres Ozonmessgerätes eine Gewerbeanmeldung vorweisen kann.

Was liegt vor - Scheinselbständigkeit oder Selbständigkeit? Der Umstand entscheidet!

Egal ob Sie die Verträge als Arbeits-, Dienst- oder Werkvertrag bezeichnen – prüfen Sie, ob es sich tatsächlich um eine selbstständige Dienstleistung oder um einen Fall von Scheinselbstständigkeit handelt. Hierunter versteht der Gesetzgeber Vertragsverhältnisse über selbstständige Dienstleistungen für ein fremdes Unternehmen, die die gleichen Arbeiten beinhalten wie in einem Angestelltenverhältnis. Um eine echte Selbstständigkeit nachzuweisen, müssen unternehmerische Aktivitäten des Selbstständigen erkennbar sein.


Typische Merkmale für Scheinselbstständigkeit

  • keine eigenen Marketingmaßnahmen,
  • keine Rechnungen im eigenen Namen,
  • nur ein oder zwei Auftraggeber,
  • keine eigene Akquisition von Kunden,
  • keine freie Zeiteinteilung,
  • Sie benötigen keinen Einsatz eigenen Kapitals,
  • Sie benutzen keine eigenen Räume
  • Arbeitsmittel sind nicht frei wählbar
  • kein frei zu vereinbarender Preis

Ein Verdacht auf Scheinselbstständigkeit muss nicht vorliegen! Bücher werden ohnehin regelmäßig kontrolliert

Scheinselbstständigkeit ist nicht erlaubt und wird auch häufig von der Rentenversicherung Bund (früher: BfA) kontrolliert. Dazu muss kein Misstrauen Ihrem Unternehmen gegenüber vorliegen. Vielmehr handelt es sich um regelmäßige Prüfungen, die alle 2 bis 3 Jahre anstehen können.

Arbeitet dann ein Auftragnehmer in Ihrem Büro, der evt. auch noch zur Mitarbeiterbesprechung gerufen wird, wird der Prüfer hellhörig und fragt nach den tatsächlichen Umständen des Vertragsverhältnisses. Sind Sie unsicher, ob Scheinselbstständigkeit vorliegt, können Sie auch vorbeugend direkt bei der Rentenversicherung ein Anfrageverfahren durchführen. Die Rentenversicherung stellt dann einen Status fest, der nach einer Einspruchsfrist von 4 Wochen unanfechtbar wird.

Prüfen Sie zusammen mit der Rentenversicherung: Liegt Scheinselbstständigkeit vor?

Vermuten Sie eine Scheinselbstständigkeit bei einem Vertriebsmitarbeiter, einem freien Grafiker, oder einem Webdesigner, dann sprechen Sie diesen Mitarbeiter sofort an. Stellt sich heraus, dass die Kriterien für eine Scheinselbstständigkeit vorliegen, haben Sie 2 Möglichkeiten:

  • Entweder Sie trennen sich von Ihrem Dienstleister oder
  • Sie bieten ihm einen Arbeitsvertrag an.

Sonst kann es passieren, dass Sie die Versicherungsbeiträge der letzten 4 Jahre nachzahlen müssen. Die trägt der Auftraggeber bzw. Arbeitgeber fast vollständig allein, denn der Arbeitnehmer ist nur für die 3 letzten Monate der Arbeitnehmer-Anteile verantwortlich. Für die fälligen Steuerbeträge haften sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zu gleichen Teilen.

Unsicherheiten? Handelt es sich um Scheinselbstständigkeit?

Die folgende Checkliste gibt Ihnen eine erste Hilfestellung bei der Frage Scheinselbstständigkeit ja oder nein. Sie ersetzt nicht die endgültige Klärung durch einen Sachverständigen. Antworten Sie mehr als 3-mal mit Ja,

lassen Sie den Fall prüfen.

Checkliste Scheinselbstständigkeit

  1. Arbeitet der freie Mitarbeiter allein, ohne eigene Arbeitnehmer?
  2. Beschäftigt der Subunternehmer ausschließlich geringfügig Beschäftigte?
  3. Bestehen die Arbeitnehmer ausschließlich aus Familienangehörigen?
  4. Ist der freie Mitarbeiter faktisch an einen Auftraggeber gebunden, weil eine weitere Erwerbstätigkeit dem freien Mitarbeiter gar nicht möglich oder gar verboten ist?
  5. Verdient der freie Mitarbeiter mehr als fünf Sechstel seines Einkommens mit nur einem Auftraggeber? (Verbundene Auftraggeber zählen zusammen, beispielsweise verschiedene Unternehmen mit denselben Inhabern.)
  6. Ist der freie Mitarbeiter ähnlich in das Unternehmen eingebunden, wie die dort fest angestellten Mitarbeiter?
  7. Ist die geschuldete Leistung im Ergebnis vom freien Mitarbeiter persönlich zu erbringen?
  8. Ist der Arbeitsort des freien Mitarbeiters vom Auftraggeber vorgegeben?
  9. Ist die Arbeitszeit des freien Mitarbeiters vom Auftraggeber vorgegeben?
  10. Ist die Art und Weise der Auftragsabwicklung des freien Mitarbeiters vom Auftraggeber vorgegeben?
  11. Sind Termine des freien Mitarbeiters vom Auftraggeber vorgegeben?
  12. Trägt der freie Mitarbeiter das volle unternehmerische Risiko, ohne dass sich ihm aber die unternehmerischen Chancen eröffnen?
  13. Ist der freie Mitarbeiter an Preisvorgaben gebunden?
  14. Ist der freie Mitarbeiter an Bezugsquellen gebunden?
  15. Ist der freie Mitarbeiter in der Entscheidung über Einsatz von Kapital, Personal und Maschinen gebunden?

 

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