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Korrekte Anrede: Der Mogel mit dem Doktortitel

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Korrekte Anrede: Der Mogel mit dem Doktortitel

 

 

 Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Doktortitel schindet Eindruck. Wie sonst lässt es sich erklären, dass Menschen diesen Titel an einer ausländischen Universität für hohe Summen kaufen oder wohlhabende Studenten einen sogenannten „Ghostwriter" beauftragen, der die Doktorarbeit für sie schreibt?

 

Letzteres lag vielleicht bei unserem Verteidigungsminister vor. Das ist zumindest meine Phantasie, wie es gewesen sein könnte: Die Zeit war knapp, der Ehrgeiz groß und selbstverständlich gehört der „Doktor“ in gewissen Kreisen einfach dazu. „Dr. Freiherr von und zu Guttenberg“ klingt schließlich besser als lediglich „Freiherr von und zu Guttenberg“. Noch immer öffnet der Doktortitel den Zugang zu den Machtpositionen in unserer Gesellschaft.

 

 

Die aktuelle Debatte um echte, erkaufte und ehrenhalber verliehene Doktortitel hat bei mir in dieser Woche das Telefon klingeln lassen. Journalisten wollten wissen: Ist die Anrede mit Doktortitel überhaupt noch zeitgemäß? Und: Ist der Doktortitel ein Namensbestandteil?

Der Doktortitel ist kein Namensbestandteil – wirklich nicht!

Häufig höre ich von Doktoren: „Aber dann müssten die Behörden (Stadtverwaltung, Finanzamt, Einwohnermeldeamt usw.) Unrecht haben. Auf meinem Personalausweis, in meinem Pass und auf meiner Steuerkarte trägt mein Name den Doktorzusatz.“

Warum akademische Grade nur Namenszusätze sind

In der Tat gibt es um akademische Grade (z.B. den Doktor-Titel) viel Verwirrung. Selbst wenn sie von vielen Behörden in den Personalausweis eingetragen werden, sind sie lediglich ein Namenszusatz und kein Namensbestandteil. Im Gegensatz zu Namensbestandteilen können Sie den „Doktor“ nicht an Kinder und Enkelkinder weitervererben.

Urteil des Bundesgerichtshofs

Akademische Grade sind keine Bestandteile des Familiennamens. Der Bundesgerichtshof hat hierzu in seiner Entscheidung vom 19. Dezember 1962 (BGHZ 38, 380) ausgeführt, dass sich die Eintragungsfähigkeit akademischer Grade aus der ständigen Übung ergebe, sie in die Personenstandsbücher und -urkunden aufzunehmen. Dies geschieht, obwohl sie weder Bestandteil des Namens seien noch dem Beruf zugerechnet werden könnten und es auch an einer gesetzlichen Grundlage für die Eintragung fehle. Der Doktor hat also keinen Rechtsanspruch auf die Anrede „Herr Doktor Mustermann“. 

Eine Frage der Höflichkeit

Aber: Die Anrede mit „Doktor“ ist kulturell bedingt und auch 2011 eine Geste der Höflichkeit. Den Doktortitel bei der Anrede und der Anschrift unaufgefordert wegzulassen, ruft (meistens) Unmut hervor. Mir persönlich bricht kein „Zacken aus der Krone“, wenn ich den Inhaber eines anständigen Doktortitels auch mit Doktor anspreche.

„Doktor Ehren halber“

Unser Verteidigungsminister wird auf die Doktor-Anrede vorerst verzichten müssen. Doch ich bin mir sicher, dass sich schon bald eine Universität finden wird, die ihm den „Doktor Ehren halber“ verleit. Wenn Sie auf einer Visitenkarte „Dr. h.c.“ (honoris causa) oder „Dr. e.h.“ (Ehren halber) lesen, wissen Sie, dass es sich um so einen Ehrentitel handelt. 

Auch wenn sich manch wohlklingender Titel als Mogelpackung entpuppt, gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Ich persönlich glaube solange an die Rechtschaffenheit meines Gegenübers, bis das Gegenteil bewiesen ist.

 

 

 

 

Mit herzlichen Grüßen<br/>

Ihre

 Agnes Anna Jarosch

 

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