Alkohol am Arbeitsplatz

Erstellt: 12.01.2018

In Diskussionen zu Suchtmitteln erlebt man oft 2 Lager: Die einen verweisen auf die positiven Gesundheitswirkungen von z. B. Hopfen oder Rotwein und die anderen verdammen alle anderen Rauschmittel von Cannabis bis Kokain als gefährliche Drogen. Beide Gruppen haben gute Gründe für ihre Ansichten, doch ein Schwarz-Weiß-Denken wird der Sache nicht gerecht. Lassen Sie sich als Arbeits-und Gesundheitsschützer in Debatten um den Umgang mit Alkohol in Ihrem Betrieb nicht gegeneinander ausspielen. Hüten Sie sich auch vor moralischen Wertungen. Das entscheidende Kriterium für Sie ist, ob jemand unter dem Einfluss einer Substanz sich und andere gefährdet. Wie die Rechtslage dazu aussieht und wie Sie bei Vorkommnissen mit Suchtmitteln angemessen reagieren, lesen Sie auf dieser Themenseite. 

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Warum Alkohol im Betrieb keine Privatangelegenheit ist

Fehlende Regelungen zum Umgang mit Suchtmitteln oder deren inkonsequentes Umsetzen führen leicht zu Konflikten. Dazu kommt, dass immer noch falsche Vorstellungen zu den physiologischen Wirkungen bestehen. Auch ist die Rechtslage, insbesondere am Arbeitsplatz, oft wenig bekannt. Der folgende Beitrag zeigt, warum Arbeitgeber, Vorgesetzte und Arbeitsschützer das Thema nicht als Privatsache der Mitarbeiter abtun dürfen.

Im Büro stoßen die Kollegen bei jedem Geburtstag mit Sekt an und in der Produktion oder Werkstatt ist nicht mal ein Bier erlaubt? Bei jedem Richtfest ist eine Kiste Bier schnell geleert, aber der Azubi, der in der Mittagspause Shisha raucht, wird des Drogenkonsums verdächtigt? Zu kaum einem Gesundheitsthema herrscht eine solche Fülle von Halbwahrheiten und hartnäckigen Irrtümern.

Fakt 1: Viele Substanzen können zur Droge werden

Ob Alkohol, Nikotin, Partydroge oder psychoaktive Medikamente. Viele Substanzen haben das Potenzial, abhängig zu machen. Die Schritte vom Genuss über die Gewohnheit zu Missbrauch und Sucht sind individuell unterschiedlich und die Übergänge fließend. Wer nicht selbst konsequent abstinent lebt, sollte sich hüten, andere vorschnell zu verdammen.

Fakt 2: Der Konsum von Suchtmitteln hat sicherheitsrelevante Auswirkungen

Die Wirkung von Alkohol hat so gut wie jeder bereits am eigenen Körper erfahren. Promillegrenzen im Straßenverkehr werden daher als sinnvoll akzeptiert, wenn auch nicht immer eingehalten. Am Beispiel Alkohol ist die Sicherheitsrelevanz eindeutig belegt.

Darum gefährdet Alkohol ein sicheres Arbeiten:

Bereits 0,3 Promille, das sind 1 Flasche Bier (0,5 l) oder 2 Gläser Wein (0,25 l):

  • vermindern die Konzentration.
  • verschlechtern das Sehvermögen.
  • steigern die Risikobereitschaft.
  • verlangsamen die Reaktionsfähigkeit.

Bei 3 von 10 tödlichen Arbeitsunfällen ist Alkohol mit im Spiel. Dies ergab eine Studie aus Österreich, für Deutschland dürften die Zahlen ähnlich sein.

Als Arbeitsschützer sollte Ihnen jedoch bewusst sein, dass auch andere Suchtmittel wie Kokain, Amphetamine und Cannabis – wenn auch oft weniger auffällig – bewusstseins- und verhaltensverändernde Wirkungen haben. Das gilt sogar für Medikamente wie einige Antidepressiva. Nur weil der legale oder illegale Konsum solcher Substanzen am Arbeitsplatz weniger sichtbar ist, heißt das nicht, dass deren Auswirkungen ungefährlicher wären. Selbst ein Medikament, das vom Arzt verschrieben wurde, kann ein Unfallrisiko erhöhen.

