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Bewerber abgelehnt: Entschädigung nur bei ernsthafter Bewerbung

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Von Astrid Engel,

Als das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) 2006 in Kraft trat, fürchteten viele Unternehmer eine wahre Klagewelle vermeintlich diskriminierter Bewerber. Die ist glücklicherweise ausgeblieben. Die Arbeitsgerichte blocken zudem Klagen ab, mit denen erfolglose Bewerber offensichtlich nur Geld kassieren wollen. Offenbar bewerben sich diese so genannten AGG-Hopper gezielt auf Stellenanzeigen, die ihnen später Möglichkeiten einer Entschädigungsklage bieten.

Als das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) 2006 in Kraft trat, fürchteten viele Unternehmer eine wahre Klagewelle vermeintlich diskriminierter Bewerber. Die ist glücklicherweise ausgeblieben. Die Arbeitsgerichte blocken zudem Klagen ab, mit denen erfolglose Bewerber offensichtlich nur Geld kassieren wollen. Offenbar bewerben sich diese so genannten AGG-Hopper gezielt auf Stellenanzeigen, die ihnen später Möglichkeiten einer Entschädigungsklage bieten.

Praxisbeispiele: Wenn Bewerber nur kassieren wollen

Eine Arztpraxis suchte per Stellenanzeige eine Arzthelferin mit mehrjähriger Berufspraxis. Ein Krankenpfleger, der zu der Zeit in einem Krankenhaus angestellt war, hatte sich auf die Stelle beworben und war abgelehnt worden. Er verklagte den Praxisinhaber auf Schadenersatz, da er sich wegen seines Geschlechts benachteiligt fühlte. Die Richter sahen seine Bewerbung nicht als ernsthaft an. Unter anderem deshalb, weil der Bewerber in seiner ungekündigten Anstellung 1.000 € mehr verdiente. Diese  erhebliche Vergütungseinbuße lasse erhebliche Zweifel an einer ernsthaften Stellenbewerbung aufkommen. Außerdem war der Bewerber für die Stelle als Arzthelferin nicht qualifiziert, weil er für die erforderlichen Verwaltungsarbeiten nicht ausgebildet war. Die Klage wurde abgelehnt. (Landesarbeitsgericht Rehinland-Pfalz, 6 Sa 522/07).  

Aus der Entscheidung geht hervor: Fühlt sich ein Bewerber diskriminiert, kann er keinen Schadenersatz nach dem AGG verlangen, wenn er sich nicht ernsthaft um eine Stelle beworben hat. Eine ernsthafte Bewerbung setzt voraus, dass der Bewerber

  • objektiv für die zu besetzende Stelle geeignet ist und
  • sich subjektiv ernsthaft um die Stelle beworben hat.


Ein ähnlicher Fall: Die Verkäuferin eines Textilgeschäfts klagte gegen einen Lebensmittelfilialisten, der eine Stelle nur in der männlichen Formulierung „Filialleiter“ ausgeschrieben hatte. Während des Prozesses stellte sich heraus, dass die erfolglose Bewerberin kurz zuvor bereits drei andere Unternehmen auf eine eine Entschädigung nach AGG verklagt hatte. Offenbar hatte sich gezielt auf Stellenausschreibungen mit Alters- oder Geschlechtseinschränkungen beworben.  (Arbeitsgericht Celle, 2 Ca 35/07). Die Klage wurde ebenfalls abgewiesen.

So prüfen sie, ob der Bewerber es ernst meint

Diese Indizien lassen vermuten, dass der Bewerber sich nicht ernsthaft auf die Stelle bewirbt:

  • Der Bewerber ist für die Stelle über- oder unterqualifiziert und bewirbt sich aus ungekündigter Stellung.
  • Die Gehaltsforderung des Bewerbers ist überzogen.
  • Der Bewerber verdient in seiner ungekündigten Stellung deutlich mehr.
  • Die Bewerbung ist in Form und Inhalt unsauber und lückenhaft.
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