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Recruiting: 14.000 € gespart - Darum lohnt es sich, nicht so genau hinzuschauen

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Recruiting
Urheber: cirquedesprit | Fotolia

Von Maria Markatou ,

Ausbildung, Berufserfahrung, Zeugnis – darauf fällt Ihr Blick als Arbeitgeber bei einer Bewerbung zuerst. Doch es kann sich auch lohnen, den Lebenslauf nicht so genau unter die Lupe zu nehmen. Ein Arbeitgeber aus Rheinland-Pfalz sparte durch diese Nachlässigkeit ganze 14.000 €.

Das passiert, wenn Ihr Mitarbeiter wichtige Infos im Lebenslauf versteckt

Darauf bewarb sich über die Webseite des Arbeitgebers ein mit einem Grad der Behinderung von 70 schwerbehinderter Mitarbeiter. Ohne Bewerbungsschreiben. Dafür mit einem 10-seitigen Lebenslauf, in dem er unter der Überschrift „Zur Person“ als letzten Punkt auf sein Handicap hinwies. Als die Absage kam, klagte der Bewerber. 14.000 € Entschädigung wollte er haben, weil die Firma ihn wegen seiner Behinderung benachteiligt habe.

Der Fall: Für den Kundenservice suchte eine Firma aus Mainz einen neuen Mitarbeiter. So sah die Stellenanzeige aus:

CUSTOMER SERVICE PREPRESENTATIVE (M/F)

Ihr Profil: eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung – mindestens 2 Jahre Berufserfahrung im Kundenservice ...

Darauf bewarb sich über die Webseite des Arbeitgebers ein mit einem Grad der Behinderung von 70 schwerbehinderter Mitarbeiter. Ohne Bewerbungsschreiben. Dafür mit einem 10-seitigen Lebenslauf, in dem er unter der Überschrift „Zur Person“ als letzten Punkt auf sein Handicap hinwies. Als die Absage kam, klagte der Bewerber. 14.000 € Entschädigung wollte er haben, weil die Firma ihn wegen seiner Behinderung benachteiligt habe.

Das Urteil: Klage abgewiesen! Der Mann verließ den Gerichtssaal mit genau 0 €. Wer eine derart wichtige Information für Sie als Arbeitgeber irgendwo in seinem Lebenslauf versteckt und noch nicht einmal hervorhebt, kann nicht davon ausgehen, dass Sie als Arbeitgeber diesen Hinweis lesen. Bleibt Ihnen also die Schwerbehinderung des Bewerbers somit verborgen, können Sie ihn auch schwerlich benachteiligen (Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz, veröffentlicht am 4.2.2016, 2 Sa 27/15).

So gefährlich können Bewerbungen von Schwerbehinderten sein

Noch mal Glück gehabt! Der Fall zeigt aber: Mit Bewerbungen von schwerbehinderten Personen sollten Sie als Arbeitgeber sehr vorsichtig umgehen. Ein kleiner Fehler kann schnell 9.000 € und mehr kosten.

Denn: Deutet bei der Ablehnung eines schwerbehinderten Bewerbers auch nur eine Kleinigkeit darauf hin, dass die Absage mit dem Handicap des Kandidaten in Verbindung stehen könnte, droht Ihnen als Arbeitgeber eine Entschädigungsklage. Es reicht also schon das bloße Indiz einer Diskriminierung.

3 Bruttomonatsgehälter: So hoch kann die Entschädigung ausfallen

Bis zu 3 Bruttomonatsgehälter kann Ihr schwerbehinderter Bewerber bei einer Benachteiligung verlangen (§ 15 Abs. 2 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz).

Hinweis: Ein Monatsverdienst berechnet sich nach dem, was Ihrem Bewerber bei einer Einstellung an Geld- und Sachbezügen zugestanden hätte.

