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Sozialversicherung: Nebenjob oder Spaziergang - Was Ihren Mitarbeitern während der Krankschreibung erlaubt ist

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Von Günter Stein,

Erfahren Sie, dass sich Ihr Mitarbeiter trotz des „gelben Scheins“ für die Ausübung eines Nebenjobs noch gesund genug fühlt, kann Sie das sicher zur Weißglut bringen. Doch ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt, ist er vorübergehend nicht in der Lage, seine vertragsgemäße Arbeit zu verrichten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass damit jede anderweitige Betätigung ausgeschlossen ist.

Während einer Arbeitsunfähigkeit sind Ihre Mitarbeiter zwar verpflichtet, alles zu unterlassen, was den Heilungsprozess verzögern könnte – doch in der Praxis kommt es auf den jeweiligen Einzelfall an:

Beispiel: Ihr Kraftfahrer Adam O. ist nach einem Verkehrsunfall wegen 2 Rippenbrüchen und Prellungen des Fußgelenks krankgeschrieben. Ab der 4. Woche seiner Arbeitsunfähigkeit hilft Adam O. stundenweise in der Taxizentrale am Funk aus.

Folge: Die stundenweise sitzende Tätigkeit wird den Heilungsverlauf von Adam O. nicht verzögern. Sie können diesen Nebenjob weder verbieten, noch sonstige Konsequenzen darauf stützen.

Sozialversicherung: So stellen Sie Heilungsverzögerung fest

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Arbeitnehmer „Kasse macht“, um privat zu arbeiten, sollten Sie tätig werden. Mit folgendem Vorgehen sichern Sie sich auch im Hinblick auf einen späteren Prozess ab:

  • Dokumentieren Sie Ort, Zeit, Dauer und Art der Nebentätigkeit.
  • Stellen Sie Beweismittel (am besten Zeugen!) sicher.
  • Engagieren Sie bei Zweifels- oder Verdachtsfällen einen Detektiv. Die Kosten können Sie bei einer berechtigten Kündigung dem Mitarbeiter in Rechnung stellen.
  • Führen Sie ein Mitarbeitergespräch und hören Sie den Arbeitnehmer zu den Vorwürfen an.
  • Schlagen Sie eine unabhängige ärztliche Untersuchung hinsichtlich der Vereinbarkeit des Nebenjobs mit der Krankheit und dessen Auswirkungen auf den Heilungsprozess vor.

Wichtiger Hinweis: Ihr Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, Ihnen die Art der Krankheit mitzuteilen. In Zweifelsfällen können Sie aber den Medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten.

Sozialversicherung: Diese Aktivitäten sind (noch) erlaubt

Abhängig von der Erkrankung ist der Arbeitnehmer nur in den seltensten Fällen verpflichtet, das Bett zu hüten. Sie werden deshalb regelmäßig nicht auf genesungswidriges Verhalten schließen können, wenn Ihr Mitarbeiter

  • Spaziergänge unternimmt,
  • Sport treibt (Ausnahme: Leistungs- oder Extremsport),
  • Reisen oder Ausflüge unternimmt (sofern die Art der Erkrankung dem nicht entgegensteht),
  • Einkaufen geht oder
  • sonstige Besorgungen erledigt.

Maßstab ist auch bei der Freizeitgestaltung, dass sich der Arbeitnehmer zugunsten seiner Genesung schonen muss.

Beispiel: Ihre Mitarbeiterin Yvonne Z. ist wegen Magenproblemen für 2 Wochen krankgeschrieben. Gleichwohl erfahren Sie, dass Yvonne Z. am Wochenende für 3 Stunden an der Hochzeitsfeier ihrer besten Freundin Anne W. teilgenommen hat.

Folge: Allein die 3-stündige Anwesenheit auf der Hochzeitsfeier genügt nicht, um auf ein genesungswidriges Verhalten zu schließen.

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1. Kündigung

Täuscht ein Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit nur vor, um privat arbeiten zu können, rechtfertigt dies regelmäßig eine verhaltensbedingte Kündigung. Der Arbeitnehmer betrügt Sie nämlich mit Vorlage einer falschen Krankschreibung und erhält Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Allerdings müssen Sie beweisen, dass Ihr Arbeitnehmer tatsächlich nicht arbeitsunfähig krank war. Anhaltspunkte hierfür können sich aus der Art einer ausgeübten Nebentätigkeit oder aus sonstigen Aktivitäten ergeben, etwa wenn der Mitarbeiter während seiner Arbeitsunfähigkeit

  • beschwerliche Reisen unternimmt,
  • strapaziösen sportlichen Betätigungen oder
  • anstrengenden und beschwerlichen Nebentätigkeiten nachgeht.

Doch auch wenn Sie das Vortäuschen der Krankheit nicht beweisen können, bleibt unter Umständen immer noch eine Kündigung möglich. Während einer Arbeitsunfähigkeit sind Ihre Mitarbeiter nämlich verpflichtet, alles zu unterlassen, was den Heilungsprozess verzögern könnte. Eine grobe Verletzung dieser Pflicht stellt ebenfalls einen Kündigungsgrund dar.

2. Entgeltfortzahlung nur für die notwendige Genesungszeit

Verstößt Ihr Arbeitnehmer gegen die Pflicht, seine Genesung nicht durch uneinsichtiges Verhalten zu verzögern, müssen Sie sein Gehalt nur für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit zahlen, die die Krankheit bei pflichtgemäßem Verhalten gedauert hätte.

Beispiel: Ihre Schreibkraft Anne Z. ist wegen einer Sehnenscheidenentzündung für 3 Wochen krankgeschrieben. Nach 14 Tagen erzählt Ihnen der Vorgesetzte von Anne Z., er habe sie zufällig in einer Kneipe beim Bowling getroffen. Am nächsten Tag ruft Anne Z. bei Ihnen an und erklärt, die Entzündung habe sich verschlimmert und sie sei noch weitere 2 Wochen krank.

Folge: In diesem Fall müssen Sie die Entgeltfortzahlung nur für die Zeit leisten, die die Krankheit bei einem pflichtgemäßen Verhalten von Anne Z. gedauert hätte.

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