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So verhindern Sie, dass Ihr Azubi in den ersten Monaten hinschmeißt

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Auzubi
Urheber: Daniel Ernst | Fotolia

Von Martin Glania,

Aus dem Berufsbildungsbericht 2017 geht hervor, dass im zuletzt ausgewerteten Jahr 2015 mehr als 140.000 Ausbildungsverträge frühzeitig aufgelöst worden sind. Die Abbruchquote liegt damit bei 24,9 %. Für die Ausbildungsbetriebe ist das mit zahlreichen Nachteilen verbunden. Daher sind Sie als Ausbildungsverantwortlicher gefragt, alles dafür zu tun, um Abbrüche zu verhindern.

Aus dem Berufsbildungsbericht gehen die Gründe für die Ausbildungsabbrüche nicht hervor. Frühere Erhebungen zeigen allerdings, dass in mehr als der Hälfte aller Fälle der Auszubildende der Initiator des Abbruchs ist. Dabei spielen mangelnde Ausbildungsqualität, Konflikte mit Kollegen, schlechte Arbeitsbedingungen und unrealistische Berufsvorstellungen eine tragende Rolle.

Die Wahrscheinlichkeit eines Ausbildungsabbruchs hängt auch vom Ausbildungsberuf ab. So sind vor allem Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe von hohen Quoten betroffen. Der Restaurantfachmann hat mit 49,6 % eine „Spitzenposition“ inne. Im verwaltenden Bereich ist die Abbruchquote hingegen besonders niedrig. Bei Verwaltungsfachangestellten liegt sie bei 3,6 %.

Das sind die negativen Folgen eines Ausbildungsabbruchs

Die negativen Folgen bekommt einerseits der Azubi zu spüren: Nicht jede Abbruch-Initiative ist wohlüberlegt, und manch einer dürfte es bereits bereut haben, seine Berufsausbildung zu früh „geschmissen“ zu haben. Vor allem aber sind Sie als Ausbildungsverantwortlicher und der gesamte Ausbildungsbetrieb negativ vom Ausbildungsabbruch betroffen – und das in 3-facher Hinsicht:

1. Der Azubi fehlt Ihnen – als Auszubildender ein wenig, vor allem aber als künftige Fachkraft

Dass ein Auszubildender von einem Tag auf den anderen nicht mehr im Betrieb ist, sollte für die Leistung des betroffenen Unternehmens von eher geringer Bedeutung sein: Ein Azubi wird ausgebildet, und seine produktive Leistung steht nicht im Vordergrund. Daher wird er Ihnen als Auszubildender zwar ein wenig fehlen, vielmehr jedoch in einigen Jahren als Fachkraft. Angesichts der Bewerberlage ist es kaum möglich, unmittelbar adäquaten Ersatz zu finden. Da macht es Sinn, im nächsten Jahr bei der Einstellung von Azubis für einen Ausgleich zu sorgen. Unter dem Strich bleibt: Bei der Qualifikation der jungen Menschen verlieren Sie ein ganzes Jahr. Angesichts des Fachkräftemangels sind die Folgen umso heftiger spürbar, da ausgebildete Kräfte rar und in der Regel auch teuer sind.

2. Der Ruf des Ausbildungsunternehmens leidet

Je höher die Abbruchquote in einem Ausbildungsunternehmen ist, desto mehr leidet dessen Ruf. Das gilt erst recht, wenn ein Azubi nach einem Ausbildungsabbruch schlecht über seinen ehemaligen Ausbildungsbetrieb redet. Diese Wirkung kann sich vervielfachen, wenn Unmutsäußerungen und möglicherweise berechtigte Kritik in sozialen Netzwerken diskutiert werden.

Zahlreiche potenzielle Bewerber der nächsten Jahre können mitlesen und einen negativen Eindruck erhalten. Das würde die Bewerberzahlen der nächsten Jahre schrumpfen lassen.

3. Ihre Fähigkeiten könnten angezweifelt werden

Aber auch die Wirkung auf Ihre Person und Ihre Kompetenz darf nicht unterschätzt werden: Wenn unter Ihrer Verantwortung Auszubildende eingestellt werden und sich hinterher eine recht hohe Abbruchquote zeigt – insbesondere in den ersten Monaten –, dann wird der eine oder andere fragen, ob Sie die richtigen Kriterien bei der Einstellung von Auszubildenden angelegt haben. Dass es heutzutage schwerer ist, leistungsstarke und motivierte Schulabgänger zu finden, wird bei solchen Argumentationsmustern häufig ignoriert. Sie schützen also auch sich selbst und Ihr Ausbildungspersonal, wenn Sie die Abbruchquote in Grenzen halten. Wie aber können Sie das bewerkstelligen?

