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Gleichstellung: auch für Headunter

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Headhunter
Urheber: Syda Productions | Fotolia

Von Inge Horstkötter,

Sie kennen dies vielleicht auch aus Ihrer Behörde: Für Spitzenpositionen werden häufig Personaldienstleister, sogenannte Headhunter, eingesetzt. Das hat Vorteile, da hierdurch nur Personen ausgesucht werden, die auf die zu besetzende Stelle passen. Aber wie ist hiermit gleichstellungsrechtlich umzugehen? Das lesen Sie im Folgenden.

Sie als Gleichstellungsbeauftragte sind insbesondere bei der Besetzung von Führungspositionen gefragt – sind hier doch häufig gleichstellungsrechtliche Defizite in Bezug auf die Unterrepräsentanz von Frauen auszumachen (siehe hierzu Seite 8). Und genau diese Unterrepräsentanz soll ja behoben werden und Sie haben darüber zu wachen, dass dies auch geschieht.

Personalsuche über Headhunter kann Gleichstellungsrecht unterlaufen


Bei der klassischen Personalsuche hat der Gesetzgeber gleichstellungsrechtliche Vorgaben zur Ausschreibung und auch zur Bewerberauswahl in allen Frauengleichstellungsgesetzen des Bundes und der Länder gemacht, um Gleichstellungsdefiziten vorzubeugen. Diese Regelungen laufen aber ins Leere, wenn ein Headhunter eingeschaltet wird, der für gewöhnlich andere Wege der Personalakquise geht und beispielsweise keine Anzeigen schaltet.

Bestehen Sie trotz Headhunter auf einer Ausschreibung!

In der Praxis stellt sich nun die Frage: Wie gehen Sie als Gleichstellungsbeauftragte mit dieser Situation um? Es kann ja durchaus sinnvoll sein, über einen Headhunter Spitzenpersonal zu suchen.

Allerdings wird aus gleichstellungsrechtlicher Sicht auf eine Ausschreibung in der Regel dennoch nicht verzichtet werden können, schreiben doch nahezu alle Frauengleichstellungsgesetze vor, dass freie Stellen ausgeschrieben werden müssen, wenn Frauen (oder neuerdings auch Männer) in dem jeweiligen Bereich unterrepräsentiert sind. Nur da, wo es das Gesetz ausdrücklich vorsieht, kann von einer Ausschreibung abgesehen werden.

Bestehen Sie auf gleichstellungsrechtlichen Aspekten

Sie sollten zudem aber auch darauf bestehen, dass der Headhunter für gleichstellungsrechtliche Aspekte sensibilisiert wird. Das heißt konkret, dass er verpflichtet wird, mindestens ebenso viele Frauen wie Männer zu finden in den Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind.

Headhunter sind nicht unbedingt genderbewusst und suchen auch nicht gendersensibel nach geeigneten Frauen für die jeweilige Spitzenposition. Drängen Sie daher darauf, dass ein entsprechender Passus in den jeweiligen Dienstleistungsvertrag mit übernommen wird, damit die gleichstellungsrechtlichen Regelungen nicht ins Leere laufen.

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Suchen Sie das Gespräch

Sie sollten dies zunächst mit Ihrer Dienststellenleitung im Gespräch klären. Klappt das nicht, können Sie einen Initiativantrag stellen.

Stellen Sie einen Initiativantrag

Sie haben hier die Möglichkeit, im Rahmen Ihres Initiativrechts tätig zu werden und einen Initiativantrag bei der Dienststellenleitung zu stellen. Hierüber muss Ihr Arbeitgeber dann formal entscheiden, jedenfalls nach den meisten Ländergesetzen. Das folgende Muster-Schreiben können Sie hierfür verwenden:

Muster-Schreiben (Bundesbehörde): Initiativantrag zum Dienstleistungsvertrag mit Personaldienstleistern

Die Gleichstellungsbeauftragte

im Hause


An die Dienststellenleitung


im Hause

Initiativantrag gemäß § 32 Bundesgleichstellungsgesetz zum Dienstleistungsvertrag mit unserem Personaldienstleister

Sehr geehrter Frau ...,

zunehmend beauftragen wir einen Personaldienstleister mit der Suche nach geeignetem Personal, insbesondere für unsere Führungspositionen. Bekanntlich sind Frauen in diesen Bereichen in unserem Hause unterrepräsentiert. Immer wieder fällt mir auf, dass unser Personaldienstleister überwiegend männliche Bewerber für Führungspositionen präsentiert, Frauen werden seltener vorgeschlagen.

Da es unsere Aufgabe ist, die Unterrepräsentanz von Frauen abzubauen – ich verweise hier auf unseren Gleichstellungsplan –, beantrage ich, den Dienstleistungsvertrag mit unserem Personaldienstleister wie folgt abzuändern:

Es muss ein Passus mit aufgenommen werden, der unseren Dienstleister verpflichtet, ausdrücklich nach geeigneten Bewerberinnen zu suchen, soweit Unterrepräsentanz von Frauen in dem jeweiligen Bereich vorliegt. Sollte er hier nicht erfolgreich sein, hat er nachzuweisen, welche Bemühungen er unternommen hat, um Frauen zu finden, und zu begründen, warum dies nicht gelungen ist.

Ich hoffe, mein Antrag findet Ihre Zustimmung; für ein persönliches Gespräch hierzu stehe ich gern zur Verfügung. Ich weise auf die Frist zur Entscheidung über diesen Initiativantrag hin und freue mich über Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen


Ihre Gleichstellungsbeauftragte

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