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Wenn Sie einen Kandidaten zum Bewerberinterview einladen, haben Sie sich bereits davon überzeugt, dass zumindest formal eine Eignung für die...

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So umgehen Sie die neue Schadenersatzfalle bei Bewerbungen ganz souverän

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Von Günter Stein,

Gleich zwei Fehler in einer Stellenanzeige. Das muss man erst einmal nachmachen: Ein Arbeitgeber suchte zwei „Mitarbeiter“ „im Alter zwischen 25 und 35 Jahren“. Es bewarb sich unter anderem ein 1956 geborener Mann, der nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Er fühlte sich aufgrund seines Alters diskriminiert – und klagte.

Der Arbeitgeber wiederum bestritt nicht, einige Vorstellungsgespräche geführt zu haben, wies aber darauf hin, dass er letztendlich niemanden eingestellt habe. Deshalb könne auch keine Diskriminierung vorliegen. Gegen wen sollte der nicht berücksichtigte Bewerber denn diskriminiert worden sein?

BAG verschärft Gangart

Ob Sie als Arbeitgeber mögliche Bewerber auf eine an sich schon diskriminierende Stellenanzeige einstellen oder nicht, spielt keine Rolle. Es reicht aus, wenn Sie keine sachlich fundierte Begründung für Ihre Auswahlentscheidung anführen können. Das muss jetzt das LAG, also die Vorinstanz, noch einmal prüfen (BAG, Urteil vom 23. August 2012 - 8 AZR 285/11).

Das ist zu tun

Dass Sie keine Stellenanzeigen schalten, die zu AGG-Schadenersatzforderungen einladen, versteht sich von selbst. Altersangaben und die Beschränkung auf ein Geschlecht sind tabu, solange es hierfür keinen nachvollziehbaren Sachgrund gibt. Mein Lieblingsbeispiel:
In einer Damendessous-Abteilung werden Sie wohl keinen Verkäufer einsetzen. Das ist nachvollziehbar. Wollten Sie aber in der Technik-Abteilung nur männliche Verkäufer einsetzen und würden also nur einen „Verkäufer“ suchen, könnte das eine Einladung für AGG-Prozesshansel darstellen.
Noch wichtiger an dem Urteil ist aber der Hinweis der BAG-Richter, dass Sie klare Auswahlkriterien als Arbeitgeber benötigen, um einen Diskriminierungsvorwurf zu entkräften. Es hilft schon, wenn Sie ein klares Anforderungsprofil haben. Genügt ein abgelehnter Bewerber dem nicht (zum Beispiel weil er deutlich über- oder unterqualifiziert ist), reicht dies aus, um seine Nicht-Berücksichtigung zu begründen.

Weitere Orientierungshilfe bieten auch diese beiden Urteile:

Erlaubt:

„Mitarbeit in einem jungen Team“
Verboten:

„Geschäftsführer gesucht“
Die Klage eines 59-jährigen Bilanzbuchhalters blieb ohne Erfolg. Er hatte sich bei einem Autohaus beworben, das per Stellenanzeige einen „zukunftssicheren Arbeitsplatz in einem jungen motivierten Team“ angeboten hatte.
Aus Sicht des Autohauses handelte es sich bei der „Junges Team“-Formulierung lediglich um eine werbende Selbstdarstellung. Selbstverständlich könnten auch ältere Arbeitnehmer beschäftigt werden; der Altersdurchschnitt in der Buchhaltung liege bei 47 Jahren. Der Bewerber habe die Absage erhalten, weil er offensichtlich nicht an der Stelle interessiert gewesen sei: Er habe einen ungeordneten Lebenslauf übersandt, durch den sich der Personalsachbearbeiter erst einmal habe „wühlen“ müssen.
Die Argumente überzeugten das Landesarbeitsgericht Nürnberg.
Hier sei das Alter keine Einstellungsvoraussetzung gewesen, und die Absage müsse der Interessent sich selbst zuschreiben: Ein „völlig nichtssagendes“ Anschreiben, 38 DIN-A4-Seiten als Anlage - das deute nicht auf strukturiertes Arbeiten hin, wie es für Finanzbuchhalter erforderlich sei (Aktenzeichen 2 Sa 574/11).
Ein Unternehmen schaltete eine Anzeige „Geschäftsführer gesucht“. Eine Frau bewarb sich – und wurde abgelehnt. Sie machte geltend, dass sie offensichtlich aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt worden sei und forderte 25.000 Euro Schadenersatz.
Zwar kam Sie mit der 25.000-Euro-Fordeurng nicht durch – aber 13.000 Euro muss die Firma zahlen. Dass es sich nicht um Diskriminierung handele, müsse hier das Unternehmen beweisen. Dies jedoch konnte es aufgrund seiner Auswahlkriterien nicht darlegen.
Fazit:
Eine Überschrift „Geschäftsführer gesucht“ ist nicht „neutral“, sondern erweckt nach Meinung der Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe den Eindruck, dass für die Position nur Männer in Frage kommen - ein klarer Verstoß gegen das AGG (Az. 17 U 99/10).

 

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