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Wie Sie Bewerber mit Einfühlungsverhältnissen erfolgreich an das Unternehmen heranführen

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Von Günter Stein,

Häufig wird Ihnen die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber schon dann leichter fallen, wenn Sie ihn einige Tage in seinem möglichen Arbeitsumfeld in Ihrem Team erlebt haben. Genau dazu dient ein Einfühlungsverhältnis – auch „Schnuppertage“ genannt. Dabei lassen Sie einen Bewerber einen oder mehrere Tage im Unternehmen mitarbeiten, übertragen ihm Aufgaben und prüfen, ob er als Mitarbeiter für die Stelle geeignet ist.

Beispiel:
Im Verkaufslager benötigen Sie einen neuen Mitarbeiter. Die Unterlagen und auch der Eindruck aus dem Bewerbungsgespräch des Bewerbers, Herrn Berliner, sind positiv. Sie sind aber nicht ganz sicher, ob er wirklich praxistauglich ist. Auch seine Teamfähigkeit möchten Sie prüfen. Daher einigen Sie sich mit ihm darauf, dass er für 3 Tage den Arbeitsplatz kennen lernen soll. Er erhält dafür keinen Lohn und ist auch nicht dazu verpflichtet, die regelmäßige Arbeitszeit einzuhalten.

Diese Rechte und Pflichten haben Sie gegenüber dem Mitarbeiter

Das Einfühlungsverhältnis ist kein echtes Arbeitsverhältnis. Es dient nur dem gegenseitigen Kennenlernen. Daher wird der Bewerber in den Betrieb aufgenommen, ohne eigene Pflichten zu übernehmen. Das bedeutet, dass er

  • keine festen Arbeitszeiten einhalten muss,
  • nicht zur Arbeitsleistung verpflichtet ist und
  • nicht Ihrem Weisungsrecht unterliegt.

Dem potenziellen Arbeitnehmer ist also freigestellt, ob und wann er im Betrieb erscheint, wie lange er bleibt und welche Arbeiten er verrichtet. Sie dürfen ihn im Einfühlungsverhältnis nicht dienstplanmäßig einteilen und ihm nicht die selbstständige Erledigung von Arbeiten zuweisen. Auf der anderen Seite entstehen für Sie im Rahmen eines Einfühlungsverhältnisses praktisch keine Kosten. Insbesondere besteht keine Vergütungspflicht. Das gilt selbst dann, wenn der Arbeitnehmer verwertbare oder nützliche Tätigkeiten verrichtet hat – so das LAG Schleswig-Holstein in einem Urteil 17.3. 2005, Az. 4 Sa 11/05 – in dem der Arbeitgeber verlor, weil er genau diese Punkte NICHT beachtet hatte.
Da es sich nicht um ein Arbeitsverhältnis, sondern um eine Art Gefälligkeitsverhältnis handelt, bestehen auch keinerlei Meldepflichten. Der im Rahmen eines Einfühlungsverhältnisses beschäftigte Mitarbeiter ist nicht sozialversicherungspflichtig, es fallen keine Beiträge für die Kranken-, Renten-, Pflege-, und Arbeitslosenversicherung an. Auch einen Urlaubsanspruch nach dem Bundesurlaubsgeldgesetz hat der Beschäftigte nicht.

Achtung:
Beachten Sie auch, dass ein Mitarbeiter im Einfühlungsverhältnis nicht durch die Berufsgenossenschaft abgesichert ist. Weisen Sie darauf hin, damit der Mitarbeiter ggf. selbst für eine Absicherung sorgen kann.
Tipp:
Vorteilhaft für Sie ist das Einfühlungsverhältnis auch wegen seiner unproblematischen Beendigung: Wenn sich der Bewerber als ungeeignet herausstellt, müssen Sie ihn nicht weiterbeschäftigen. Es bedarf keiner förmlichen Kündigung und es greifen keine Regelungen wie das Kündigungsschutzgesetz oder das Mutterschutzgesetz.

So vereinbaren Sie ein Einfühlungsverhältnis

Sie müssen das Schnupperverhältnis nicht schriftlich vereinbaren. Es geht ja um ein relativ unverbindliches Verhältnis. Sinnvoll ist eine kurze schriftliche Vereinbarung dennoch. Damit können Sie nachweisen, dass es sich eben nicht um ein Arbeitsverhältnis mit der Pflicht zur Lohnzahlung handelt und haben damit eine sichere Rechtsgrundlage. Über die zulässige Dauer eines Einfühlungsverhältnisses gibt es weder eine gesetzliche Regelung noch eine eindeutige Rechtsprechung. Im Allgemeinen wird aber eine Dauer von höchstens 1 Woche für angemessen gehalten.

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