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Sozialversicherung: Falle der Scheinselbstständigkeit umgehen

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Von Günter Stein,

Es ist ruhig um das Thema Scheinselbstständigkeit geworden. Dabei ist es für Unternehmen nach wie vor wichtig - denn bei der Sozialversicherung drohen Nachzahlungen von mehreren 100.000 Euro.

Es macht schon einen erheblichen Unterschied, ob Sie einen festen oder freien Mitarbeiter beschäftigen. Ihr fester Mitarbeiter erhält ein Gehalt, hat Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und erhält ggf. noch zusätzlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Neben dem Gehalt werden auch Leistungen an die Sozialversicherung fällig. Auf der anderen Seite steht der freie Mitarbeiter, der immer dann eingesetzt wird, wenn er gerade benötigt wird. Krankheit und Urlaub gehen ebenso zu seinen eigenen Lasten wie die Aufwendungen für eine Kranken- und Rentenversicherung.

Scheinselbstständigkeit - Ein Scheinselbstständiger erbringt die Arbeiten eines Arbeitnehmers

Eine Scheinselbstständigkeit liegt immer dann vor, wenn der Betreffende zwar auf dem Papier Dienst- und Werkleistungen selbstständig anbietet, tatsächlich aber die Aufgaben eines Arbeitnehmers ausführt.

Scheinselbstständigkeit - Beispiel 1: Lagerist wird als Unternehmer tätig

Unternehmer U stellt seinen langjährigen Lageristen als freien Mitarbeiter ein. Sein Aufgabenbereich hat sich im Verhältnis zu seiner Festanstellung nicht geändert. Einziger Unterschied: Der Lagerist schreibt am Monatsende eine Rechnung über 2.500 € . Hier wird jeder Sozialversicherungsprüfer misstrauisch. Denn die Aufgabe des Lageristen wird üblicherweise von fest angestellten Mitarbeitern oder 400- € -Kräften übernommen. Im Beispielfall wird die Tätigkeit sicher als „Scheinselbstständigkeit“ eingestuft.

Scheinselstständigkeit - Die bisherigen Abgrenzungskriterien gelten weiterhin als Indizien

Bis zum 31. 12. 2002 sah § 7 Abs. 4 Sozialgesetzbuch Viertes Buch (SGB IV) vor, dass eine Scheinselbstständigkeit grundsätzlich immer dann vorlag, wenn 3 der nachfolgenden 5 Kriterien erfüllt waren. Diese Regelung gilt nicht mehr. Dennoch wird sie bei der Prüfung, ob eine Scheinselbstständigkeit vorliegt, immer noch als Indiz angewandt. Es handelt sich um diese 5 Punkte:

  1. Der Unternehmer beschäftigt im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit entweder keine eigenen oder nur Mitarbeiter mit einem Arbeitslohn von maximal 400 € im Monat.
  2. Der Unternehmer ist im Wesentlichen und auf Dauer nur für einen einzigen Auftraggeber tätig.
  3. Die vom Unternehmer übernommenen Tätigkeiten werden bei seinem Auftraggeber regelmäßig durch von ihm beschäftigte Arbeitnehmer erledigt.
  4. Die Tätigkeit lässt typische Merkmale unternehmerischen Handelns nicht erkennen.
  5. Die Tätigkeit entspricht dem äußeren Erscheinungsbild der Tätigkeit, die der Unternehmer für denselben Auftraggeber zuvor im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses ausgeübt hat.

Scheinselbstständigkeit - Beispiel 2: Auf diese Nachzahlungen müssen Sie sich einstellen

Die Sozialversicherungsprüfer erkennen die Ausgliederung des Lageristen aus dem vorherigen Beispiel nicht an. Sie stufen seine Tätigkeit als Scheinselbst- ständigkeit ein, da alle Indizien der oben aufgeführten 5 Punkte darauf hindeuten. Die Zahlungen an Ihren Lageristen sind in den Augen der Prüfer Arbeitslohn, und dieser wird immer netto ausgezahlt. Da Ihnen keine Lohnsteuerkarte vorlag, wird das Nettogehalt von 2.500 € auf das Bruttogehalt bei Steuerklasse VI umgerechnet. Hieraus errechnet sich ein Bruttogehalt von 5,663,71 € . Hiervon werden die folgenden Sozialversicherungsbeiträge fällig (vereinfachte Berechnung):

  • Bruttogehalt je Monat: 5.663,71 €
  • Rentenversicherung: 19,90 %
  • Arbeitslosenversicherung: 3,30 %
  • Pflegeversicherung: 1,70 %
  • Krankenversicherung: 13,90 %

-> Summe: 38,80 %

-> Nachzahlung Sozialversicherung: 26.370,23 €

Allein für diesen Mitarbeiter wird eine Nachzahlung von 26.370,23 € pro Jahr fällig. Da die Prüfer immer die letzten 4 Jahre prüfen, würde in dieser Situation schnell eine Nachzahlung zzgl. Zinsen von über 100.000 € zusammenkommen. Wer jetzt denkt, dass der scheinselbstständige Mitarbeiter 50 % der Sozialversicherungsbeiträge trägt, der irrt. Wird der freie Mitarbeiter als Scheinselbstständiger eingestuft, können Sie von ihm lediglich für maximal 3 Monate seinen Anteil verlangen.

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