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Anschuldigungen: Wenn Ihr Azubi zur Zielscheibe wird

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Es ist eine unangenehme Situation für Sie als Ausbildungsverantwortlichem: Einer Ihrer Azubis steht im Verdacht, etwas schwerwiegend Negatives getan zu haben. Sie werden damit konfrontiert und müssen mit der Situation umgehen. Wie gehen Sie am besten vor?

 

Als Ausbildungsverantwortlicher haben Sie einerseits die Aufgabe, Ihre Azubis zu disziplinieren: Kritikgespräche und Ermahnungen stehen daher häufiger auf der Tagesordnung – Abmahnungen und Kündigungen sollten letzte Mittel bleiben. Andererseits müssen Sie Ihre Azubis aber auch schützen: vor Ausbeutung, sexuellen Übergriffen, Mobbing usw. – schließlich sind sie das schwächste Glied in der betrieblichen Kette.

Ausbildung steht auf dem Spiel

Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfeldes müssen Sie nun handeln, wenn einer Ihrer Azubis unter einen Verdacht gerät.
Beispiel: In einer Ausbildungsabteilung wird offenbar in unregelmäßigen Abständen in die Kaffeekasse gegriffen. Mittlerweile sind mehr als 50 Euro verschwunden. Diese Vorfälle haben nach Meinung von Kollegen angefangen, als ein neuer Azubi in die Abteilung kam. Man ist sich folglich ziemlich sicher, dass der Azubi der Täter ist, zumal er „irgendwie komisch“ reagierte, wenn er darauf angesprochen wurde. Beweise liegen nicht vor. Niemand hat den Azubi beim Griff in die Kasse ertappt.
Analyse der Situation: Ein Diebstahl über 50 Euro ist ein schwer wiegendes Vergehen, das in jedem Falle eine berechtigte Kündigung nach sich ziehen dürfte. Immer vorausgesetzt, die Tat wurde zweifelsfrei nachgewiesen und einer Person zugeordnet. Für Sie ist damit klar: Es geht um sehr viel. Im Falle einer Aufklärung ist nämlich ohne Zweifel eine Kündigung fällig. Es stellt sich nur die Frage: Für wen?
Rechtlicher Hintergrund: Ausbildungsverhältnisse sind zwar in besonderem Maße geschützt und daher nur schwer kündbar. Das gilt erst recht für eine Kündigung ohne Abmahnung. Im Falle von Diebstahl gehen Arbeitsrichter aber davon aus, dass das Vertrauensverhältnis so stark gelitten hat, dass für den Betrieb eine Fortführung des Ausbildungsverhältnisses unzumutbar ist.

Eine lückenlose Prüfung ist unumgänglich

Sie und andere Vorgesetzte sollten alles dafür tun, den Fall aufzuklären. Führen Sie mit allen beteiligten Kollegen individuelle Gespräche und bitten Sie um Verschwiegenheit unter den Kollegen. Ermitteln Sie so, ob es Widersprüche gibt beziehungsweise Indizien für Absprachen unter einigen Mitarbeitern. So stellen Sie fest, ob tatsächlich ein Fall von Mobbing vorliegt und man versucht, einen ungeliebten Azubi auf diese Art loszuwerden. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch möglich, dass sich der Verdacht erhärtet.

 

In jedem Fall ist ein Gespräch mit dem betroffenen Azubi selbst natürlich unumgänglich. Legen Sie ihm die in den Raum gestellten Vorwürfe dar und lassen Sie ihn die Sachlage aus seiner Sicht schildern. Verstrickt er sich in Widersprüche? Sieht er sich als Opfer? Welches Interesse könnten die Kollegen haben, ihm eine Straftat anzuhängen? Fragen Sie danach konkret.
Im besten Falle führen die Gespräche zur Klarheit. Wenn sich die Unschuld des Auszubildenden zweifelsfrei herausstellt (z. B. weil er ein eindeutiges Alibi vorweisen kann, wie seine Anwesenheit im Berufsschulunterricht), dann haben die Vorgesetzten der schuldigen Kollegen ihrerseits zu handeln und zu ermitteln, beispielsweise wegen Mobbing oder eben wegen Diebstahls. Wenn jedoch der Azubi eindeutig als Täter identifiziert werden kann oder er die Tat selbst zugibt, bleibt Ihnen als Konsequenz in der Regel nur die fristlose Kündigung.

Eine Verdachtskündigung kommt nicht in Frage

Ist jedoch eine lückenlose Aufklärung der Tat nicht möglich und es steht weiterhin Aussage gegen Aussage, dann sollten Sie mit Bedacht handeln. Denn eines ist sicher: Selbst wenn die Indizien den Auszubildenden stark belasten – eine Verdachtskündigung sollten Sie nicht in Erwägung ziehen. Während bei normalen Mitarbeitern und entsprechender Indizienlage eine Verdachtskündigung durchaus zum Erfolg führen kann, gilt dies in Bezug auf Ausbildungsverhältnisse nicht. Sobald der ohne Beweis beschuldigte Auszubildende eine Kündigungsschutzklage erhebt, hat er beste Chancen, damit erfolgreich zu sein. Hier unterscheiden Arbeitsrichter nämlich sehr genau, ob es sich um Ausbildungs- oder ein gewöhnliches Arbeitsverhältnis handelt.
Handeln müssen Sie jedoch in jedem Fall: Da das Vertrauensverhältnis zwischen den Betroffenen in der Ausbildungsabteilung Schaden genommen hat, ist es für alle Seiten das Beste, wenn Sie den Azubi in eine andere Abteilung schicken. So lässt sich auch beobachten, ob es weiter zu Diebstählen kommt. Wählen Sie die neue Ausbildungsabteilung mit Bedacht aus. Informieren Sie die dortigen Vorgesetzten und Fachausbilder (und zwar nur die!) vertraulich über die Gründe für die Änderung der Ausbildungsplanung.
Folgerungen für Sie als Ausbildungsverantwortlichem:

  1. Bei bewiesenen Vergehen müssen Sie stets konsequent handeln und so weitere Straftaten verhindern.
  2. Bestehen unbewiesene Verdachtsmomente, dürfen Sie keinesfalls kündigen. Auch für Auszubildende gilt die Unschuldsvermutung.

 

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