Fakt 3: Suchtmittel am Arbeitsplatz sind keine Privatsache des Mitarbeiters

Jedes Sucht- und Rauschmittel hat mehr oder weniger gesundheitsschädliche Nebenwirkungen. Hier haben Sie als betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschützer nur begrenzt Einflussmöglichkeiten. Was jemand privat konsumiert, geht Sie nichts an. Relevant wird ein Suchtmittelkonsum jedoch, sobald

  • eine gesundheitsschädigende Wirkung auch andere Mitarbeiter betrifft, etwa durch Raucher am Arbeitsplatz.
  • die Wirkung eines Suchtmittels – auch wenn privat konsumiert – die Fähigkeit zum sicheren Arbeiten beeinträchtigt.

In diesen Fällen müssen Sie eingreifen. Zum Nichtraucherschutz hat der Gesetzgeber in § 5 Arbeitsstättenverordnung klar vorgegeben, dass jeder Arbeitgeber seine „nicht rauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch“ schützen muss, notfalls durch Rauchverbote. Was die Regelwerke zu anderen Suchtmitteln sagen, lesen Sie im Folgenden. 

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Aufgeklärt: Die 10 häufigsten Irrtümer zum Thema Alkohol

Dass man betrunken nicht Auto fahren oder andere gefährliche Tätigkeiten ausführen sollte, leuchtet den meisten ein. Gleichwohl ranken sich sowohl um die Wirkung wie auch die Rechtsfolgen von Alkoholkonsum eine Menge Mythen. Die folgenden Fehlvorstellungen bieten sich als Einstieg in eine Unterweisung an, auch als Aushang und Diskussionsanregung für einen Gesundheitstag.

Irrtum 1: Nach einer ausgiebigen und fetthaltigen Mahlzeit verträgt man mehr

Dies ist falsch. Ein voller Bauch kann lediglich die Aufnahme ins Blut verzögern, der Alkohol kommt dann etwas später im Gehirn an. Die Promille mögen langsamer steigen, die Auswirkungen bleiben jedoch.

Irrtum 2: Ein Schnaps nach dem Essen tut gut, weil er die Verdauung unterstützt

Falsch. Bitterstoffe aus Kräutern können die Verdauung fördern, der Alkohol dagegen bremst sie. Unterm Strich belastet ein „Verdauungsschnaps“ mehr, als er nutzt.

Irrtum 3: Durch einen Kaffee wird man schnell wieder nüchtern

Ebenfalls Unsinn! Die Anregung wird nur subjektiv empfunden. Kaffee beschleunigt den Alkoholabbau in der Leber genauso wenig wie eine kalte Dusche, Sport, ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein Katerfrühstück.

Irrtum 4: Der Körper gewöhnt sich an Alkohol

Dass mehr verträgt, wer regelmäßig Alkohol trinkt, ist ein tückischer Trugschluss. Je nach Konstitution und Veranlagung fühlt man sich in der Tat weniger schnell betrunken. Doch niemand wird „trinkfest“ durch regelmäßiges „Trink-Training“. Die Gesundheitsfolgen, etwa für die Leber, werden nicht geringer und die Gewöhnung kann ein Schritt zur Sucht sein.

Irrtum 5: Alkohol in Speisen verdunstet doch eh durch das Kochen

Das ist nur halb richtig. Zwar ist Alkohol flüchtiger als Wasser, ein Teil kann aber abhängig von Kochzeit und Hitze verdunsten. Das ist jedoch schwer einzuschätzen. Auch nach 20 Minuten kann noch die Hälfte des Alkohols vorhanden sein.

Irrtum 6: „Ich merke schon selbst, wenn ich fahruntüchtig bin!“

Nein, im Gegenteil. Die durch Alkohol ausgeschütteten Stoffe Dopamin und Endorphin führen dazu, dass wir uns lockerer und selbstbewusster fühlen. Unser Risikobewusstsein nimmt ab.

Irrtum 7: Promillegrenzen gelten nur fürs Autofahren

Unsinn! Auch ein betrunkener Radfahrer oder Fußgänger, der sich auffällig verhält oder in einen Unfall verwickelt ist, kann seinen Führerschein verlieren.

