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Tätowiert oder klein: Darum sollten Sie keinem Bewerber absagen

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Tattoo
Urheber: Innovated Captures | Fotolia

Von Michael G. Peters,

Stellen Sie sich das mal vor: Als Arbeitgeber in NRW suchen Sie einen neuen Mitarbeiter – und dann stellt sich ein Bewerber vor, der von Kopf bis Fuß tätowiert und gepierct ist. In den meisten Fällen ist das kein Problem.

Auf manchen Arbeitsstellen aber schon. Bei der Ablehnung aus persönlichen Gründen sollten Sie aber vorsichtig sein. Denn die Gerichte in NRW reagieren bei diesem Thema – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – sehr sensibel. Das zeigen diese Urteile.

Keine 1,66 m: Deshalb klagte eine Bewerberin die Lufthansa auf 135.000 €

Der Fall: Eine 19-Jährige wollte Pilotin werden. Ihr Problem: Sie war nur 1,61 m groß. Zu kurz, fand die Lufthansa, bei der sich die Frau beworben hatte. Mindestens 165 Zentimeter müssten es aus Sicherheitsgründen schon sein. Das wollte sich die verhinderte Kapitänin nicht gefallen lassen: Sie verklagte die Fluggesellschaft auf 135.000 € Schadensersatz.

Das Urteil: Da hat die Lufthansa noch mal Glück gehabt! Die Richter in Köln wiesen die Klage ab. Zwar werden Frauen durch die Mindestgröße bei der Lufthansa bei der Pilotenausbildung benachteiligt, weil sie grundsätzlich kleiner sind als Männer. Und das kann einen Anspruch auf eine Entschädigung und Schadensersatz auslösen. Ausnahmsweise sei die Mindestanforderung an die Körpergröße aber aus Sicherheitsgründen gerechtfertigt (Landesarbeitsgericht Köln, 25.6.2014, 5 Sa 75/14).

Kürzer als 1,68 m: Diese Mindestgröße gilt nicht

Der Fall: 166,2 Zentimeter. So groß war ein Bewerber für den Polizeidienst in NRW vom Scheitel bis zur Sohle. Zu wenig, fand das Land NRW. 168 Zentimeter müssten es schon sein.

Das Urteil: Von wegen! Die Richter aus dem Ruhrgebiet gaben dem Land NRW als Arbeitgeber auf, eine Mindestgröße von 1,68 m für männliche Bewerber noch einmal zu überdenken. Für die angeforderte Körpergröße bei Bewerbern gibt es keinen sachlichen Grund (Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, 14.3.2016, 1 K 3788/16).

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Tätowierungen: So viel darf sichtbar sein

Der Fall: Der Bewerber war tätowiert – und zwar bis zu den Handgelenken. Zu viel für die Polizei in NRW. Sie lehnte eine Einstellung in den Polizeidienst ab. Dagegen klagte der Bewerber.

Das Urteil: Klage abgewiesen! Großflächige Tätowierungen sind kein Problem, sofern sie von der Dienstuniform bedeckt sind, entschieden die Richter. Sonst hat das Land NRW ein berechtigtes Interesse, solche Bewerber abzulehnen, weil dann der Eindruck staatlicher Neutralität gefährdet sei (Oberverwaltungsgericht Münster, 26.9.2014, 6 B 1064/14).

Das ist der Knackpunkt: Alle 3 Urteile zeigen, worauf es für Sie als Arbeitgeber bei der Bewerberauswahl ankommt: Ohne berechtigtes Interesse können Sie keinen Bewerber wegen einer Tätowierung oder seiner Körpergröße ablehnen.

Tipp: Am besten geben Sie Ihrem Bewerber bei einer Absage überhaupt keinen Grund an!

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