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Wenn Sie einen Kandidaten zum Bewerberinterview einladen, haben Sie sich bereits davon überzeugt, dass zumindest formal eine Eignung für die...

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Bewerbungsgespräche: Welche Fragen jetzt erlaubt und welche mittlerweile verboten sind

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Von Günter Stein,

Der Deutsche Anwaltverein kürzlich ein Urteil des Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm aufgegriffen (Urteil vom 10.3.2011, Az. 11 Sa 2266/10), das eine Leserin zum Anlass genommen hat, um mir folgende Frage zu schicken: „Können Sie mir eine Praxisübersicht der erlaubten und der verbotenen Fragen in Bewerbungsgesprächen schicken?“

Da ich davon ausgehe, dass Ihnen eine solche Übersicht mehr Rechtssicherheit bietet, greife ich das Urteil und natürlich die Frage der Leserin heute auf.

Der Fall:

Ein Diplomingenieur hatte sich als Seiteneinsteiger für eine Lehrerstelle an einer Hauptschule beworben. Bei der Einstellung unterschrieb er folgende Erklärung:

„Ich versichere, dass gegen mich kein gerichtliches Strafverfahren und kein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen eines Vergehens oder Verbrechens anhängig ist oder innerhalb der letzten drei Jahre anhängig gewesen ist.“

Aufgrund eines anonymen Hinweises rund einen Monat später stellte sich heraus, dass gegen den Mann mehrere Ermittlungsverfahren anhängig gewesen waren. Alle waren ohne Verurteilung abgeschlossen worden. Daraufhin kündigte ihm die Schule. Er wehrte sich mit einer Kündigungsschutzklage vor Gericht.

Die Entscheidung:
Die Kündigung war unwirksam. Ein Stellenbewerber darf nicht nach Ermittlungsverfahren gefragt werden, die ohne Verurteilung abgeschlossen worden sind. Da der Bewerber in solchen Fällen nicht vorbestraft ist, habe er keine Verpflichtung, sich zu offenbaren und darf sogar lügen, ohne dass Sie als Arbeitgeber daraus Konsequenzen ziehen dürfen.

Meine Empfehlung:
Bei einem Bewerbungsgespräch einem Kandidaten hinter die Stirn zu schauen, ist nicht immer ganz einfach. Trotzdem können Sie ihm mehr Fragen stellen als so mancher Arbeitgeber oder Personaler glaubt. Die folgende Übersicht bietet Ihnen einen kompakten Überblick:

Zulässige und unzulässige Fragen von A bis Z

Die folgende Übersicht zeigt Ihnen, welche Fragen in einem Bewerbungsgespräch zulässig sind und deshalb wahrheitsgemäß beantwortet werden müssen und bei welchen (unzulässigen) Fragen Ihr Bewerber lügen darf:

Frage zulässigunzulässig
Beruflicher Bereich
früherer ArbeitgeberX
Dauer der bisherigen ArbeitsverhältnisseX
Zeugnis- und PrüfungsnotenX
Beurteilungen und QualifikationenX
NebentätigkeitX
WettbewerbsverboteX
Persönlicher Bereich
Vor- und ZunamenX
WohnortX
FamilienstandX
GeburtsdatumX
BetriebsratstätigkeitX
HeiratsabsichtX
HomosexualitätX
StaatsangehörigkeitX
Partei- oder GewerkschaftszugehörigkeitX
Geplante oder derzeitige SchwangerschaftX
SchwerbehinderteneigenschaftX
Uneingeschränkte körperliche BelastbarkeitX
Wehr- oder ZivildienstX

Tipp: Sonderfälle zulässiger bzw. unzulässiger Fragen

  1. Die Frage nach einer HIV-Infektion ist eingeschränkt zulässig, wenn durch die ausgeübte Tätigkeit eine unmittelbare Übertragungsgefahr besteht (z. B. Heilberufe).
  2. Nach der bisherigen Gehaltshöhe dürfen Sie nur fragen, wenn sie für die zu besetzende Stelle von Bedeutung ist und vom Bewerber als Mindestvergütung von sich aus genannt wurde.
  3. Informationen über den Gesundheitszustand sind nur eingeschränkt erlaubt. Zulässig ist aber beispielsweise die Frage: „Liegt eine Krankheit vor, welche die Eignung für die vorgesehene Tätigkeit dauerhaft oder regelmäßig wiederkehrend einschränkt?“
  4. Die Frage nach bestehenden Vorstrafen ist zulässig, wenn zwischen der Arbeitsstelle und der Vorstrafe ein konkreter Bezug besteht (Betrug durch einen Buchhalter, Verkehrsstraftaten eines Kraftfahrers). Ein polizeiliches Führungszeugnis können Sie zwar nicht pauschal verlangen. Aber: Auf Ihren Wunsch hin darf der Bewerber Ihnen natürlich ein polizeiliches Führungszeugnis zusenden.

 

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