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6 Abbruchgründe – und wie Sie sie vermeiden

Wer aktiv etwas gegen Ausbildungsabbrüche tun will, der sollte zunächst einmal analysieren, aus welchen Gründen ein Auszubildender seinem Ausbildungsbetrieb freiwillig den Rücken kehren könnte. Im Folgenden werden 6 Abbruchgründe genannt. Vor allem aber erhalten Sie zu jedem davon Tipps, was Sie dagegen tun können, dass der Ausbildungsabbruch tatsächlich vollzogen wird.

Abbruchgrund 1: Falsche Erwartungshaltung

Häufig leisten allgemeinbildende Schulen, insbesondere Gymnasien, nur eine mäßige Vorarbeit, um bei künftigen Auszubildenden eine realistische Erwartungshaltung zu schaffen. Die Mehrzahl der (Gymnasial-)Lehrer hat keine Ausbildung durchlaufen, mancher Pädagoge verfügt sogar über keinerlei berufliche Erfahrung außerhalb von Schule und Universität. Darüber hinaus wird die Berufsorientierung nicht in allen Schulformen und allen Bundesländern gleichermaßen gefördert. Das Ergebnis: Die Auszubildenden erleiden bereits in den ersten Wochen einen Praxisschock.

Das tun Sie dagegen: Stellen Sie sich bereits im Bewerbungs- verfahren darauf ein, dass die beruflichen Vorerfahrungen der Bewerber eher gering sind. Nutzen Sie die Zeit mit einem Bewerber, um ihm realistische Eindrücke von der Berufsausbildung zu vermitteln. Sorgen Sie dafür, dass ein Bewerber tat- sächlich etwas vom Ausbildungsbetrieb sieht und Kontakt zu anderen Auszubildenden – im besten Fall des gleichen Berufs – erhält. Darüber hinaus können Sie auf Ihrer Internetseite detaillierte Berufsbeschreibungen aufführen, über die Rahmenbedingungen in Ihrem Unternehmen berichten, Azubi-Interviews veröffentlichen und mit Film und Foto Ihre Ausbildungsberufe vorstellen. Wichtig dabei: Beschönigen Sie nichts und erwähnen Sie beispielsweise auch, dass schwere körperliche Arbeit, Wochenendarbeit oder Ähnliches anstehen könnte.

Abbruchgrund 2: Mangel an Führung

Neue Azubis müssen unbedingt betreut werden. Nur wenige haben die Fähigkeit, von Beginn an selbstständig zu arbeiten, indem sie bestimmte Dinge erfragen und mutig genug sind, etwas auszuprobieren. Die meisten Azubis, die keine Führung erfahren, fühlen sich vielmehr vernachlässigt, empfinden Langeweile und werden ihre Ausbildung daher nicht schätzen.

Das tun Sie dagegen: Abgesehen von den Gefahren, die mit mangelnder Führung verbunden sind, fühlen sich junge Menschen mehrheitlich sicherer, wenn sie geführt und angeleitet werden. Das gilt zumindest für die ersten Ausbildungsmonate: Jedem Auszubildenden – gerade des 1. Ausbildungsjahres – muss klar sein, welche Arbeitsschritte richtig oder falsch, günstig oder ungünstig, verboten oder erlaubt sind. Das sorgt nicht nur für Orientierung, sondern vermeidet Streitereien und Arbeitsunfälle.

Abbruchgrund 3: Überforderung

Ausbildungsunternehmen, die ihr Personal nicht gut genug auf die Ausbildungsarbeit einstellen und zu wenig führen, laufen Gefahr, Arbeitsaufträge zu vergeben, die nicht angemessen sind. Das kann zu einer frustrierenden Überforderung von Auszubildenden, die ohnehin nach Orientierung suchen, führen. Damit bleiben Erfolgserlebnisse aus – was die Wahrscheinlichkeit eines Ausbildungsabbruchs deutlich steigert.

Das tun Sie dagegen: Seien Sie stets nah genug an Ihrem Azubi dran. So erkennen Sie schnell, wenn er bestimmte Arbeitsschritte nicht oder noch nicht bewältigen kann. Häufig braucht ein Auszubildender nur eine kleine Information, einen Tipp für einen Zwischenschritt oder auch nur gutes Zureden, um erfolgreich zu sein.

