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So decken Sie Schummeleien im Lebenslauf von Bewerbern auf

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Bewerbung
Urheber: Björn Wylezich | Fotolia

Von Christian Wolf,

Der Fall der Bundestagsabgeordneten Petra Hinz hat es deutlich gemacht: Wer bei Bewerbungen seinen Lebens­ lauf frisiert, riskiert viel. Und trotzdem können es einige Bewerber nicht lassen.

Es ist, wie es ist. Kleine Lügen und Halbwahrheiten ste­cken in vielen Lebensläufen. Viele Bewerber sehen das eher als sportliche Herausforderung und bringen so ih­ren eigenen Lebenslauf in die „richtige Form“. Da wird die Zeit einer Arbeitslosigkeit schnell mit einem Aus­landsaufenthalt kaschiert. Gleiches gilt für fehlende oder gefälschte Bescheinigungen eines Studiums im Ausland.

Der Grund, warum einige Bewerber auf solche Manipu­lationen zurückgreifen, liegt auf der Hand: der Wunsch nach dem absoluten „Traumjob“ und ein wachsender Konkurrenz­ und Erfolgsdruck.

Die drei klassischen Bereiche, in denen oft in einem Le­benslauf geschummelt wird, sind:

  • Eine Lücke im Lebenslauf wird einfach verschleiert, oft durch Auslandsstudienaufenthalte oder Praktika.
  • Schlechte Noten werden einfach mithilfe moderner Technik manipuliert.
  • Fehlende Qualifikationen werden erfunden und durch gefälschte Zeugnisse nachgewiesen.

Was den meisten Bewerber nicht klar ist

So ein Han­deln ist ein klassischer Einstellungsbetrug. Fliegt der auf, kostet er sofort den Arbeitsplatz. Ganz abgesehen davon, dass das Fälschen von Zeugnissen sogar strafbar sein kann.

Und dass es sich hier nicht nur um einen Kavaliersdelikt handelt, zeigt eine aktuelle Studie: Bei einer Umfrage der Personalberatung Robert Half unter 1.200 befragten Per­sonalmanagern stellte sich heraus, dass rund 30 % aller Bewerber über ihre Berufserfahrungen nicht die ganze Wahrheit sagen. Danach übertreiben 22 % bei ihren Managementfähigkeiten, 16 % geben zu gute Sprachkennt­nisse an.

Lebenslauf muss wahr sein

Das wichtigste an Lebensläufen ist: Sie müssen stimmig sein. Das heißt Angaben müssen belegt sein und mit den beigefügten Zeugnissen und Nachweisen übereinstim­men. Und wenn Sie einen Lebenslauf in der Hand halten und schon beim ersten Durchsehen der Bewerbung Wi­dersprüche aufdecken, ist Vorsicht geboten.

Auch ein scheinbar makelloser Lebenslauf kann bei ge­nauer Betrachtung doch einige Lücken aufweisen. Es lohnt sich also, sich die Mühe zu machen und im Lebens­ lauf angegebene Zeiträume der Arbeitsstellen mit den jeweiligen Daten aus den Arbeitszeugnissen zu verglei­chen. Hier werden Sie schnell merken, wie häufig Sie fün­dig werden und abweichende Daten feststellen.

Und besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Bewerber keine genauen Datumsangaben macht. Oft werden dann nur Zeiträume in Jahren angegeben. So werden häufig Zeiten der Arbeitslosigkeit „unter den Teppich gekehrt“.

Falls Sie die Fragen der folgenden Checkliste mit Ja be­ antworten können, ist der Lebenslauf Ihres Bewerbers schlüssig. Bei einem Nein sollten Sie unbedingt in einem eventuellen Vorstellungsgespräch nachhaken und sich die Lücke oder den Widerspruch vom Bewerber erklären lassen.

Prüfpunkte:

  • Der Bewerber gibt konkrete Daten an und nicht bloß Zeiträume.
  • Es ergeben sich keine Differenzen aus dem Vergleich der Daten im Zeugnis mit denen im Lebenslauf.
  • Die Angaben im Lebenslauf werden voll­ ständig belegt.