Das heißt: Es zählt nicht nur das Grundgehalt, das Sie als Arbeitgeber Ihrem Mitarbeiter jeden Monat zahlen, sondern auch die Zulagen und Sonderzahlungen. Sogar der Dienstwagen, der dem Stelleninhaber auch zur Privatnutzung zur Verfügung gestellt wird, muss berücksichtigt werden.

Vor der Absage: Diesen Punkt sollten Sie unbedingt prüfen

Ihr finanzielles Risiko bei der Ablehnung eines schwerbehinderten Bewerbers ist also ziemlich hoch. Und es steigt noch dadurch, dass der Kandidat für die offene Stelle noch nicht einmal beweisen muss, wegen seiner Behinderung benachteiligt worden zu sein. Es reicht schon, wenn Indizien dafür sprechen. Dieser Gefahr können Sie als Arbeitgeber aber aus dem Weg gehen, indem Sie vor der Absage prüfen, ob es hierfür sachliche Gründe gibt.

Sachlicher Grund: Den brauchen Sie für eine Ablehnung

Beispiel: Für Ihre Firma suchen Sie per Stellenanzeige einen Juristen mit speziellen Kenntnissen im Vergaberecht. Daraufhin erhalten Sie die Bewerbung eines schwerbehinderten Anwalts, der zwar über eine 7-jährige Unternehmenserfahrung verfügt, aber nur im Personalbereich tätig war.

Folge: Die mangelnde Qualifikation des Bewerbers für die offene Stelle ist ein sachlicher Grund, der eine Absage rechtfertigt.

Darum sollten Sie schwerbehinderte Bewerber immer einladen

Laden Sie schwerbehinderte Bewerber besser zu einem Vorstellungsgespräch ein. Das senkt Ihr Risiko, auf eine Entschädigung verklagt zu werden, erheblich. Der Kandidat kann sich dann nämlich nicht mehr darauf berufen, nur deshalb eine Absage bekommen zu haben, weil er in seiner Bewerbung auf seine Schwerbehinderung hingewiesen hat.

Bewerbung eingegangen: Wer davon wissen muss

Hat sich ein Schwerbehinderter auf eine ausgeschriebene Stelle beworben, müssen – soweit in Ihrer Firma vorhanden – der Betriebsrat und die Schwerbehindertenvertretung informiert werden. Beide dürfen dann auch Einsicht in die Unterlagen aller Bewerber nehmen (§§ 81 Abs. 1 Satz 4 93 Sozialgesetzbuch (SGB) IX). Anschließend muss die Schwerbehindertenvertretung angehört und über Ihre Entscheidung als Arbeitgeber informiert werden.

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Offene Stelle: Das muss gemeldet werden

Planen Sie als Arbeitgeber, eine offene Stelle in Ihrem Betrieb zu besetzen, gilt es zu prüfen, ob ein arbeitslos gemeldeter Schwerbehinderter für die Stelle infrage kommt. Das tun Sie am besten, indem Sie die für Sie zuständige Agentur für Arbeit über den zu besetzenden Arbeitsplatz informieren.

20 Mitarbeiter: Ab hier kostet eine Ablehnung Geld

Ab 20 Mitarbeitern sollten Sie als Arbeitgeber außerdem daran denken, dass auf wenigstens 5 % Ihrer Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen beschäftigt werden müssen (§ 71 Abs. 1 SGB IX).

Empfehlung: Überlegen Sie sich also gut, ob Sie einem schwerbehinderten Bewerber eine Absage erteilen. Erfüllen Sie die Schwerbehindertenquote von 5 % nicht, kostet das Geld: die Ausgleichsabgabe! Und die ist jetzt auch noch gestiegen.

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Egal ob es um brandneue Urteile der Arbeitsgerichte geht, die für Sie als Arbeitgeber, als Führungskraft oder als Personalverantwortlicher von Bedeutung sind oder zum rechtssicheren Umgang mit Abmahnungen, Zeugnissen, Kündigungen. Jetzt bekommen Sie die aktuellsten und wichtigsten Tipps frei Haus.

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