Irrtum 8: „Bis 0,5 Promille drohen mir keine Folgen!“

Ein naiver Fehlglaube. Denn schon mit 0,3 Promille im Verkehr riskiert man eine Geldstrafe. Verursacht man gar einen Unfall, drohen Freiheitsstrafe, Punkte in Flensburg und der Einzug des Führerscheins für mehrere Monate.

Irrtum 9: Alkohol wärmt von innen

Nein. Zwar erweitert Alkohol die Blutgefäße und man empfindet ein Wärmegefühl. Doch wird diese Wärme schnell an die Umgebung abgegeben, sodass die Körpertemperatur sinkt. Darum erfrieren Menschen unter Alkoholeinfluss leichter, etwa nach einem Sturz.

Irrtum 10: „Bis zur Arbeit morgen früh bin ich längst wieder nüchtern!“

Dies ist keineswegs automatisch der Fall, denn der Alkoholabbau verläuft recht langsam.

Nie unterschätzen: Die Gefahren durch Restalkohol!

Die Brisanz durch den langsamen Abbau von Alkohol im Körper wird häufig unterschätzt. In Ihren Unterweisungen sollten Sie dies daher verdeutlichen.

Abends feuchtfröhlich feiern und am nächsten Morgen im Betrieb sicher arbeiten, weil man bei der Arbeit ja nicht trinkt? Das ist ein gefährlicher Trugschluss, wie eine einfache Rechnung zeigt: Unser Körper baut etwa 0,1–0,15 Promille pro Stunde ab. Das bedeutet, wer nachts um 1 Uhr mit 1,2 Promille schlafen geht, steht morgens um 7 Uhr mit immer noch 0,3–0,6 Promille im Blut am Arbeitsplatz!

Machen Sie in Ihren Unterweisungen deutlich: Die Wirkung von Alkohol lässt sich weder durch Schlafen noch andere Methoden (s. o. Irrtum Nr. 4) austricksen. Wer das nicht beachtet und nicht völlig ausgenüchtert zur Arbeit erscheint, gefährdet sich und andere.

Dies gilt für jeden, ist aber besonders relevant, wenn Mitarbeiter mit Restalkohol z. B. eine Maschine bedienen oder einen Stapler fahren. Wer absehen kann, dass eine Feier ansteht, und dabei auf Alkoholika nicht verzichten möchte, sollte besser von vornherein den nächsten Tag freinehmen.

Alkoholprobleme bei Mitarbeitern wahrnehmen, aber keine Sucht diagnostizieren!

Relativ leicht bemerken Sie, wenn jemand akut angetrunken ist. Die „Fahne“, ein schwankender Gang oder eine unklare Aussprache sind Indizien dafür. Doch Suchtkranke verstecken oft ihr Alkoholproblem und nehmen am Arbeitsplatz nur so viel zu sich, dass es nach außen kaum auffällt. Jedes Alkoholproblem eines Mitarbeiters ist ein Sicherheitsproblem für den Betrieb. Die folgende Liste gibt Ihnen einige Anhaltspunkte, Alkoholismus zu erkennen.

Anzeichen und Auffälligkeiten für Alkoholsucht

Körperliche Anzeichen:

  • Atem riecht nach Alkohol
  • zitternde Hände
  • glasige Augen und ein abwesender Blick
  • gerötetes Gesicht
  • Nuscheln und Lallen
  • leichtes Torkeln
  • vernachlässigte Körperpflege

Auffälligkeiten im Sozialverhalten: Der Mitarbeiter ...

  • ist unkonzentriert
  • hat Erinnerungslücken
  • sondert sich von den Mitarbeitenden ab
  • entfernt sich häufig vom Arbeitsplatz
  • wirkt enthemmt und ist leichter reizbar
  • hat Stimmungsschwankungen 
  • wirkt am Arbeitsplatz schläfrig

Auffälligkeiten im Arbeitsverhalten: Die Person ...

  • fehlt häufig ohne ärztlichen Nachweis
  • ist oft unpünktlich und unzuverlässig
  • überzieht oft Pausen
  • wirkt vor Schichtende oder Pausen nervös
  • verletzt sich häufiger
Achtung

Solche Anzeichen sind keine Diagnose. Sie können ein Fürsorgegespräch auslösen (s. u.), dürfen keinesfalls aber dazu führen, dass Sie jemanden als alkoholkrank beschuldigen oder gar vor anderen bloßstellen. Sucht ist eine Krankheit und muss behandelt werden. Doch Diagnose, Behandlung und Therapie gehören in die Hände von Ärzten und Spezialisten. 