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Vorsicht, Falle! Lücken und Auszeiten haben oft einen anderen Hintergrund

Ein weiterer Prüfpunkt bei Ihrer Lebenslaufanalyse sind Lücken oder berufliche Auszeiten im Lebenslauf. Meist werden solche „Auszeiten“ als Orientierungszeiten, berufliche Auszeiten, Familienzeiten, als Welt­ oder Sprachreisen oder freiwillige Elternzeiten bezeichnet. Oft verbirgt sich dahinter der Versuch, eine Phase der Ar­beitslosigkeit positiv erscheinen zu lassen oder gar ganz zu kaschieren.

In solchen Fälle ist Offenheit der richtige Weg. Im Lebens­ lauf sollte zu lesen sein, dass der Bewerber eine Zeit langarbeitsuchend war. Denn wenn Sie diese Tatsache erst im Vorstellungsgespräch selbst herausfinden, ist das ein­deutig schlechter für den Bewerber.

Tipp: Laden Sie den Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch ein, sollten Sie bei solchen Formulierungen ganz genau nachfragen. Der Bewerber sollte Ihnen offen und ehrlich solche Auszeiten erklären können. Lücken im Lebenslauf und unkonventionelle Lebensverläufe müssen Sie im Vorstellungsgespräch klären. Nutzen Sie den folgenden Schnell­Check, um sich einen Überblick über den konkreten Bewerber zu verschaffen:

Ihre Prüfpunkte:

  • Der Lebenslauf weist keine auf­ fälligen Auszeiten auf, die länger als zwei Monate dauern.
  • Die zeitlichen Lücken können erklärt werden.
  • Der Bewerber hat berufliche Aus­zeiten für Fortbildungen genutzt.
  • Der Bewerber kann eine lange Ausbildungszeit oder ein langes Studium begründen.
  • Es bestehen Studienschwer­ punkte für die angestrebte Position.
  • Der Bewerber kann praxisorien­tierte Zeiten während Ausbildung und Studium nachweisen.
  • Die berufliche Entwicklung des Bewerbers verlief zielorientiert.
  • Der Bewerber kann Berufs­ und Branchenwechsel plausibel begründen.
  • Die Stellenwechsel waren für den Bewerber kein beruflicher Abstieg.
  • Der Bewerber kann eine berufli­che Verschlechterung begründen.

Wer zu häufig wechselt, muss nicht besonders agil sein!

So manch ein Lebenslauf vermittelt das Gefühl, dass sich damit ein besonders aktiver Mensch beworben hat. Zahl­ reiche Arbeitgeberwechsel und sehr kurzfristige Beschäf­tigungszeiten sollen den Anschein erwecken, es mit einem besonders agilen „High­Potential“ zu tun zu haben.

Vorsicht! Zu viele Arbeitgeberwechsel in zu kurzen Zeit­ abständen, sind ein deutlicher Hinweis auf einen soge­nannten Job-Hopper.

Und wenn dann auch noch das Anschreiben mit dem typischen Hinweis erfolgt, dass der Bewerber „nach ei­ner neuen Herausforderung sucht“, heißt es erst recht, vorsichtig zu sein. Das ist ein weiterer Hinweis auf einen Job­Hopper, der es nirgendwo lange aushält. Und meist liegt es an ihm selbst und nicht an den Arbeitgebern oder deren Aufgabenstellungen.

Wer nach einem halben Jahr nach einer neuen Herausfor­derung sucht, muss sich die Frage gefallen lassen, wa­rum die Arbeit so schnell langweilig geworden ist.

Fragen Sie deshalb mit folgendem Schnell­Check nach

Ihre Fragen:

  • Gab es Probleme mit dem Chef?
  • Wie war die Zusammenarbeit mit den Kollegen?
  • Fühlen Sie sich als Teammitglied wohl oder arbeiten Sie lieber für sich alleine?

Die möglichen Ursachen können vielfältig sein. Hierbei können Sie ebenfalls Offenheit und Transparenz vom Be­werber erwarten. Wer Ausflüchte sucht oder immer den anderen die Schuld zuweist, ist meist sofort aus dem Rennen. Das beste Mittel für Sie als Arbeitgeber: Fragen Sie einfach hartnäckig nach!

 

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Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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