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Dürfen Sie Mitarbeiter für Ihr „junges und motiviertes Team“ suchen?

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Von Günter Stein,

Das AGG, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, hat die Mitarbeiter-, pardon: die Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitersuche nicht leichter gemacht. Denn es gibt immer wieder Prozesshansel, die nur darauf warten, sich auf eine vermeintlich diskriminierende Stellenanzeige zu bewerben, um im Fall der Ablehnung der Bewerbung Schadenersatzansprüche einklagen zu können.

So auch im Fall eines Autohauses, dass folgende Anzeige schaltete, als man einen Finanzbuchhalter bzw. eine Finanzbuchhalterin suchte:
Wollen Sie gemeinsam mit uns erfolgreich sein? Unser Autohaus ist Teil einer innovativen, mehrfach im Bereich Kundenzufriedenheit ausgezeichneten Unternehmensgruppe. Wir bieten einen zukunftssicheren Arbeitsplatz in einem jungen und motivierten Team.
Ein 58-jähriger Mann bewarb sich. Er war ausgebildeter Finanzbuchhalter, aber bereits seit 2002 arbeitslos. Das Autohaus teilte ihm mit, „dass wir Ihnen keinen Arbeitsplatz entsprechend Ihren Fähigkeiten anbieten können“. Er klagte auf Schadenersatz aufgrund Diskriminierung wegen seines Alters.
Das Landesarbeitsgericht (LAG) Nürnberg aber entschied: Keine Diskriminierung (Az. 2 Sa 574/11). Der Arbeitgeber hatte nicht explizit einen jungen Mitarbeiter bzw. eine junge Mitarbeiterin gesucht. Das Adjektiv „jung“ in der Stellenanzeige bezog sich nicht auf die Eigenschaft des Bewerbers. Zudem sei die Zeile „Wir bieten einen zukunftssicheren Arbeitsplatz in einem jungen motivierten Team“ Teil eines gesamten Absatzes, welcher ersichtlich nur der allgemeinen Selbstdarstellung des Arbeitgebers dient.

Doch Achtung:
In einem anderen Fall hatte das LAG Hamburg entschieden, dass der Satz „Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, eigene Ideen und Vorstellungen in ein junges, erfolgreiches Team einzubringen“ diskriminierend verstanden werden kann (Az. 5 Sa 14/10). Der Satz stand losgelöst von der Arbeitgeberbeschreibung.

Vermeiden Sie Indizien einer Diskriminierung

Die Suche nach „jungen Mitarbeitern“ ist ein Klassiker, wenn es um Entschädigungen wegen Altersdiskriminierung geht. Wenn Sie sich selbst nicht auf Ihr Glück verlassen wollen, sollten Sie Indizien, die auf eine Altersdiskriminierung hindeuten, unter allen Umständen vermeiden!

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Diskriminierung einen älteren Bewerber gegenüber einem jüngeren trifft oder umgekehrt. Der Schutz vor Diskriminierung betrifft jedes Alter. Auch muss sich die Formulierung nicht ausdrücklich auf ein bestimmtes Alter oder auf Lebensjahre beziehen. Es kann schon genügen, wenn ein Bezug zur Berufserfahrung hergestellt wird. Hier kommt es darauf an, ob es einen sachlichen Grund für das Kriterium gibt. Dies sollten Sie immer dann beachten, wenn Sie eine Stellenanzeige formulieren, egal ob für eine Zeitschriftenanzeige oder einen Aushang im Schaufenster.

Vorsicht mit diesen Formulierungen!

Folgende Formulierungen in Ihren Stellenausschreibungen sollten Sie vermeiden. Diese werden als Indizien für eine Altersdiskriminierung angesehen:

  • „Wir suchen einen jungen und dynamischen/engagierten Mitarbeiter.“
  • „Für unser junges Team suchen wir Unterstützung.“
  • „Wir suchen einen ... unter/ über ... Jahre alt.“
  • „Wir suchen ... mit langjähriger Berufserfahrung“ oder „mit ... Jahren Berufserfahrung“ nur wenn es tatsächlich sachlich als Kriterium für die Stelle begründet ist, was Sie aber beweisen können müssen

 

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