Ein Mitarbeiter ist angetrunken? So reagieren Sie kompetent und rechtssicher

Wenn es zu einem Vorfall mit Alkohol oder einem anderen Suchtmittel am Arbeitsplatz kommt, gilt es zu handeln. Doch wer hat welche Verantwortungen und Befugnisse und wie sieht für die Beteiligten die Rechtslage aus? 

Suchtmittel werden quer durch alle Gesellschaftsschichten und Branchen konsumiert. Auch in Betrieben mit gutem Arbeitsklima, engagierten Mitarbeitern und einem hohen Arbeitsschutzniveau kann es vorkommen, dass ein Mitarbeiter alkoholisiert, bekifft oder auf andere Weise berauscht zum Arbeiten erscheint. Die folgenden Erläuterungen am Beispiel „Alkohol“ gelten auch für alle anderen Rauschmittel.

Keine Promillegrenzen für Betriebe

Berufskraftfahrer und alle anderen Mitarbeiter, die ein Fahrzeug führen, kennen die Promillegrenzen. Doch diese gelten nur für den Straßenverkehr. Es gibt keine Promillegrenze für andere Arbeitsplätze. Auch sieht weder das Arbeitsschutzrecht noch das Berufsgenossenschaftliche Regelwerk ein absolutes Alkoholverbot für Beschäftigte vor.

Daraus folgt nicht, dass ein Konsum von Alkohol am Arbeitsplatz im rechtsfreien Raum stattfände und Sie dies einfach hinnehmen müssten. Sie sollten sich jedoch im Klaren sein, dass für betriebliche Regelungen zum Umgang mit Alkohol weder die Gewerbeaufsicht noch die Unfallversicherungsträger zuständig sind. Hier muss jedes Unternehmen selbst aktiv werden.

Das gilt für Arbeitgeber und Vorgesetzte: Gefahrenabwehr und Fürsorge

Unabhängig davon, ob und was in Ihrem Unternehmen zum Thema Alkohol beschlossen wurde, geht der Alkoholkonsum in der Freizeit den Arbeitgeber nichts an. Solange dies nicht zulasten der Arbeitsfähigkeit und Arbeitsleistung geht, sind ihm arbeitsrechtlich die Hände gebunden. Sobald jedoch ein Alkoholkonsum die Arbeitssicherheit betrifft, greift das Arbeitsschutzrecht.

„Der Unternehmer darf Versicherte, die erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, mit dieser Arbeit nicht beschäftigen.“ (§ 7 Abs. 2 DGUV-Vorschrift 1)

Ob jemand suchtkrank ist oder nur ausnahmsweise mal mit Restalkohol erscheint, der Arbeitgeber hat die Verantwortung für alle Beschäftigten. Das heißt, er darf weder „ein Auge zudrücken“ noch den Vorfall ignorieren. Um Gefahren abzuwenden, müssen Arbeitgeber und Vorgesetzte einschreiten und den angetrunkenen Mitarbeiter vom Weiterarbeiten abhalten. Dabei ist es unerheblich, was der Mitarbeiter zu sich genommen hat – ob im Betrieb oder schon zuhause.

Für dieses Untersagen des Weiterarbeitens bedarf es weder eines Alkoholtests noch einer Bescheinigung des Betriebsarztes oder einer anderen Formalität. Der subjektive Eindruck, dass alkoholbedingt eine Gefahr besteht, genügt, dass ein Vorgesetzter eingreifen muss. Auch wenn derjenige eine Tätigkeit ohne besondere Sicherheitsrelevanz durchführt, darf ihm das Arbeiten untersagt werden. Denn der Arbeitgeber kann davon ausgehen, dass unter Einfluss von Alkohol eine Tätigkeit nicht mehr ordnungsgemäß durchgeführt wird.

Warum nach Hause schicken keine Lösung ist

Der einfachste Weg wäre, einen alkoholisierten Mitarbeiter einfach zum Ausnüchtern nach Hause zu schicken. Doch Vorsicht: Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers besteht weiterhin – auch für den Trunkenbold. Wenn dieser auf dem Heimweg sich verletzt oder einen Unfall verursacht, kann auch den Arbeitgeber bzw. Vorgesetzten eine strafrechtliche Verfolgung wegen fahrlässiger Körperverletzung treffen.