Liegen die Probleme tiefer, haben Sie ebenfalls Möglichkeiten, einzugreifen und dem Azubi zurück in die Erfolgsspur zu helfen:

  • Bieten Sie ihm Arbeitsalternativen und geben Sie ihm Aufgaben, die er auf jeden Fall bewältigen kann. So kommt er zu Erfolgserlebnissen und sammelt Selbstvertrauen. Das stärkt ihn, ggf. auch schwierigere Aufgaben zu bewältigen.
  • Informieren Sie sein berufliches Umfeld über die – hoffentlich bloß zwischenzeitlichen – Probleme. Fordern Sie die Kollegen auf, Schwächen zu akzeptieren und den Azubi gezielt zu unterstützen.
  • Darüber hinaus bieten Sie zusätzlichen Unterricht an, falls Sie vermuten, dass es Defizite in der Theorie gibt. Denken Sie daran, dass es nicht unbedingt Geld kostet, sondern nur einen Anruf bei der Arbeitsagentur, damit der Azubi die für Sie kostenneutralen berufsbegleitenden Hilfen in Anspruch nimmt.
  • Letztlich weisen Sie darauf hin, dass auch Sie dem Azubi direkt durch Gespräche oder fachliche Erläuterungen helfen können. Sagen Sie ihm konkret, wann Sie für ihn erreichbar sind. Zeigen Sie sich ausnahmslos von Ihrer hilfsbereiten Seite, wenn sich der Azubi – was ein gutes Zeichen ist – vertrauensvoll an Sie wendet.

Abbruchgrund 4: Unterforderung

Unterforderung ist ein genauso gewichtiger Grund, eine Ausbildung abzubrechen, wie Überforderung. Gerade, wenn Sie Auszubildende mit beruflicher Vorbildung, mit Abitur oder mit Erfahrungen aus einem Studium einstellen, müssen Sie mit Unterforderung rechnen.

Das tun Sie dagegen: Unterforderung vermeiden Sie, indem Sie dem Azubi anspruchsvolle Aufgaben geben, ihm angemessen viel Freiraum einräumen und ein erhöhtes Maß an Verantwortung übertragen. Sprechen Sie solche gezielten Maßnahmen und auch Veränderungen im Ausbildungsablauf mit allen Ausbildern und Kollegen in den jeweiligen Abteilungen ab. Es ist durchaus möglich, Unterforderung gezielt zu vermeiden, wenn alle an der Ausbildung Beteiligten Bescheid wissen und sich entsprechend engagieren.

Abbruchgrund 5: Attraktive berufliche Alternative

Es kann vorkommen, dass ein Azubi kurzfristig seinen Traum-Studienplatz oder seine Traum-Ausbildung (die Sie nicht vorweisen können) angeboten bekommt.

Das tun Sie dagegen: In einem solchen Fall sind Ihre Karten nicht allzu gut, dem etwas entgegenzusetzen. Sie müssten als Ausbildungsbetrieb schon sehr überzeugen, damit ein Azubi seinen Traum-Beruf, sein Traum-Studium oder seine Traum-Ausbildung „sausen“ lässt. Verhindern können Sie einen so motivierten Ausbildungsabbruch vor allem dann, wenn Sie bereits im Einstellungsverfahren die tatsächlichen Ziele des Bewerbers durch geschicktes Fragen in Erfahrung bringen und ihn ggf. nicht einstellen.

Abbruchgrund 6: Alternative im gleichen Ausbildungsberuf

Viel besser stehen Ihre Chancen, wenn der Azubi in dem Ausbildungsberuf, den er bei Ihnen erlernt, ein Alternativangebot erhält, das er ursprünglich vorgezogen hätte. Normalerweise würde ihn das ins Wanken bringen, und ein Ausbildungsabbruch wäre möglich.

Das tun Sie dagegen: Wenn Sie bis zu diesem Zeitpunkt jedoch als Ausbildungsbetrieb überzeugt haben, wenn der Azubi bereits in den ersten Wochen etwas über seine hervorragenden Perspektiven erfahren hat, wenn das Betriebsklima stimmt und er sich einfach gut aufgehoben fühlt, dann wird er das Alternativangebot wahrscheinlich nicht wahrnehmen. Es gibt also gute Gründe, die Ausbildung von Anfang an qualitativ, menschlich und fachlich positiv zu gestalten – und dabei keine Kompromisse zu machen.

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