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Wenn Sie einen Kandidaten zum Bewerberinterview einladen, haben Sie sich bereits davon überzeugt, dass zumindest formal eine Eignung für die...

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Vorstellungsgespräch: Wer sich die Stelle erschleicht, kann auch schnell wieder gehen!

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Von Günter Stein,

Wenn Sie einen neuen Mitarbeiter für Ihr Team suchen, dann interessieren Sie im Vorstellungsgespräch nicht nur die fachliche Kompetenz und der Ausbildungsverlauf des potenziellen neuen Mitarbeiters, sondern Sie wollen auch etwas über seine Persönlichkeit und grundsätzliche Einstellung erfahren. Allerdings sind die erlaubten Fragen an Bewerber vom Gesetzgeber stark beschränkt. Sie dürfen ausschließlich nach Dingen fragen, an denen ein sachlich berechtigtes Interesse Ihrerseits besteht.

Das war der Fall: Ein Gymnasiallehrer in Schleswig-Holstein wurde in der Probezeit ordentlich gekündigt, weil er durch ein „Nähe-Distanz-Problem“ negativ aufgefallen war. Schülerinnen hatten sich beim Schulleiter beschwert, der Lehrer würde im Sportunterricht „komisch gucken“. Im Zuge der Nachforschungen des Schulleiters stellte sich heraus, dass der Lehrer bei seinem Eintritt in den Schuldienst angegeben hatte, dass gegen ihn noch nie ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren bzw. eine Disziplinarmaßnahme vorgenommen worden war. Auf dem Einstellungsbogen befand sich eine konkrete Frage hierzu, die der Lehrer bewusst falsch beantwortet hatte. Denn während seiner Referendarzeit war gegen ihn wegen exhibitionistischer Handlungen ermittelt worden, und er war disziplinarrechtlich vorübergehend seines Dienstes enthoben worden. Der Lehrer legte Kündigungsschutzklage ein.

So entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein:

Das Gericht gab dem Arbeitgeber Recht: Er hatte dem Lehrer ordentlich innerhalb der ersten 6 Monate des Arbeitsverhältnisses gekündigt. Deshalb lag sowieso kein Kündigungsschutz vor. Das Land konnte daher auch ohne Begründung kündigen, solange die Kündigung nicht willkürlich war. Die Kündigung wäre aber auch rechtmäßig gewesen, wenn bereits Kündigungsschutz bestanden hätte, weil der Bewerber bei seiner Einstellung bewusst gelogen und relevante Details aus seiner Vergangenheit verschwiegen hatte (LAG Schleswig-Holstein, 12.1.12, 5 Sa 339/11).

Das müssen Sie bei Fragen im Bewerbungsgespräch beachten

Auf unerlaubte Fragen im Bewerbungsgespräch muss der Bewerber nicht antworten, ja, er darf sogar lügen, ohne dass Sie ihn rechtlich verfolgen dürfen. Wenn Sie hingegen eine „erlaubte“ Frage stellen, die der Bewerber nicht wahrheitsgemäß oder bewusst falsch beantwortet und Sie dies später herausfinden, können Sie den Arbeitsvertrag anfechten oder kündigen.

Fazit für Sie:
Wenn ein Bewerber Sie anlügt und Sie ihn daraufhin einstellen, dürfen Sie ihm sofort kündigen, wenn Sie von der Lüge erfahren. Im vorliegenden Fall war diese Beweisführung gar nicht nötig, obwohl der Tatbestand der Lüge auf eine erlaubte Frage im Hintergrund vorhanden war. Es lag ja eine Kündigung in der Probezeit vor.
Beachten Sie: Fragen nach ehemaligen Straftaten und disziplinarrechtlichen Verfahren dürfen Sie im Bewerbungsgespräch stellen. Allerdings sind Ihre Fragen diesbezüglich nur erlaubt, wenn sich ein Bezug zum Arbeitsplatz herstellen lässt. Für öffentliche Arbeitgeber gilt, dass sie in der Regel ein berechtigtes Interesse daran haben, von allen verhängten Disziplinarmaßnahmen zu erfahren, denn diese werden aufgrund pflichtwidrigen Verhaltens im Amt verhängt. Wenn Sie für ein Unternehmen in der privaten Wirtschaft arbeiten, brauchen Sie für diese Frage einen konkreten Grund, z. B., wenn Sie einen Mitarbeiter einstellen, der an der Kasse arbeitet. Die Frage, ob er schon einmal rechtlich wegen Diebstahls oder Unterschlagung belangt wurde, ist dann erlaubt.

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