Sorgen Sie in einem solchen Fall daher stets dafür, dass der Mitarbeiter

  • nicht allein gelassen wird (Brandfall!), sondern im Betrieb unter Aufsicht (plötzliche Kreislaufprobleme!) ausnüchtert, oder
  • dass er sicher nach Hause kommt, z. B. von einem Kollegen begleitet oder einem Angehörigen abgeholt wird.
Tipp

Wenn Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit mit einem solchen Fall konfrontiert werden, sollten Sie stets den jeweiligen disziplinarischen Vorgesetzten einbinden. Diesem ist zu empfehlen, den Vorfall und die Anzeichen für Alkoholkonsum schriftlich festzuhalten und von einem Zeugen bestätigen zu lassen. Das kann z. B. ein Mitglied des Betriebsrats sein oder ein Sicherheitsbeauftragter. Denn der Mitarbeiter hat für die alkoholbedingt ausgefallene Arbeitszeit keinen Anspruch auf Lohn. Durch einen schriftlichen Vermerk und einen Zeugen ist im Konfliktfall die Rechtslage eindeutiger zu klären.

Bei begründetem Verdacht auf Alkoholkonsum beim Mitarbeiter einer Fremdfirma auf Ihrem Unternehmensgelände sollten Sie den Vorgesetzten ansprechen. Notfalls, z. B. bei einem Lieferanten, der angetrunken bei Ihnen vorfährt, verständigen Sie die Polizei. Wer wegschaut, wird mitschuldig, wenn etwas passiert.

Das sind die Konsequenzen für alkoholisierte Mitarbeiter

Das Regelwerk verbietet nicht den Alkoholkonsum per se. Das Kriterium ist, inwiefern ein Mitarbeiter dadurch sich oder andere gefährdet.

„Versicherte dürfen sich durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können.“ (§ 15 Abs. 2 DGUV-Vorschrift 1)

Jedem Ihrer Mitarbeiter sollte unmissverständlich klar sein: Wer unter Alkoholeinfluss am Arbeitsplatz erscheint,

  • gefährdet sich und seine Kollegen.
  • riskiert bei einem Arbeitsunfall nicht nur den Verlust seines Unfallversicherungsschutzes, sondern auch Regressansprüche der Versicherer.
  • hat keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Machen Sie auch deutlich, dass sich mitschuldig macht, wer einen trinkenden Kollegen deckt. Um es erst gar nicht zu solchen Situationen kommen zu lassen, sprechen sich die Unfallversicherungsträger und viele Sicherheitsexperten für ein generelles Alkoholverbot am Arbeitsplatz aus.

Das sind Ihre weiteren Handlungsmöglichkeiten

Selbst wenn Ihr Betrieb sich gegen ein generelles Alkoholverbot in einer Betriebsvereinbarung entschieden hat, sind Sie als Sicherheitsverantwortlicher beim Thema Alkohol nicht am Ende Ihrer Handlungsmöglichkeiten. Legen Sie fest, dass alkoholische Getränk sowie alle anderen Rauschmittel tabu sind bei allen Tätigkeiten mit erhöhten Gefährdungen und besonderer Verantwortung wie

  • Umgang mit Gefahrstoffen
  • Führen von Fahrzeugen und selbstfahrenden Maschinen
  • Bedienen von Maschinen mit sich bewegenden Teilen
  • Elektroarbeiten

Nimmt ein Vorgesetzter Auffälligkeiten am Arbeitsplatz wahr, die auf alkoholbedingte Probleme hindeuten, sollte er den Mitarbeiter in einem vertraulichen Rahmen darauf ansprechen. Ziel eines solchen Fürsorgegesprächs ist es

Handlungssicherheit durch klare Regelungen In jedem Fall empfehlenswert für jedes Unternehmen sind klare innerbetriebliche Regelungen zum Alkoholkonsum. Ein Pauschalrezept gibt es hier nicht. Das Thema Alkohol kann z. B. in Arbeitsverträge und Arbeitsanweisungen einfließen. Andere Unternehmen erarbeiten mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung zum Umgang mit Alkohol bis zu einem generellen betrieblichen Alkoholverbot.

Autor: Friedhelm Kring 

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